3.1 Überblick Arbeitsmarkt

 

Auf einen Blick:

Im Jahr 2020 wurden in Hessen in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken insgesamt 19.120 Pflegekräfte gesucht.

Größter Nachfrager waren die Altenpflegeeinrichtungen, die 77 Prozent aller zu besetzenden Stellen für Pflegekräfte anboten.

Mit 49 Prozent entfiel etwa die Hälfte der Gesamtnachfrage auf Pflegefachkräfte. Staatlich geprüfte Altenpfleger/innen sowie Gesundheits- und Krankenpfleger/innen waren die am stärksten nachgefragten Berufsgruppen.

Hessenweit reichte im Jahr 2020 das Angebot an Pflegekräften nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Es ergab sich für alle Qualifikationsstufen ein Fachkräfteengpass, der bei den Altenpflegern/innen und den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen am größten ausfiel.

Setzt man die Salden in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand, so wird erkennbar, wie viel die festgestellte Unterdeckung in Prozent bezogen auf den aktuellen Beschäftigtenstand ausmacht. Demnach waren die Engpässe bezogen auf den Beschäftigtenbestand bei den Altenpflegehelfern/innen mit 14 Prozent am stärksten ausgeprägt, gefolgt von den Altenpfleger/innen und den Altenpflegehelfer/innen mit jeweils 12 Prozent.

Für die Berufsgruppen der Altenpfleger/innen und der Gesundheits- und Krankenpfleger/innen waren die Engpässe in absoluten Zahlen in der kreisfreien Stadt Frankfurt am größten. Relativ zum Beschäftigtenstand war der Pflegearbeitsmarkt für Altenpfleger/innen im Rheingau-Taunus-Kreis und im Landkreis Darmstadt-Dieburg am stärksten angespannt. Betrachtet man die Salden in Relation zum Beschäftigtenstand für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, zeigt sich eine stark angespannte Arbeitsmarktlage auch im Wetteraukreis, im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Kassel.

Bezogen auf Gesamthessen konnte in allen vier Versorgungsbereichen im Jahr 2020 ein Teil der offenen Stellen nicht besetzt werden. Um Engpässe abzufedern, haben insbesondere Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen auch Leiharbeitskräfte eingesetzt. 22 Prozent der Stellen für Altenpfleger/innen in der stationären Pflege sowie 12 Prozent der Stellen für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen in Kliniken wurden mit Leiharbeitskräften besetzt.

1. Nachfrage nach Pflegekräften im Jahr 20201

Insgesamt wurden im Jahr 2020 von allen ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie allen Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken 19.120 Pflegekräfte gesucht.2 Am häufigsten wurden staatlich geprüfte Pflegefachkräfte ohne formale Weiterqualifizierung nachgefragt, wobei 4.884 Altenpfleger/innen, 4.225 Gesundheits- und Krankenpfleger/innen und 314 Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen gesucht wurden. Zusätzlich wurden 3.017 Pflegefachkräfte mit staatlich anerkannten Weiterbildungsabschlüssen sowie 319 Pflege(fach)kräfte mit einem pflegebezogenen Studienabschluss nachgefragt. Neben Pflegefachkräften bestand auch eine Nachfrage nach staatlich geprüften Pflegehelfer/innen in Höhe von 3.569 Personen und nach angelernten und anzulernenden Hilfskräften in Höhe von 2.792 Personen.

Der Umfang der Nachfrage und – soweit relevant – die Art der fachlichen Ausrichtung, variierten zwischen Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bei den unterschiedlichen Qualifikationen zum Teil erheblich:

  • Etwa 79 Prozent der Pflege(fach)kräfte mit Studienabschluss wurden im Jahr 2020 von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen gesucht (253 von 319).
  • Auch Pflegefachkräfte mit staatlich anerkanntem Weiterbildungsabschluss wurden größtenteils von Einrichtungen der Altenhilfe gesucht. 70 Prozent der Gesamtnachfrage entfiel auf die ambulanten und stationären Einrichtungen. Eine sehr geringe Nachfrage bestand im Jahr 2020 in Rehabilitationskliniken (3 Prozent der Gesamtnachfrage). Am häufigsten wurden Pflegefachkräfte mit den Abschlüssen „Praxisanleiter/in“ (744 Personen), „Fachpfleger/in für Intensivpflege und Anästhesie“ (540 Personen) sowie „Stations-, Gruppen- und Wohnbereichsleitungen“ (517 Personen) gesucht.
  • Die meisten staatlich geprüften Pflegefachkräfte (ohne weitere formale Qualifikationen) wurden von stationären (3.422 Personen) und ambulanten Pflegeeinrichtungen (3.127 Personen) nachgefragt. Damit entfielen 70 Prozent der offenen Stellen im Jahr 2020 auf die Einrichtungen der Altenhilfe. In den Krankenhäusern waren 2.476 Stellen, in den Rehabilitationskliniken 398 Stellen zu besetzen. Auf erstere entfielen 26 Prozent, auf letztere 4 Prozent der Gesamtnachfrage. Während im Klinikbereich fast ausschließlich Gesundheits- und Krankenpfleger/innen gesucht wurden, waren Altenpfleger/innen die am stärksten nachgefragte Berufsgruppe in den Altenhilfeeinrichtungen. In den stationären Pflegeeinrichtungen wurden 2.806 Altenpfleger/innen gesucht, in den ambulanten Pflegeeinrichtungen 1.930.
  • 92 Prozent der Nachfrage nach staatlich geprüften Pflegehelfer/innen entfiel auf die ambulanten Dienste und stationären Altenpflegeeinrichtungen (3.281 von 3.569). Die Zahl der zu besetzenden Stellen lag in beiden Sektoren etwa gleich hoch. Gesucht wurden vor allem Altenpflegehelfer/innen (74 Prozent der Nachfrage nach Pflegehelfer/innen). Krankenpflegehelfer/innen wurden zum größten Teil in ambulanten Diensten nachfragt.
  • Im Jahr 2020 betrug die Anzahl der gesuchten angelernten bzw. anzulernenden Pflegehilfskräfte 2.792 Personen. Davon wurden die meisten von ambulanten (62 Prozent) und stationären Pflegeeinrichtungen (35 Prozent) nachgefragt. In Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken gab es dagegen kaum offene Stellen für diese Gruppe.

2. Zusammenführung von Pflegekräfteangebot und -nachfrage im Jahr 2020

Die Nachfrage nach Pflegekräften wird mit dem verfügbaren Angebot zusammengeführt, um zu einer Einschätzung der Pflegekräftesituation im Jahr 2020 zu gelangen. Diese Einschätzung dient insbesondere der Identifikation von Unterdeckung, Überhang oder Ausgleich zwischen Nachfrage und Angebot in einzelnen Berufen und Qualifikationsebenen. Das Angebot, das der Nachfrage gegenübergestellt wird, berücksichtigt vermittelbare arbeitslose Pflegekräfte und Absolventen/innen.3

Da sich die Nachfrage auf alle im Jahr 2020 gesuchten Pflegekräfte bezieht, handelt es sich um eine sogenannte Jahresbruttogröße. Entsprechend ist auch das Angebot, das auf diese Nachfrage zu beziehen ist, als Jahresbruttogröße auszuweisen. Dies bedeutet, dass alle vermittelbaren arbeitslosen Pflegekräfte und alle Absolventen/innen, die im Jahr 2020 zwecks Deckung der Nachfrage zur Verfügung standen, Berücksichtigung finden.4

Die Zusammenführung erfolgt, indem die Bruttogröße der Nachfrage von den Bruttowerten des Angebots abgezogen wird. Der auf diese Weise ermittelte Saldo gibt Auskunft über das Maß, in welchem das Angebotspotential zur Befriedigung der Nachfrage genügt. Saldenwerte, die gleich Null sind oder nur geringfügig abweichen, werden so interpretiert, dass der Umfang des Angebots ausreichend zur Deckung der Nachfrage war. Werte, die deutlich größer als Null sind, weisen auf einen Angebotsüberhang und negative Werte auf ein quantitativ zu geringes Angebot für die bestehende Nachfrage hin.

Im Jahr 2020 konnte hessenweit in allen betrachteten Pflegeberufen die Gesamtnachfrage der Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege nicht gedeckt werden. Die quantitativ größte Lücke ergab sich für die Altenpfleger/innen. In dieser Berufsgruppe wurden 2.911 Personen mehr gesucht, als an Angebot zur Verfügung standen. Auch bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen überstieg die Nachfrage das Angebot mit 2.361 Personen deutlich. Ebenfalls hoch war die Lücke bei den staatlich geprüften Pflegehelfern/innen (-1.452) sowie bei Pflegefachkräften mit staatlich anerkannter Weiterbildung (-1.524). Deutlich kleiner waren die Engpässe bei den akademisch qualifizierten Pflegekräften (-37), den Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen (-25) und den an- und ungelernten Pflegehilfskräften (-64).

Dabei weist die hessenweite Situation einige regionale Unterschiede auf. Differenziert man die Analyse der einzelnen Qualifikationsstufen nach den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten, kam es nicht in allen Regionen zu einem Engpass.

  • Die Salden von Arbeitskräfteangebot und -Nachfrage für Pflegefachkräfte mit einem staatlich anerkannten Weiterbildungsabschluss waren im Jahr 2020 auf Landesebene durchgehend negativ. Die Qualifikation mit der hessenweit größten Unterdeckung war die der Fachpfleger/innen für Intensivpflege und Anästhesie: Hier wurden 352 Arbeitskräfte mehr gesucht als auf dem Arbeitsmarkt verfügbar waren. Ähnlich groß war der Engpass mit 337 fehlenden Personen bei den Stations-, Gruppen- und Wohnbereichsleitungen.
  • Das Angebot an staatlich geprüften Altenpflegern/innen reichte im Jahr 2020 nur in den Städten Darmstadt und Offenbach aus, um die Nachfrage der Einrichtungen zu decken. Die in absoluten Zahlen größten Engpässe ergaben sich in der kreisfreien Stadt Frankfurt (-353). Im Landkreis Kassel und im Main-Kinzig-Kreis fehlten jeweils etwa 250 Altenpfleger/innen.
  • Wie bei den Altenpflegern/innen war auch der Arbeitsmarkt für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen im Jahr 2020 in den allermeisten Regionen Hessens im Ungleichgewicht. In der Stadt Frankfurt (-351) und im Wetteraukreis (-202) waren die Lücken in absoluten Zahlen am größten. Lediglich in der Stadt Darmstadt überstieg das Angebot die Nachfrage.
  • Für die Berufsgruppe der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen waren Angebot und Nachfrage in vielen Kreisen und kreisfreien Städten weitgehend im Gleichgewicht. Die größten Lücken zeigten sich im Landkreis Kassel und in der kreisfreien Stadt Wiesbaden mit jeweils 24 fehlenden Fachkräften. In der Stadt Frankfurt und im Kreis Gießen überstieg das Angebot die Nachfrage aufgrund der hohen Absolventenzahlen deutlich.
  • Auch die Arbeitsmarktlage für staatlich geprüfte Altenpflegehelfer/innen unterschied sich regional: Wiederum war der Engpass in der Stadt Frankfurt mit 191 fehlenden Arbeitskräften am größten. Im Landkreis Offenbach fehlten 123 Altenpflegehelfer/innen. Angebotsüberhänge ergaben sich nur für 4 Gebietskörperschaften, unter anderem für die Stadt Darmstadt und den Landkreis Limburg-Weilburg.
  • Die Nachfrage nach Krankenpflegehelfer/innen überstieg das Angebot ebenfalls in den meisten Regionen Hessens. In 10 der 26 Gebietskörperschaften fehlten jeweils mehr als 20 Krankenpflegehelfer/innen. Am größten war das Ungleichgewicht in der Stadt Frankfurt, wo die Nachfrage das Angebot rein rechnerisch um 119 Arbeitskräfte überstieg.
  • In der Hälfte der hessischen Gebietskörperschaften war die Arbeitsmarktlage für Pflegehilfskräfte entspannt; hier überstieg das Angebot die Nachfrage um mehr als 20 Personen. Große Engpässe zeigten sich allerdings in den kreisfreien Städten Kassel (-299) und Frankfurt (-256).

3. Arbeitsmarktlage in Relation zum Beschäftigtenstand

Die absoluten Zahlen zu Überhängen oder Engpässen geben einen ersten Überblick zur Fachkräftesituation in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Um das Ausmaß von Überhängen oder Engpässen im regionalen Vergleich und zwischen den Berufen bewerten zu können, ist allerdings eine relative Betrachtung der Salden bezogen auf den Beschäftigtenstand besser geeignet. Dafür werden die Überhänge bzw. Engpässe in Beziehung zum Beschäftigtenstand in den jeweiligen Regionen gesetzt. Grundlage für die Berechnung sind die Beschäftigtendaten aus der Pflegestatistik, der Krankenhausstatistik und der Statistik der Vorsorge- und Rehabilitationskliniken für das Jahr 2019.

Setzt man die Salden in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand, so wird erkennbar, wie hoch die Unterdeckung im Verhältnis zum aktuellen Beschäftigtenstand in der jeweiligen Berufsgruppe ausfiel. Regional unterschiedliche Arbeitsmarktlagen werden bei dieser Betrachtung deutlich.

  • Für die Berufsgruppe der Altenpfleger/innen war die Unterdeckung im Rheingau-Taunus-Kreis und im Landkreis Darmstadt-Dieburg besonders groß: In den beiden Regionen entsprach der Fachkräfteengpass mehr als 23 Prozent des Beschäftigtenstands. Der hessische Durchschnitt lag dagegen nur bei 12 Prozent.
  • Etwas weniger stark angespannt waren die regionalen Arbeitsmärkte für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen. Der relative Saldo für Hessen insgesamt entsprach 6 Prozent. Deutlich über dem Durchschnitt lagen neben dem Wetteraukreis (13 Prozent) auch die beiden nordhessischen Landkreise Kassel und der Werra-Meißner-Kreis (jeweils 12 Prozent).
  • Für die Berufsgruppe der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen zeigte sich ebenfalls ein differenziertes Bild: In knapp der Hälfte der Regionen konnte die Nachfrage der Einrichtungen rein rechnerisch gedeckt werden. Aufgrund eines relativ niedrigen Beschäftigtenstands bei gleichzeitig sehr hoher Nachfrage wurde im Landkreis Offenbach hingegen ein großer Fachkräfteengpass sichtbar, der 84 Prozent des Beschäftigtenstandes entsprach. Der hessische Durchschnitt lag bei einem Prozent.
  • Bei den staatlich geprüften Altenpflegehelfern/innen unterschieden sich die relativen Salden im regionalen Vergleich etwas weniger: In den allermeisten Landkreisen und kreisfreien Städten bestanden Engpässe. Im Landesdurchschnitt entsprachen diese 14 Prozent des Beschäftigtenbestandes. Im Landkreis Offenbach lag der relative Saldo mit 39 Prozent am höchsten.
  • Für Krankenpflegehelfer/innen waren die Engpässe insgesamt niedriger ausgeprägt als für Altenpflegehelfer/innen. Jedoch gab es auch hier nur in wenigen Regionen Überhänge. Wiederum waren Angebot und Nachfrage im Landkreis Offenbach am stärksten im Ungleichgewicht (67 Prozent). Der hessische Durchschnitt lag bei 13 Prozent.

4. Stellenbesetzungssituation in der Kranken- und Altenpflege im Jahr 2020

Dass die Lage auf dem hessischen Pflegearbeitsmarkt im Jahr 2020 stark angespannt war, zeigt sich auch am Anteil der offenen Stellen, die nicht besetzt werden konnten, an den von den Leistungserbringern artikulierten Stellenbesetzungsproblemen und am Einsatz von Leiharbeitskräften.

Stellenbesetzungssituation in Krankenhäusern und Rehakliniken

In den hessischen Krankenhäusern konnte im Jahr 2020 ein Teil der Pflegestellen nicht besetzt werden. Der Anteil nicht besetzter Stellen war für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen mit 51 Prozent am höchsten. Arbeitsplätze für Pflegefachkräfte mit Studienabschluss konnten zu 49 Prozent, Stellen für Pflegefachkräfte mit Weiterbildung zu 47 Prozent nicht besetzt werden. Darüber hinaus blieben 26 Prozent der angebotenen Arbeitsplätze für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen und 15 Prozent der Stellen für Krankenpflegehelfer/innen unbesetzt.

In Rehabilitationskliniken waren Stellenbesetzungsprobleme je nach Qualifikationsniveau anders ausgeprägt als in den Akutkrankenhäusern. Insbesondere die Besetzung der Stellen für Pflegekräfte mit Weiterqualifizierung fiel leichter. Von den Arbeitsplätzen für akademisch qualifiziertes Pflegepersonal blieben 20 Prozent, von den Stellen für weitergebildete Pflegefachkräfte 27 Prozent unbesetzt. Dagegen war der Anteil der nicht besetzten Stellen für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen und Krankenpflegehelfer/innen höher als in den Krankenhäusern: Gut die Hälfte der Fachkraftstellen (52 Prozent) sowie gut ein Drittel der Helferstellen (36 Prozent) blieben im Jahr 2020 unbesetzt.

Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zeigen sich auch am Anteil der Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken, die im Jahr 2020 nach eigenen Angaben Probleme bei der Besetzung offener Stellen hatten. So äußerten 70 Prozent der Akutkrankenhäuser, die Pflegefachkräfte mit Studienabschluss oder staatlich anerkannter Weiterbildung gesucht hatten, dass es Probleme bei der Stellenbesetzung gab. Gut drei Viertel der Krankenhäuser artikulierten Probleme bei der Stellenbesetzung mit Pflegefachkräften ohne weitere Qualifikation (77 Prozent). Bei offenen Stellen für Pflegehelfer/innen ergab sich dagegen nur ein Anteil von 22 Prozent. Rehabilitationskliniken, die 2020 Pflegekräfte gesucht haben, gaben zu 71 Prozent Probleme bei der Besetzung offener Stellen für Pflegefachkräfte mit Studienabschluss oder Weiterbildung an. 74 Prozent der Kliniken äußerten Stellenbesetzungsprobleme bei der Suche nach Pflegefachkräften ohne Weiterqualifizierung. Die Besetzung offener Stellen für Pflegehelfer/innen wurde von der Hälfte als problembehaftet beschrieben.

Stellenbesetzungssituation in Einrichtungen der Altenpflege

Im Vergleich zu den Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken waren die Einrichtungen der Altenpflege im Jahr 2020 zum Teil mit noch größeren Stellenbesetzungsproblemen konfrontiert. In den ambulanten Pflegediensten konnten 61 Prozent der Arbeitsplätze für akademische Pflegekräfte und die Hälfte der Arbeitsplätze für weitergebildete Pflegefachkräfte nicht besetzt werden. Auf niedrigerem Niveau lagen die Anteile unbesetzter Stellen für Altenpfleger/innen und Gesundheits- und Krankenpfleger/innen (je 28 Prozent). Die wenigen offenen Stellen für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen blieben sogar zu 43 Prozent unbesetzt. Auf der Qualifikationsebene der staatlich geprüften Alten- und Krankenpflegehelfer/innen blieben 42 bzw. 48 Prozent der offenen Stellen vakant. Zudem konnte ein Viertel der Stellen für Pflegehilfskräfte nicht besetzt werden.

Im Sektor der stationären Altenpflege waren die Besetzungsschwierigkeiten nicht weniger stark ausgeprägt. Etwa die Hälfte (48 Prozent) der Stellen für Pflegefachkräfte mit akademischer Qualifikation blieben unbesetzt, sowie 45 Prozent der Stellen für Pflegefachkräfte mit Weiterbildungen. Nicht leichter gestaltete sich die Rekrutierung von Altenpfleger/innen (46 Prozent unbesetzte Stellen) oder Gesundheits- und Krankenpfleger/innen (42 Prozent unbesetzte Stellen). Etwas leichter fiel wohl die Besetzung der Arbeitsplätze für Pflegehelfer/innen und Pflegehilfskräfte: Stellen für Alten- und Krankenpflegehelfer/innen blieben zu 19 bzw. 18 Prozent unbesetzt. Auch die Arbeitsplätze für Pflegehilfskräfte konnten weitgehend besetzt werden (12 Prozent unbesetzte Stellen).

Neben dem Anteil nicht besetzter Arbeitsplätze ist das Ausmaß der von den Einrichtungen artikulierten Stellenbesetzungsprobleme ein guter Indikator für die Arbeitsmarktsituation. Im Sektor der Altenpflege äußerten die Einrichtungen, die 2020 Pflegekräfte gesucht haben, ähnliche Probleme bei der Stellenbesetzung wie im Klinikbereich. 6 von 10 ambulanten Einrichtungen, die Pflege(fach)kräfte mit weiteren Qualifikationen (Studienabschluss, Weiterbildung) gesucht hatten, gaben Stellenbesetzungsprobleme an. Bei den Pflegefachkräften ohne formale Weiterqualifizierung sprachen sogar 76 Prozent von Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Zwei Drittel der ambulanten Dienste hatten zudem Probleme, Stellen für Pflegehelfer/innen zu besetzen. Zudem gab die Hälfte der suchenden Pflegedienste Probleme bei der Besetzung von Hilfskraft-Stellen an. In stationären Pflegeeinrichtungen waren Stellenbesetzungsprobleme je nach Qualifikationsniveau sogar etwas stärker ausgeprägt: 66 Prozent der Einrichtungen gaben an, Probleme bei der Besetzung von Stellen für Pflege(fach)kräfte mit weiteren Qualifikationen (Studienabschluss oder Weiterbildung) gehabt zu haben. Bezüglich der Gruppe der Pflegefachkräfte ohne weitere formale Qualifikation waren es 78 Prozent. Leichter als im ambulanten Sektor fiel dagegen die Besetzung von Stellen für Pflegehelfer/innen und Hilfskräfte. Diese wurde von 43 bzw. 33 Prozent der suchenden Einrichtungen als problembehaftet erlebt.

Zum Einsatz von Leiharbeitskräften

Insbesondere in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen wurden im Jahr 2020 Leiharbeitskräfte eingesetzt, um Stellenbesetzungsprobleme abzufedern. Während 9 von 10 ambulanten Diensten und etwa 8 von 10 Rehabilitationskliniken angaben, nie auf Leiharbeit zurückzugreifen, setzten 27 Prozent der Akutkrankenhäuser sowie 16 Prozent der stationären Pflegeeinrichtungen im Jahr 2020 dauerhaft Leiharbeitskräfte ein. Weitere 4 von 10 Krankenhäuser und Pflegeheime greifen gelegentlich darauf zurück.

12 Prozent der offenen Stellen für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen in Krankenhäusern sowie 22 Prozent der Stellen für Altenpfleger/innen in der stationären Pflege sind im Jahr 2020 mit Leiharbeitskräften besetzt worden.

Etwa ein Drittel der Befragten – von den Krankenhäusern sogar 40 Prozent – hat die Erfahrung gemacht, dass Stammpersonal von Leiharbeitsfirmen abgeworben wurde und in die Leiharbeit gewechselt ist. Andererseits ist es allerdings auch einigen gelungen, Leiharbeitskräfte in reguläre Beschäftigung zu übernehmen. 54 Prozent der Krankenhäuser sowie 23 Prozent der stationären Pflegeeinrichtungen waren dabei erfolgreich.


  1. Die Daten zur Arbeitskräftenachfrage stammen aus der Befragung aller Leistungserbringer in Hessen (Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken, ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen). Die Rückläufe in den einzelnen Sektoren lagen zwischen 47 und 58 Prozent. Die Befragungsdaten wurden auf die Grundgesamtheit aller Einrichtungen hochgerechnet. Die präsentierten Daten ermöglichen somit Aussagen hinsichtlich aller Einrichtungen in Hessen.
  2. Es handelt sich dabei um offene Stellen, die auch tatsächlich zu besetzen waren.
  3. Zum Umfang der aktivierbaren stillen Reserve sowie zum Stellenwechsel liegen keine Daten vor. Anerkannte ausländische Berufsabschlüsse werden im Pflegemonitor nur nachrichtlich ausgewiesen: Im Jahr 2020 hat die zuständige Behörde in Hessen 1.048 Anerkennungen für Pflegefachkräfte (918 Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, 84 Pflegefachmänner/-frauen, 33 Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen und 13 Altenpfleger/innen) sowie 46 Anerkennungen für Pflegehelfer/innen (45 Krankenpflegehelfer/innen, eine Altenpflegehelfer/in) ausgesprochen.
  4. Eine detaillierte methodische Beschreibung finden Sie unter Gliederungspunkt 1.2 Methoden und Datenqualität.