6.1 Überblick Aus- und Weiterbildung

Auf einen Blick:

Im Vergleich der fünf Pflegeberufe sind die Schülerzahlen im Schuljahr 2020/2021 in der Altenpflege noch am höchsten, gefolgt von der neuen Pflegeausbildung. Im Zeitverlauf seit dem Schuljahr 2014/2015 bis zum Umstieg auf die neue Pflegeausbildung zeigt sich ein Anstieg der Schülerzahlen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflegehilfe. Auch die Zahl der Ausbildungsanfänger/innen ist für diese Berufe gestiegen.

Der größere Teil der praktischen Ausbildungsplätze in der Altenhilfe wurde im Jahr 2020 von den stationären Pflegeeinrichtungen angeboten. Mehr als 9 von 10 Einrichtungen (94 Prozent) haben angegeben, sich in Fachkraft- oder Helferausbildung zu engagieren. Von den ambulanten Pflegediensten stellten 74 Prozent Ausbildungs- bzw. Praktikumsplätze zur Verfügung. Von den Krankenhäusern im Bundesland engagierten sich 87 Prozent in der Ausbildung. Insbesondere in den ambulanten Diensten konnte ein beträchtlicher Teil der angebotenen Plätze nicht besetzt werden.

Stellt man die Absolventen/innen der Ausbildung im Jahr 2020 dem Beschäftigtenstand gegenüber, zeigt sich eine höhere Ausbildungsintensität in der Altenpflege als in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege. In der Altenpflege machten die Absolventen/innen 5,4 Prozent am Beschäftigtenstand aus, in der (Kinder-)Krankenpflege 3,0 Prozent. Darüber hinaus variiert die Ausbildungsintensität im regionalen Vergleich.

1. Ausbildungssituation in Hessen – Schülerdaten

Um die Ausbildungssituation in Hessen insgesamt und in den Regionen des Bundeslandes abzubilden, wird auf Daten aus der Schulstatistik des Hessischen Statistischen Landesamtes zurückgegriffen. Diese liefert jährlich Informationen zu den Schüler/innen in den Altenpflegeschulen und den Schulen des Gesundheitswesens. Belastbare Angaben liegen bis zum Erhebungsjahr 2020/2021 vor. Für die fünf Bildungsgänge Altenpflege, Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Altenpflegehilfe und Krankenpflegehilfe ist der Erhebungszeitraum jeweils der 01.10. bis 30.09., für den Bildungsgang Pflegefachmann/-frau ist es das Kalenderjahr. Zudem ist zu beachten, dass die Schulen des Gesundheitswesens im Vergleich zu den Altenpflegeschulen bis 2020 keiner gesetzlichen Auskunftspflicht unterlagen. Für die neue Pflegeausbildung besteht nun für alle Pflegeschulen eine gesetzliche Lieferverpflichtung. Insofern ist nicht zu vermeiden, dass für die Berufe der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Krankenpflegehilfe die Daten bis 2019/20 an der einen oder anderen Stelle unvollständig sein können.

Mit dem Umstieg auf die neue Pflegeausbildung sinken die Schülerzahlen in der Alten-, der Kranken- und der Kinderkrankenpflege. Nichtsdestotrotz waren die Schülerzahlen in der Altenpflege im Vergleich der Pflegeberufe zuletzt noch am höchsten. Zum 01.10.2020 befanden sich 3.653 Personen in der Altenpflegeausbildung, gefolgt von 3.558 angehenden Pflegefachmännern/-frauen. Sehr unterschiedlich hoch waren die Schülerzahlen in den beiden Pflegehelferausbildungen: Während 1.367 Personen die Altenpflegehilfeausbildung absolvierten, befanden sich 193 Personen in der Krankenpflegehilfeausbildung.

Im Zeitverlauf zwischen den Schuljahren 2014/2015 und 2019/2020 sind die Schülerzahlen in der Alten-, der Kinderkrankenpflege und der Altenpflegehilfe gestiegen. Mit dem schrittweisen Umstieg auf die neue Pflegeausbildung sind sie im Schuljahr 2020/2021 erstmals wieder gesunken. Die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege absolvierten dagegen im betrachteten Zeitraum von Jahr zu Jahr weniger Schüler/innen. In Krankenpflegehilfe schwanken die Schülerzahlen im Zeitverlauf, eine klare Tendenz ist nicht zu erkennen.

2. Merkmale der Auszubildenden

Anhand der Schulstatistik für das Schuljahr 2020/2021 werden im Folgenden einzelne Merkmale der Schüler/innen näher beschrieben.

Gut die Hälfte der Auszubildenden, die im Jahr 2020 die neue Pflegeausbildung aufgenommen haben (53 Prozent), hat einen Ausbildungsvertrag mit einem Krankenhaus geschlossen. Für 43 Prozent fungiert eine stationäre Pflegeeinrichtung als Träger der praktischen Ausbildung. Lediglich 5 Prozent absolvieren ihre Ausbildung vorrangig in einem ambulanten Pflegedienst.

Eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft haben besonders viele Schüler/innen in der Alten- (39 Prozent) und der Krankenpflegehilfe (41 Prozent). Im Vergleich der Fachkraftausbildungen war der Anteil in der Altenpflegeausbildung am höchsten (38 Prozent). In der Krankenpflege (26 Prozent) und der Kinderkrankenpflege (16 Prozent) war er deutlich geringer. Insgesamt steigt der Anteil nicht-deutscher Schüler/innen im Zeitverlauf. Unter den angehenden Pflegefachmännern/-frauen haben 27 Prozent eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft.

Nimmt man die schulische Vorbildung der Ausbildungsanfänger/innen in den Blick, ergibt sich kein homogenes Bild für die Gruppe der angehenden Pflegefachkräfte und die der angehenden Pflegehelfer/innen: Von den Anfänger/innen in den 3-jährigen Ausbildungen hatte die Mehrzahl im Schuljahr 2020/2021 einen Realschulabschluss. Der Anteil der Anfänger/innen mit Hochschulreife war in der Altenpflegeausbildung deutlich niedriger als in den Krankenpflegeausbildungen. Von den Ausbildungsanfänger/innen in der Altenpflegehilfe und der Krankenpflegehilfe brachte dagegen nur ein kleiner Teil einen höheren Schulabschluss als den Hauptschulabschluss mit. 68 Prozent der angehenden Krankenpflegehelfer/innen verfügten über einen Hauptschul-, 27 Prozent über einen Realschulabschluss. Unter den angehenden Altenpflegehelfer/innen befanden sich sogar 79 Prozent mit einem Hauptschul- und nur 11 Prozent mit einem Realschulabschluss.

Über den vorherigen Bildungsgang ließ sich rekonstruieren, aus welchen Bereichen die Ausbildungsanfänger/innen des Schuljahres 2020/2021 in die Ausbildung eingemündet waren. Von den Anfänger/innen der Altenpflegeausbildung hatten 80 Prozent vorher eine andere Berufsausbildung absolviert. Dabei handelte es sich nahezu ausschließlich um eine Ausbildung im Bereich der Altenpflegeberufe, d.h. mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Altenpflegehelferausbildung. Auch von den Auszubildenden in den Krankenpflegeberufen hatte ein großer Teil vorher eine andere Ausbildung absolviert. In 95 Prozent (Gesundheits- und Krankenpflege) bzw. 98 Prozent (Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) handelte es sich dabei um eine Ausbildung in einem in der Statistik nicht näher bestimmten Gesundheitsberuf.

Weit heterogener war das Bild bei den angehenden Pflegefachmännern/-frauen und den Pflegehelfer/innen: Mit 16 Prozent kam ein weit höherer Anteil der Schüler/innen in der neuen Pflegeausbildung direkt von einer allgemeinbildenden Schule; der Anteil war deutlich höher als in den drei anderen Fachkraftausbildungen. Zudem war der Anteil derer, die aus Erwerbstätigkeit in die Ausbildung einmünden sowie der Anteil der nicht Erwerbstätigen mit 19 bzw. 36 Prozent auffällig hoch. Dieses Bild ähnelte dem in den Helferausbildungen: Gute jede/r fünfte Anfänger/in in der Altenpflegehilfe und knapp jede/r zehnte in der Krankenpflegehilfe kam direkt aus einer Erwerbstätigkeit. Mit 22 Prozent (Altenpflegehilfe) bzw. 13 Prozent (Krankenpflegehilfe) war zudem ein Teil der Schüler/innen vermutlich vorher arbeitslos („nicht erwerbstätig/kein Bildungsgang“).

Auch bezüglich der Altersstruktur der Schüler/innen ergeben sich Unterschiede: Während mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der Auszubildenden in der Altenpflege 27 Jahre und älter ist, traf dies nur auf 25 Prozent der Pflegefachmänner/-frauen, 19 Prozent der angehenden Krankenpfleger/innen und 10 Prozent der angehenden Kinderkrankenpfleger/innen zu. Die Auszubildenden in der neuen Pflegeausbildung und der (Kinder-)Krankenpflege sind mehrheitlich zwischen 19 und 22 Jahren alt. Die Altersstruktur der Schüler/innen in den beiden Helfer-Ausbildungen unterscheidet sich weniger: Hier ist mit etwa 20 Prozent ein nicht unwesentlicher Teil der Schüler/innen nicht älter als 18 Jahre. Darüber hinaus ist allerdings auch der Anteil der über 27jährigen Auszubildenden sowohl in der Altenpflegehilfe mit 33 Prozent als auch in der Krankenpflegehilfe mit 41 Prozent bedeutsam.

3. Ausbildungsplätze in der Altenhilfe und in Krankenhäusern

Im Jahr 2020 haben sich 74 Prozent aller hessischen ambulanten Pflegeeinrichtungen in der Ausbildung engagiert. Aufgrund einer veränderten Erhebungssystematik ist diese Zahl kaum mit den Angaben der Vorjahre vergleichbar. Deutlich erkennbar ist allerdings, dass sich mehr Pflegedienste in der Ausbildung von Pflegefachmännern/-frauen engagiert haben als in der Ausbildung von Altenpflegehelfer/innen. Zudem war der Anteil derer, die Praktikumsplätze für externe Auszubildende zur Verfügung gestellt haben, größer als der Anteil der Dienste, die als Träger der praktischen Ausbildung fungierten.

Höher ist der Anteil der ausbildenden Einrichtungen im stationären Sektor: Dort haben im Jahr 2020 insgesamt 94 Prozent aller Einrichtungen Ausbildungs- oder Praktikumsplätze angeboten. Anders als in der ambulanten Pflege wurden die Ausbildungskapazitäten in der stationären Pflege eher mit eigenen Auszubildenden ausgelastet. Der Anteil der Einrichtungen, die Plätze für externe Auszubildende anbieten, war geringer als der Anteil derer, die als Träger der praktischen Ausbildung agierten.

Nicht sämtliche von den Einrichtungen angebotenen Ausbildungsplätze konnten im Jahr 2020 tatsächlich besetzt werden. Der Anteil der besetzten Ausbildungsplätze lag im stationären Sektor höher als im ambulanten. In den stationären Pflegeeinrichtungen konnten jeweils gut drei Viertel der Ausbildungsplätze für die dreijährige und die einjährige Ausbildung besetzt werden. Diese Quoten entsprachen in etwa den Quoten des Jahres 2018. In den ambulanten Pflegediensten wurden 61 Prozent der Ausbildungsplätze für Pflegefachmänner/-frauen und 60 Prozent der Ausbildungsplätze für Altenpflegehelfer/innen besetzt. Die Besetzungsquote in den Pflegediensten sinkt im Zeitverlauf.

In den ausbildenden Krankenhäusern konnte der Großteil der angebotenen Ausbildungsplätze im Jahr 2020 besetzt werden. Die Besetzungsquoten lagen mit 91 Prozent für Pflegefachkräfte und 87 Prozent für Pflegehelfer/innen deutlich höher als in der Altenhilfe. Von den Krankenhäusern, die sich an der Befragung im Hessischen Pflegemonitor beteiligt haben, engagierten sich 87 Prozent in der Ausbildung.

4. Ausbildung in den Regionen

Die Schulstatistik des Hessischen Statistischen Landesamtes ermöglicht eine regionalisierte Betrachtung der Auszubildendenzahlen. Die Zuordnung der Schüler/innen zu einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt erfolgt allerdings nicht anhand ihres Wohnorts oder über die Adresse des Ausbildungsbetriebs, sondern über den Standort der Pflegeschule.

Die Anzahl der angehenden Pflegefachmänner/-frauen war im Schuljahr 2020/2021 in den Städten Frankfurt am Main und Kassel am höchsten. Dort absolvierten 452 bzw. 340 Schüler/innen die Ausbildung. Auch in sämtlichen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten existierten schulische Ausbildungsangebote.

Auch die Auszubildenden in der Altenpflegehilfe verteilten sich nahezu über das gesamte Bundesland. In lediglich drei Landkreisen existierte kein schulisches Ausbildungsangebot (Main-Taunus-Kreis, Odenwaldkreis und Rheingau-Taunus-Kreis). Am höchsten waren die Schülerzahlen wiederum in Frankfurt am Main (208 Auszubildende), gefolgt von den Städten Kassel (154 Auszubildende) und Wiesbaden (149 Auszubildende).

In der Krankenpflegehilfe lagen die Ausbildungszahlen im Main-Kinzig-Kreis (52 Auszubildende) und im Landkreis Waldeck-Frankenberg (51 Auszubildende) am höchsten. Darüber hinaus existieren noch in sechs weiteren Regionen schulische Ausbildungsangebote. Zu bedenken ist allerdings, dass die Krankenpflegeschulen keiner gesetzlichen Auskunftspflicht unterliegen; insofern haben möglicherweise nicht sämtliche Schulen an der Erhebung teilgenommen und die Schülerzahlen können unvollständig sein.

Um das Ausmaß der Ausbildungsintensität im regionalen Vergleich und zwischen den Berufen noch besser bewerten zu können, wurden die Absolventenzahlen aus dem Jahr 2020 in Relation zum Beschäftigtenstand Ende des Jahres 2019 gesetzt. Das Ergebnis zeigt, um wie viel Prozent sich der Beschäftigtenstand innerhalb eines Jahres rein rechnerisch durch Ausbildung „erneuert“ hat.

In der Altenpflege machten die Absolventen/innen des Jahres 2020 hessenweit 5,4 Prozent am Beschäftigtenstand aus. Die Ausbildungsintensität variiert im regionalen Vergleich aber stark. So „erneuerten“ sie den Beschäftigtenstand in der Stadt Wiesbaden um 19 Prozent, in der Stadt Darmstadt um 18 Prozent. Acht Regionen lagen leicht, sieben weitere deutlich unter dem Durchschnittswert.

In der Kranken- und Kinderkrankenpflege, die hier gemeinsam betrachtet werden, entsprach die Zahl der Absolventen/innen in Hessen 3,0 Prozent des Beschäftigtenstandes. Die Ausbildungsintensität ist folglich etwas geringer als in der Altenpflege. Zudem ist die Variation geringer. Am höchsten lag die Ausbildungsintensität in der Stadt Darmstadt (5,0 Prozent) und im Landkreis Waldeck-Frankenberg (4,9 Prozent). Sieben Regionen lagen mit Werten unter 2,0 deutlich unter dem Landesschnitt.