1.1 Zentrale Ergebnisse

Auf einen Blick:

In ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nahm die Beschäftigung von Pflegekräften zwischen 2005 und 2019 stetig zu. Auch der Beschäftigtenstand im Funktionsbereich Pflege in den hessischen Krankenhäusern hat seit 2005 kontinuierlich zugenommen und blieb zwischen 2017 und 2019 relativ konstant. In Rehabilitationskliniken sind dagegen von Jahr zu Jahr weniger Pflegekräfte tätig.

In Altenhilfeeinrichtungen bildet das ‚sonstige Pflegepersonal‘ die größte Gruppe an Pflegekräften; in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken sind es die Gesundheits- und Krankenpfleger/innen.

Hinsichtlich der Arbeitsmarktsituation in den Pflegeberufen gab es im Jahr 2006 noch in allen Pflegeberufen und Qualifikationsebenen Angebotsüberhänge. In den Folgejahren hat die Nachfrage nach Pflegekräften stark zugenommen, so dass das Angebot an Pflegekräften die Nachfrage nicht decken konnte. 2012 folgte durch verstärkte Ausbildungsanstrengungen und eine gesunkene Nachfrage eine leichte Entspannung, bis zum Jahr 2018 ist die Nachfrage nach Pflegekräften jedoch wieder stark gestiegen. Im Jahr 2020 haben insbesondere die ambulanten Dienste weniger Pflegekräfte nachgefragt, sodass die Nachfrage insgesamt rückläufig war. Die Corona-Pandemie hat sich zumindest zu Beginn negativ auf die Inanspruchnahme ambulanter Pflege seitens der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen ausgewirkt.

Dennoch zeigten sich im Jahr 2020 für alle Berufe und Qualifikationsebenen Engpässe. Erstmals waren Angebot und Nachfrage auch für Pflege(fach)kräfte mit Studienabschluss im Ungleichgewicht. Für Altenpfleger/innen und Gesundheits- und Krankenpfleger/innen war der Fachkräfteengpass in absoluten Zahlen derzeit am größten.

Setzt man die Salden in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand, so wird erkennbar, wie hoch die Unterdeckung im Verhältnis zum Beschäftigtenstand in der jeweiligen Berufsgruppe ist. Demnach fehlten bezogen auf den Beschäftigtenbestand bei den Altenpflegern/innen 12 Prozent, bei den Altenpflegehelfern/innen sogar 14 Prozent.

Stellenbesetzungsprobleme waren im Jahr 2020 in den Krankenhäusern und in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen gleichermaßen ausgeprägt. Ein Teil der offenen Stellen wurde mit Leiharbeitskräften besetzt.

Die Vorausberechnungen des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen ergaben für das Jahr 2040 hessenweit einen demografiebedingten Erweiterungsbedarf von 9.072 Altenpfleger/innen und 4.196 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in Vollzeit. Im Vergleich zum Beschäftigtenstand im Jahr 2019 entspricht dies einem Mehrbedarf von 61 Prozent (Altenpfleger/innen) bzw. 62 Prozent (Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen).

Hinzu kommt, dass ein beträchtlicher Teil der derzeit tätigen Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden wird. Bis 2040 müssen im Versorgungssektor der Altenpflege in Hessen 7.117 Altenpfleger/innen und 4.441 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf (bezogen auf den Beschäftigtenstand des Jahres 2019) beträgt 38 Prozent für die Berufsgruppe der Altenpfleger/innen und 54 Prozent für die Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen.

Auch die Akutkrankenhäuser sind mit einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf und einem altersbedingten Ersatzbedarf konfrontiert. Der Erweiterungsbedarf fällt allerdings mit 14 Prozent für Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen und 15 Prozent für Altenpfleger/innen bis zum Jahr 2040 deutlich geringer aus als in der Altenhilfe. Anders sieht es beim altersbedingten Ersatzbedarf aus: Bis 2040 werden mit 84 Prozent der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen und 70 Prozent der Altenpfleger/innen erhebliche Teile des Beschäftigtenbestandes altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Im Vergleich der fünf Pflegeberufe waren die Schülerzahlen im Schuljahr 2020/2021 in der Altenpflege noch am höchsten, gefolgt von den angehenden Pflegefachmännern/-frauen. Besonders hoch ist die Ausbildungsbeteiligung in der stationären Langzeitpflege, wo sich mehr als 9 von 10 Pflegeeinrichtungen in der Ausbildung engagierten. Insbesondere in den ambulanten Pflegediensten stellte die Besetzung der angebotenen Ausbildungsplätze eine Herausforderung dar.

Im Jahr 2020 wurden in den hessischen Pflegeschulen insgesamt 125 hauptamtliche Lehrkräfte gesucht. Etwas mehr als die Hälfte der zu besetzenden Stellen entfiel auf die ehemaligen Altenpflegeschulen.

Die überwiegende Mehrheit der Schulen hat Probleme, ihren Bedarf an hauptamtlichen Lehrkräften zu decken. Da nur 33 Prozent der derzeit beschäftigten Hauptamtlichen jünger sind als 41 Jahre, ist in den kommenden Jahren mit einem ausgeprägten altersbedingten Ersatzbedarf zu rechnen. Bis 2031 werden voraussichtlich 26 Prozent der hauptamtlichen Lehrkräfte altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden.

Der Hessische Pflegemonitor präsentiert neue Ergebnisse. Die Beschreibungen und Analysen der hessischen Pflegearbeitsmärkte werden um aktuelle Entwicklungen erweitert. Die Daten werden sieben Themenbereichen zugeordnet. Im Themenbereich „Beschäftigung“ sind Daten zur Beschäftigtenstruktur in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen aufbereitet. Im Themenbereich „Arbeitsmarkt“ stehen Informationen zum Angebot und zur Nachfrage nach Pflegekräften zur Verfügung. Bereits zum achten Mal wurden im Frühjahr 2020 alle hessischen Leistungserbringer der Altenhilfe sowie alle Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken zu ihrer Nachfrage nach Pflegekräften und zur Stellenbesetzungssituation befragt. Mit den mittlerweile acht Messzeitpunkten können Entwicklungstrends auf dem Pflegearbeitsmarkt identifiziert und beschrieben werden. Für diese Betrachtungen wurden eigene Tabellen und Abbildungen angefertigt, die im Themenbereich „Entwicklung des Pflegearbeitsmarktes im Zeitverlauf“ zur Verfügung stehen. Darüber hinaus enthält der Pflegemonitor „Vorausschätzungen des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften“. Diese enthalten neben einer Vorausberechnung des demografiebedingten Erweiterungsbedarfs auch eine Prognose des altersbedingten Ersatzbedarfs und zwar für den Sektor Altenhilfe und erstmals auch für Akutkrankenhäuser. Weitere Themenbereiche im Pflegemonitor beschäftigen sich mit der „Ausbildung“ in den Pflegeberufen und mit der „Lehrersituation an den hessischen Pflegeschulen“. Der Themenbereich „Regionaldaten“ enthält Regionaldossiers für die 26 hessischen Kreise und kreisfreien Städte sowie kartografische Darstellungen.

1. Beschäftigtenbestand in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken sowie in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen

Einzelne Aussagen über die Beschäftigung von Pflegekräften in den Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Altenhilfe in Hessen lassen sich aus Daten der Pflege- und Krankenhausstatistik ableiten.1 Die neuesten Daten, die in beiden Statistiken vorliegen, beziehen sich auf das Jahr 2019. Um Veränderungen im Zeitverlauf darstellen zu können, wurden auch Daten aus den Jahren 2003 bis 2017 herangezogen.

Nach den Daten der Krankenhausstatistik2 blieb die Zahl der in den hessischen Krankenhäusern beschäftigten Pflegekräfte zwischen 2005 und 2007 annähernd konstant. Somit konnte der zwischen 2003 und 2005 zu beobachtende Abbau der Pflegekräfte in den Krankenhäusern gestoppt werden. Der Trend zu einem Beschäftigtenzuwachs hat sich seither fortgesetzt. Zwischen 2017 und 2019 blieb die Zahl der beschäftigten Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen und Krankenpflegehelfer/innen recht konstant. Wenn man allerdings die – mittlerweile in der Krankenhausstatistik ausgewiesenen – Altenpfleger/innen und Altenpflegehelfer/innen mitberücksichtigt, zeigt sich ein Beschäftigtenaufwuchs. Den weitaus größten Teil bildeten mit 24.655 Personen Gesundheits- und Krankenpfleger/innen. Die Zunahme kann nicht mit einem Anstieg der in Teilzeit beschäftigten Pflegekräfte erklärt werden, da die Teilzeitquote für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen sogar um einen Prozentpunkt auf 46 Prozent gesunken ist.

In den Rehabilitationskliniken ging die Anzahl der beschäftigten Pflegekräfte im Zeitverlauf zurück. Zwischen 2003 und 2019 war sie stark rückläufig. Im Jahr 2019 waren insgesamt 1.926 Pflegekräfte beschäftigt. Wie in den Akutkrankenhäusern stellten Gesundheits- und Krankenpfleger/innen die größte Gruppe unter dem Pflegepersonal.

Die Zahl der Beschäftigten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nahm nach Angaben der Pflegestatistik3 von 2003 bis 2019 kontinuierlich zu.4

In den ambulanten Diensten waren im Jahr 2019 insgesamt 31.568 Pflegekräfte tätig, was einer Steigerung um 67 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009 entspricht (2009: 18.940 Beschäftigte). Die Mehrheit sind Teilzeitbeschäftigte. Das sonstige Pflegepersonal bildete die größte Gruppe in diesem Sektor, gefolgt von den Altenpflegern/innen. Seit 2017 sind diese zahlenmäßig stärker in den ambulanten Diensten vertreten als Gesundheits- und Krankenpfleger/innen.

In den stationären Einrichtungen waren im Jahr 2019 insgesamt 54.832 Pflegekräfte beschäftigt. Dies entspricht einem Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zur Beschäftigtenzahl des Jahres 2009 (40.236). Etwa ein Drittel der Beschäftigten waren staatlich geprüfte Pflegefachkräfte. Altenpfleger/innen bildeten die größte Gruppe. Stark zugenommen hat im Zeitverlauf die Zahl der beschäftigten Altenpflegehelfer/innen. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten war in den stationären Pflegeeinrichtungen nicht so hoch wie in den ambulanten Diensten.

2. Pflegearbeitsmarkt im Jahr 2020 und im Zeitverlauf

Pflegekräftenachfrage

Die Pflegekräftenachfrage im Jahr 2020 konnte über eine repräsentative Befragung aller Leistungserbringer (Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken, ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen) in Hessen erfasst werden.5 Dabei wurde nach der Zahl und der genauen Qualifikation der Pflegekräfte gefragt, die für offene sowie zu besetzende Stellen vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2020 gesucht wurden.

Im Jahr 2020 wurden von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie von Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken in Hessen 19.120 Pflegekräfte gesucht.

Differenziert man nach Qualifikation und Beruf, zeigt sich, dass Altenpfleger/innen (4.884) und Gesundheits- und Krankenpfleger/innen (4.225) zahlenmäßig am häufigsten gesucht wurden. Darüber hinaus wurden 2.970 Pflegefachkräfte mit staatlich anerkannter Weiterbildung, 2.792 Pflegehilfskräfte, 2.642 Altenpflegehelfer/innen und 927 Krankenpflegehelfer/innen gesucht. Für Pflege(fach)kräfte mit Studienabschluss waren 319, für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen insgesamt 314 Stellen zu besetzen.

Seit dem Jahr 2006 ist die Nachfrage nach Pflegekräften stark gestiegen. Zwischenzeitlich waren im Jahr 2012 etwas weniger Stellen zu besetzen als zwei Jahre zuvor. Dieser Trend kehrte sich jedoch seit 2014 in Richtung einer verstärkten Nachfrage auf allen Qualifikationsstufen um und blieb auch in den Jahren 2016 und 2018 bestehen. Nach dem Höchststand im Jahr 2018 lag die Nachfrage im Jahr 2020 wieder etwas niedriger, was vor allem auf einen Nachfragerückgang in ambulanten Pflegediensten zurückzuführen ist.

Der Umfang der Nachfrage und – soweit relevant – die Art der fachlichen Ausrichtung variierten zwischen Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bei den unterschiedlichen Qualifikationen beträchtlich. So wurde im Jahr 2020 bspw. etwa die Hälfte aller gesuchten Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, aber nur ein Viertel der Krankenpflegehelfer/innen von Krankenhäusern nachgefragt.

Pflegekräftesituation

Die Nachfrage nach Pflegekräften wurde mit dem verfügbaren Angebot6 zusammengeführt, um zu einer Einschätzung der Pflegekräftesituation im Jahr 2020 zu gelangen. Diese Einschätzung dient insbesondere der Identifikation von regionalen Angebotsengpässen, die keine ausreichende Befriedigung der Nachfrage ermöglichen können.

Während im Jahr 2006 für alle Qualifikationsstufen das Angebot größer war als die Nachfrage, kehrte sich die Situation auf dem Pflegearbeitsmarkt im Jahr 2008 um. In keinem der betrachteten Pflegeberufe und auf keiner der betrachteten Qualifikationsstufen reichte das Angebot aus, um die Nachfrage zu decken. In den Folgejahren variierte lediglich das Ausmaß der Engpässe. Auch im Jahr 2020 konnte in keinem der betrachteten Pflegeberufe die Gesamtnachfrage der Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege gedeckt werden.

Ein besonders hoher Fachkräfteengpass ergab sich im Jahr 2020 für Altenpfleger/innen. In dieser Berufsgruppe wurden 2.911 Personen mehr gesucht, als an Angebot zur Verfügung standen. Auch bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen überstieg die Nachfrage das Angebot mit 2.361 Personen deutlich. Ebenfalls groß war die Lücke bei Pflegefachkräften mit staatlich anerkannter Weiterbildung (-1.452 Köpfe) und bei den Pflegehelfer/innen: Es fehlten 930 Alten- und 522 Krankenpflegehelfer/innen. Auf kleinerem Niveau ergaben sich zudem Engpässe für Pflegehilfskräfte (-64 Personen), Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen (-25 Personen) und erstmals auch für akademische Pflegekräfte (-37 Personen).

Im Vergleich zum Jahr 2018 hat sich die Arbeitsmarktsituation leicht entspannt. In den ambulanten Pflegeeinrichtungen war die Nachfrage rückläufig, während das Pflegekräfteangebot bei den Pflegefachkräften konstant blieb bzw. bei den Pflegehelfer/innen sogar gestiegen ist. Der Trend zu einem kontinuierlich steigenden Engpassniveau seit 2012 scheint fürs Erste gestoppt zu sein, wobei unklar ist, ob die Nachfragezurückhaltung in den ambulanten Diensten von Dauer sein wird. Vermutlich ist sie eher auf eine zurückhaltende Inanspruchnahme ambulanter Pflege zu Beginn der Pandemie zurückzuführen.

Im Vergleich der regionalen Arbeitsmärkte ergaben sich deutliche Unterschiede. Vereinzelt wurden regionale Angebotsüberhänge sichtbar. Das Angebot an staatlich geprüften Altenpflegern/innen reichte im Jahr 2020 nur in den Städten Darmstadt und Offenbach aus, um die Nachfrage der Einrichtungen zu decken. Die in absoluten Zahlen größten Engpässe ergaben sich in der kreisfreien Stadt Frankfurt, im Landkreis Kassel und im Main-Kinzig-Kreis. Auch für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen war der Arbeitsmarkt im Jahr 2020 in den allermeisten Regionen Hessens im Ungleichgewicht. In der Stadt Frankfurt und im Wetteraukreis waren die Lücken in absoluten Zahlen am größten. Lediglich in der Stadt Darmstadt überstieg das Angebot die Nachfrage.

Die absoluten Zahlen zu Überhängen oder Engpässen geben einen ersten Überblick zur Fachkräftesituation. Genauer ist allerdings eine relative Betrachtung der Salden bezogen auf den Beschäftigtenbestand. Dafür werden die Überhänge bzw. Engpässe in Beziehung zum Beschäftigtenstand in den jeweiligen Regionen gesetzt. Grundlage für die Berechnung sind die Beschäftigtendaten aus der Pflegestatistik, der Krankenhausstatistik und der Statistik der Vorsorge- und Rehabilitationskliniken für das Jahr 2019.

Setzt man die Salden in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand, so wird erkennbar, wie hoch die Unterdeckung im Verhältnis zum Beschäftigtenstand in der jeweiligen Berufsgruppe ausfällt. Demnach fehlten bezogen auf den Beschäftigtenbestand bei den Altenpflegern/innen 12 Prozent. Die Engpässe für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen waren mit 6 Prozent geringer ausgeprägt. Der Engpass bei der Kinderkrankenpflege betrug lediglich 1 Prozent. Bei den Altenpflegehelfern/innen betrug die Relation 14 Prozent, für Krankenpflegehelfer/innen 13 Prozent. Auch dieser Indikator deutet also auf eine äußerst angespannte Pflegearbeitsmarktlage hin.

Als weiterer Indikator können die Angaben der Einrichtungen zur Stellenbesetzungssituation dienen. Nicht nur die Einrichtungen der Altenhilfe, sondern auch die Krankenhäuser waren mit zum Teil massiven Stellenbesetzungsproblemen konfrontiert. Im zeitlichen Vergleich hat das Ausmaß der Stellenbesetzungsprobleme zugenommen. In den Krankenhäusern blieben im Jahr 2020 weniger Stellen unbesetzt als in der Altenhilfe. Gut jede zehnte Stelle für Pflegefachkräfte in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen wurde mit einer Leiharbeitskraft besetzt. In der ambulanten Pflege und in Rehabilitationskliniken war Leiharbeit dagegen deutlich seltener verbreitet.

3. Vorausschätzung des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften

Aufgrund des demografischen Wandels ist es notwendig, neben einer Analyse der aktuellen Situation auch einen Blick in die Zukunft zu wagen. Der Hessische Pflegemonitor sieht daher in seiner Konzeption auch ein Modul für Prognosen vor, welches die Entwicklung des Pflegekräftebedarfs bis 2040 für die Beschäftigungssektoren der Altenhilfe und der Akutkrankenhäuser vorausschätzt.

Im Jahr 2019 gab es hessenweit einen Beschäftigtenstand von insgesamt 14.761 Altenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe (in Vollzeitäquivalenten). Auf Basis der Berechnungen ergibt sich für das Jahr 2040 ein Bedarf von 23.833 Altenpfleger/innen. Dieser zukünftige, durch die wachsende Anzahl an pflegebedürftigen Menschen hervorgerufene Bedarf lässt sich mit dem Beschäftigtenbestand von 2019 alleine nicht bewältigen. Bei Fortschreibung des rechnerisch ermittelten Verhältnisses von Pflegekraft zu Pflegebedürftigen ergibt sich für ganz Hessen im Beschäftigungssektor Altenhilfe ein Erweiterungsbedarf an 9.072 Altenpfleger/innen für 2040. Gemessen am Beschäftigtenstand von 2019 entspricht dies einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf von 61 Prozent bis zum Jahr 2040.

Der Bestand der in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen tätigen Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen betrug im Jahr 2019 6.720 Vollzeitäquivalente. Schreibt man das rechnerisch ermittelte Verhältnis von Pflegefachkraft zu Pflegebedürftigen fort, ergibt sich für das Jahr 2040 ein Bedarf in Höhe von insgesamt 10.850 Vollzeitäquivalenten. Dies entspricht einem Erweiterungsbedarf von 4.196 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für 2040. Gemessen am Beschäftigtenstand von 2019 entspricht dies einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf von 62 Prozent.

Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren ein beträchtlicher Teil der derzeit in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen beschäftigten Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden wird. Für die Vorausberechnung dieses altersbedingten Ersatzbedarfs wird von einem durchschnittlichen Renteneintrittsalter von 62 Jahren ausgegangen. Von den 14.761 im Jahr 2019 tätigen Altenpfleger/innen müssen 7.117 bis zum Jahr 2040 ersetzt werden. Dies entspricht einem altersbedingten Ersatzbedarf von 38 Prozent, bezogen auf den Beschäftigtenbestand 2019.

Bei der Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen liegt der altersbedingte Ersatzbedarf höher als für Altenpfleger/innen. Von den derzeit beschäftigten 6.720 Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger/innen müssen 4.441 bis zum Jahr 2040 ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf im Prognosezeitraum liegt bei 54 Prozent.

Betrachtet man demografiebedingten Erweiterungs- und altersbedingten Ersatzbedarf zusammen, entsteht ein vollständiges Bild des zukünftigen Personalbedarfs. Hessenweit muss für die Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in der Altenhilfe der Beschäftigtenstand des Jahres 2019 bis zum Jahr 2040 um 129 Prozent erweitert werden (in Vollzeitäquivalenten). Um den zukünftigen Bedarf für die Berufsgruppe der Altenpfleger/innen zu decken, ist eine Erweiterung um 110 Prozent notwendig. Für beide Berufsgruppen ergeben sich hinsichtlich des demografie- und altersbedingten Erweiterungs- bzw. Ersatzbedarf regionale Unterschiede.

Auch die Akutkrankenhäuser sind mit einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf und einem altersbedingten Ersatzbedarf konfrontiert. Der Erweiterungsbedarf fällt allerdings mit 2.985 zusätzlich benötigten Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in Vollzeit und 129 Altenpfleger/innen bis zum Jahr 2040 deutlich geringer aus als in der Altenhilfe. Um den derzeitigen Personalschlüssel zu halten, muss der Beschäftigtenstand in beiden Berufsgruppen um 14 bzw. 15 Prozent aufgestockt werden.

Anders sieht es beim altersbedingten Ersatzbedarf aus: Bis 2040 werden mit 69 Prozent der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen und 55 Prozent der Altenpfleger/innen erhebliche Teile des Beschäftigtenbestandes altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Von den 20.716 im Jahr 2019 in den Kliniken tätigen Gesundheits- und
(Kinder-)Krankenpfleger/innen werden voraussichtlich 14.377 Vollzeitäquivalente altersbedingt ausscheiden. Von den 862 beschäftigten Altenpfleger/innen werden 473 in Rente gehen.

In Summe muss der Beschäftigtenstand für die Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in Akutkrankenhäusern bis 2040 um 84 Prozent erweitert werden. Für Altenpfleger/innen machen Erweiterungs- und Ersatzbedarf 70 Prozent bezogen auf den Beschäftigtenstand 2019 aus.

4. Ausbildungssituation im Jahr 2020

Im Vergleich der Pflegeberufe waren die Schülerzahlen im Schuljahr 2020/2021 in der Altenpflege noch am höchsten, gefolgt von der neuen Pflegeausbildung. Im Zeitverlauf seit dem Schuljahr 2014/2015 bis zum Umstieg auf die neue Pflegeausbildung zeigt sich ein Anstieg der Schülerzahlen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflegehilfe.

Die Besetzung der praktischen Ausbildungsplätze gestaltet sich auch weiterhin zum Teil als schwierig. In den ausbildenden Krankenhäusern konnte der Großteil der angebotenen Ausbildungsplätze im Jahr 2020 besetzt werden. Die Besetzungsquoten lagen mit 91 Prozent für Pflegefachkräfte und 87 Prozent für Pflegehelfer/innen deutlich höher als in der Altenhilfe. In den stationären Pflegeeinrichtungen konnten jeweils gut drei Viertel der Ausbildungsplätze für die dreijährige und die einjährige Ausbildung besetzt werden. Diese Quoten entsprachen in etwa den Quoten des Jahres 2018. In den ambulanten Pflegediensten wurden 61 Prozent der Ausbildungsplätze für Pflegefachmänner/-frauen und 60 Prozent der Ausbildungsplätze für Altenpflegehelfer/innen besetzt. Die Besetzungsquote in den Pflegediensten lag damit niedriger als im Jahr 2018.

Stellt man die Absolventen/innen der Ausbildung im Jahr 2020 dem Beschäftigtenstand gegenüber, zeigt sich eine höhere Ausbildungsintensität in der Altenpflege als in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege. In der Altenpflege machten die Absolventen/innen 5,4 Prozent am Beschäftigtenstand aus, in der (Kinder-)Krankenpflege 3,0 Prozent. Darüber hinaus variiert die Ausbildungsintensität im regionalen Vergleich.

5. Lehrersituation in den hessischen Pflegeschulen

Die Lehrersituation in den hessischen Pflegeschulen ist in regelmäßigen Abständen ein Schwerpunktthema im Hessischen Pflegemonitor. Die Befragung der Schulleitungen im Jahr 2021 ergab, dass im Jahr 2020 hessenweit 125 hauptamtliche Lehrkräfte gesucht wurden.7 65 Stellen waren in ehemaligen Altenpflegeschulen zu besetzen, 59 in ehemaligen Krankenpflegeschulen. Knapp die Hälfte der Arbeitsplätze wurden im Jahr 2020 mit Lehrkräften mit einem nach § 2 Pflegeschulenverordnung (PflegeschulenV) einschlägigen Hochschulabschluss besetzt.

Stellenbesetzungsprobleme haben etwa 7 von 10 Schulen angegeben, wobei der Anteil unbesetzter Stellen in ehemaligen Altenpflegeschulen mit 46 Prozent deutlich höher lag als in den ehemaligen Krankenpflegeschulen (29 Prozent). Seit 2018 sind die Schwierigkeiten der ehemaligen Altenpflegeschulen bei der Rekrutierung von Lehrkräften größer geworden.

Im Jahr 2021 waren in Hessen 776 hauptamtliche Lehrkräfte in Pflegeschulen beschäftigt.8 45 Prozent davon erfüllten die qualifikatorischen Vorgaben nach § 2 PflegeschulenV und verfügten über einen einschlägigen Master- oder Bachelor-Abschluss. In den ehemaligen Krankenpflegeschulen war der Anteil an akademisch qualifizierten Lehrkräften mit 49 Prozent höher als in den ehemaligen Altenpflegeschulen, wo er 39 Prozent betrug.

Geht man von einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren aus, wird in den Pflegeschulen bis zum Jahr 2031 insgesamt 26 Prozent des Bestandes an Hauptamtlichen in Rente gehen. Bis 2036 werden sogar 44 Prozent der Beschäftigten ihre Lehrtätigkeit altersbedingt aufgeben. Am höchsten fällt der altersbedingte Ersatzbedarf im Regierungsbezirk Gießen aus. Die ehemaligen Altenpflegeschulen sind in stärkerem Maße mit dem altersbedingten Ersatzbedarf konfrontiert als die ehemaligen Krankenpflegeschulen.


  1. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt

  2. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt

  3. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt

  4. In der Pflegestatistik können nur qualifizierte Pflegekräfte eindeutig identifiziert werden. Angelernte Pflegehilfskräfte sind in der Kategorie ‚sonstiges Personal’ erfasst. Dort sind jedoch auch, soweit relevant, hauswirtschaftliches und Verwaltungspersonal berücksichtigt. Aus diesem Grunde werden in den meisten Auswertungen nur qualifizierte Pflegekräfte berücksichtigt.

  5. Die Rückläufe der Befragung lagen in den einzelnen Versorgungsbereichen zwischen 47 und 58 Prozent. Zudem stimmten die Daten bezüglich der zentralen Merkmale sektorale Zuordnung, Einrichtungsgröße und regionale Zugehörigkeit mit der Struktur der Grundgesamtheit überein, so dass von repräsentativen Daten ausgegangen werden kann. Vor diesem Hintergrund wurde eine Hochrechnung der Daten auf die Grundgesamtheit vorgenommen. Damit können Aussagen über die Nachfrage aller Leistungserbringer in Hessen gemacht werden.

  6. Zur Bestimmung des Angebots liegen Daten über Absolventen/innen von Aus-, Weiterbildung und Studium vor sowie Daten über vermittelbare arbeitslose Pflegekräfte. Keine Informationen stehen zur Verfügung über den Umfang der aktivierbaren stillen Reserve und Stellenwechsler/innen. Anerkannte ausländische Berufsabschlüsse werden im Pflegemonitor nur nachrichtlich ausgewiesen: Im Jahr 2020 hat die zuständige Behörde in Hessen 1.048 Anerkennungen für Pflegefachkräfte (918 Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, 84 Pflegefachmänner/-frauen, 33 Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen und 13 Altenpfleger/innen) sowie 46 Anerkennungen für Pflegehelfer/innen (45 Krankenpflegehelfer/innen, eine Altenpflegehelfer/in) ausgesprochen.

  7. Es handelt sich dabei um offene Stellen, die auch tatsächlich zu besetzen waren. Dozenten/innen oder Honorarkräfte waren explizit nicht einbezogen.

  8. Informationen zur Beschäftigtenstruktur (Qualifikation und Altersstruktur) wurden im Rahmen der Befragung der Pflegeschulen ermittelt. Der Stellenumfang ist nicht ermittelt worden.