6.1 Überblick Aus- und Weiterbildung

Auf einen Blick:

Im Vergleich der fünf Pflegeberufe sind die Schülerzahlen in der Altenpflege am höchsten, gefolgt von der Gesundheits- und Krankenpflege. Im Zeitverlauf zwischen den Schuljahren 2014/2015 und 2018/2019 zeigt sich ein Anstieg der Schülerzahlen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflegehilfe. Auch die Zahl der Ausbildungsanfänger/innen ist für diese Berufe gestiegen.

Der größte Teil der praktischen Ausbildungsplätze in der Altenpflege(hilfe) wurde im Jahr 2018 von den stationären Pflegeeinrichtungen angeboten. Nahezu sämtliche Einrichtungen (97 Prozent) haben angegeben, Altenpfleger/innen auszubilden. Gut neun von zehn (92 Prozent) haben Ausbildungsplätze für Altenpflegehelfer/innen angeboten. Von den ambulanten Pflegediensten bildeten 66 Prozent (Altenpfleger/in) bzw. 45 Prozent (Altenpflegehelfer/in) aus. Insgesamt bildeten mehr Einrichtungen aus als im Jahr 2016.

Acht von zehn Krankenhäusern im Bundesland bildete Gesundheits- und Krankenpfleger/innen aus. 14 Prozent der Krankenhäuser hat die Ausbildung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege angeboten. Ausbildungsplätze in der Krankenpflegehilfe gab es in jedem fünften Krankenhaus.

Stellt man die Absolventen/innen der Ausbildung im Jahr 2018 dem Beschäftigtenstand gegenüber, zeigt sich eine höhere Ausbildungsintensität in der Altenpflege als in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege. In der Altenpflege machten die Absolventen/innen 6,3 Prozent am Beschäftigtenstand aus, in der (Kinder-)Krankenpflege 3,5 Prozent. Darüber hinaus variiert die Ausbildungsintensität im regionalen Vergleich.

1. Ausbildungssituation in Hessen – Schülerdaten

Um die Ausbildungssituation in Hessen insgesamt und in den Regionen des Bundeslandes abzubilden, wird auf Daten aus der Schulstatistik des Hessischen Statistischen Landesamtes zurückgegriffen. Diese liefert jährlich Informationen zu den Schüler/innen in den Altenpflegeschulen und den Schulen des Gesundheitswesens. Belastbare Angaben liegen für die Schuljahre 2014/2015, 2015/2016, 2016/2017, 2017/2018 und 2018/2019 vor (Stichtag: 01.10.). Zu beachten ist allerdings, dass die Schulen des Gesundheitswesens keiner gesetzlichen Auskunftspflicht unterliegen, die Altenpflegeschulen dagegen schon; insofern ist nicht zu vermeiden, dass für die Berufe der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Krankenpflegehilfe die Daten an der einen oder anderen Stelle unvollständig sein können.

Im Vergleich der fünf Pflegeberufe sind die Schülerzahlen in der Altenpflege am höchsten. Zum 01.10.2018 befanden sich 4.244 Personen in der Altenpflegeausbildung, gefolgt von 3.130 Schüler/innen in der Gesundheits- und Krankenpflege. In der Ausbildung zum/zur Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in befanden sich 346 Personen. Sehr unterschiedlich hoch waren die Schülerzahlen in den beiden Pflegehelferausbildungen: Während 1.456 Personen die Altenpflegehilfeausbildung absolvierten, befanden sich nur 177 Personen in der Krankenpflegehilfeausbildung.

Im Zeitverlauf zwischen den Schuljahren 2014/2015 und 2018/2019 sind die Schülerzahlen in der Alten-, der Kinderkrankenpflege und der Altenpflegehilfe gestiegen. Prozentual ist der Anstieg in der Altenpflegehilfe mit 27 Prozent am stärksten, in absoluten Zahlen entspricht dies einem Plus von 307 Auszubildenden. In der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sind die Schülerzahlen im betrachteten Zeitraum um 22 Prozent, in der Altenpflege um 10 Prozent gestiegen. In der Gesundheits- und Krankenpflege lag die Schülerzahl zuletzt nur 1 Prozent über der Schülerzahl im Schuljahr 2014/2015. In Krankenpflegehilfe ist ein Rückgang der Schülerzahlen um 17 Prozent zu beobachten. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch, wenn man die Entwicklung der Ausbildungsanfänger/innen in den vergangenen Jahren betrachtet.

2. Merkmale der Auszubildenden

Anhand der Schulstatistik für das Schuljahr 2018/2019 werden im Folgenden einzelne Merkmale der Schüler/innen näher beschrieben.

29 Prozent der Ausbildungsanfänger/innen in der Altenpflege und ein noch etwas höherer Anteil der Schüler/innen in der Alten- und Krankenpflegehilfe (jeweils 35 Prozent) hatten eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft. In der Krankenpflege (21 Prozent) und der Kinderkrankenpflege (5 Prozent) war deren Anteil deutlich geringer. Mit Ausnahme der Kinderkrankenpflege ist der Anteil nicht-deutscher Schüler/innen seit 2014 gestiegen.

Nimmt man die schulische Vorbildung der Ausbildungsanfänger/innen in den Blick, ergibt sich kein homogenes Bild für die Gruppe der angehenden Pflegefachkräfte und die der angehenden Pflegehelfer/innen: Von den Anfänger/innen in der Alten-, der Kranken- und der Kinderkrankenpflege hatte die Mehrzahl im Schuljahr 2018/2019 einen Realschulabschluss. In der Altenpflege handelte es sich um 54 Prozent der Anfänger/innen, in der Krankenpflege um 56 Prozent, in der Kinderkrankenpflege um 41 Prozent. Der Anteil der Anfänger/innen mit Hochschulreife war in der Altenpflegeausbildung niedriger als in den Krankenpflegeausbildungen.

Von den Ausbildungsanfänger/innen in der Altenpflegehilfe und der Krankenpflegehilfe brachte dagegen nur ein kleiner Teil einen höheren Schulabschluss als den Hauptschulabschluss mit. 58 Prozent der angehenden Krankenpflegehelfer/innen verfügen über einen Hauptschulabschluss, 34 Prozent über einen Realschulabschluss. Unter den angehenden Altenpflegehelfer/innen befanden sich sogar 78 Prozent mit einem Hauptschulabschluss und nur 13 Prozent mit einem Realschulabschluss.

Über den vorherigen Bildungsgang ließ sich rekonstruieren, aus welchen Bereichen die Ausbildungsanfänger/innen des Schuljahres 2018/2019 in die Ausbildung eingemündet waren. Von den Anfänger/innen der Altenpflegeausbildung hatten 68 Prozent vorher eine andere Berufsausbildung absolviert. Dabei handelte es sich nahezu ausschließlich um eine Ausbildung im Bereich der Altenpflegeberufe, d.h. mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Altenpflegehelferausbildung. Auch von den Auszubildenden in den Krankenpflegeberufen hatte ein großer Teil vorher eine andere Ausbildung absolviert. In 74 Prozent (Gesundheits- und Krankenpflege) bzw. 81 Prozent (Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) handelte es sich dabei um eine Ausbildung in einem in der Statistik nicht näher bestimmten Gesundheitsberuf.

Weit heterogener war das Bild bei den angehenden Pflegehelfer/innen: Gute jede/r fünfte Anfänger/in in der Altenpflegehilfe und gut jede/r zehnte in der Krankenpflegehilfe kam direkt aus einer Erwerbstätigkeit. Mit 27 Prozent (Altenpflegehilfe) bzw. 30 Prozent (Krankenpflegehilfe) war ein beträchtlicher Teil der Schüler/innen vermutlich vorher arbeitslos („nicht erwerbstätig/kein Bildungsgang“). Gut ein Drittel kam direkt aus einer allgemeinbildender Schule oder einer anderen Berufsausbildung. Aus dem Übergangsbereich kamen 12 Prozent der angehenden Krankenpflegehelfer/innen und 7 Prozent der angehenden Altenpflegehelfer/innen.

Auch bezüglich der Altersstruktur der Schüler/innen ergeben sich Unterschiede: Während mit 47 Prozent ein großer Teil der Auszubildenden in der Altenpflege 27 Jahre und älter ist, trifft dies nur auf 15 Prozent der angehenden Krankenpfleger/innen und 5 Prozent der angehenden Kinderkrankenpfleger/innen zu. Die Auszubildenden dort sind mehrheitlich (51 Prozent in der Krankenpflege und sogar 62 Prozent in der Kinderkrankenpflege) zwischen 19 und 22 Jahren alt. Die Altersstruktur der Schüler/innen in den beiden Helfer-Ausbildungen unterscheidet sich weniger: Hier ist ein nicht unwesentlicher Teil der Schüler/innen nicht älter als 18 Jahre; in der Altenpflegehilfe trifft dies auf 22 Prozent, in der Krankenpflegehilfe auf 24 Prozent zu. Darüber hinaus ist der Anteil der über 27jährigen Auszubildenden sowohl in der Altenpflegehilfe mit 35 Prozent als auch in der Krankenpflegehilfe mit 24 Prozent bedeutsam.

3. Ausbildungsplätze in der Altenhilfe und in Krankenhäusern

Im Jahr 2018 haben 66 Prozent aller hessischen ambulanten Pflegeeinrichtungen Ausbildungsplätze für den Beruf ‚Altenpfleger/in’ und 45 Prozent für den Beruf ‚Altenpflegehelfer/in’ angeboten. Damit hat die Zahl der ausbildenden Pflegedienste weiter zugenommen. Deutlich höher ist der Anteil der ausbildenden Einrichtungen allerdings im stationären Sektor: Dort haben im Jahr 2018 insgesamt 97 Prozent aller Einrichtungen Ausbildungsplätze für Altenpfleger/innen und 92 Prozent Ausbildungsplätze für Altenpflegehelfer/innen angeboten. Auch im stationären Bereich ist der Anteil der ausbildenden Einrichtungen angestiegen.

Nicht sämtliche von den Einrichtungen angebotenen Ausbildungsplätze konnten im Jahr 2018 tatsächlich besetzt werden. Der Anteil der besetzten Ausbildungsplätze lag im stationären Sektor höher als im ambulanten. In den stationären Pflegeeinrichtungen konnten jeweils 75 Prozent der Ausbildungsplätze für die dreijährige und die einjährige Ausbildung besetzt werden. In den ambulanten Pflegediensten wurden 70 Prozent bzw. 67 Prozent der Ausbildungsplätze besetzt.

Auch in den ausbildenden Krankenhäusern konnte der Großteil der angebotenen Ausbildungsplätze im Jahr 2018 besetzt werden. In der Krankenpflege wurden 86 Prozent aller Plätze besetzt, in der Kinderkrankenpflege 69 Prozent und in der Krankenpflegehilfe 98 Prozent. Der Anteil der besetzten Ausbildungsplätze für Pflegefachkräfte ist seit 2016 gesunken.

Von den Krankenhäusern, die sich an der Befragung im Hessischen Pflegemonitor beteiligt haben, bildeten 80 Prozent in der Gesundheits- und Krankenpflege aus. Ausbildungsplätze für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen haben 14 Prozent angeboten. 22 Prozent der Kliniken gaben an, Krankenpflegehelfer/innen auszubilden.

4. Ausbildung in den Regionen

Die Schulstatistik des Hessischen Statistischen Landesamtes ermöglicht eine regionalisierte Betrachtung der Auszubildendenzahlen. Die Zuordnung der Schüler/innen zu einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt erfolgt allerdings nicht anhand ihres Wohnorts oder über die Adresse des Ausbildungsbetriebs, sondern über den Standort der Pflegeschule.

Die Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege war im Schuljahr 2018/2019 in den Städten Frankfurt am Main, Wiesbaden und Kassel am höchsten. Dort absolvierten 674 bzw. 414 bzw. 404 Schüler/innen die Ausbildung. Die Pflegeschulen in den beiden Städten kompensierten damit auch die fehlenden schulischen Ausbildungskapazitäten im angrenzenden Main-Taunus-Kreis und Rheingau-Taunus-Kreis. Ansonsten existierten in allen Landkreisen und kreisfreien Städten schulische Ausbildungsangebote.

Die Auszubildenden in der Altenpflegehilfe verteilten sich – wie in der Altenpflege – nahezu über das gesamte Bundesland. In lediglich drei Landkreisen existierte kein schulisches Ausbildungsangebot (Main-Taunus-Kreis, Odenwaldkreis und Rheingau-Taunus-Kreis). Am höchsten waren die Schülerzahlen wiederum in Frankfurt am Main (195 Auszubildende), in Kassel (150 Auszubildende) und in Wiesbaden (132 Auszubildende), gefolgt vom Main-Kinzig-Kreis (127 Auszubildende).

In der Gesundheits- und Krankenpflege lagen die Ausbildungszahlen in Frankfurt am Main (527 Auszubildende) und im Landkreis Waldeck-Frankenberg (324 Auszubildende) besonders hoch. Zu bedenken ist allerdings, dass die Krankenpflegeschulen keiner gesetzlichen Auskunftspflicht unterliegen; insofern haben möglicherweise nicht sämtliche Schulen an der Erhebung teilgenommen. Infolgedessen können die Schülerzahlen unvollständig sein.

Um das Ausmaß der Ausbildungsintensität im regionalen Vergleich und zwischen den Berufen noch besser bewerten zu können, wurden die Absolventenzahlen aus dem Jahr 2018 in Relation zum Beschäftigtenstand Ende des Jahres 2017 gesetzt. Das Ergebnis zeigt, um wie viel Prozent sich der Beschäftigtenstand innerhalb eines Jahres rein rechnerisch durch Ausbildung „erneuert“ hat.

In der Altenpflege machten die Absolventen/innen des Jahres 2018 hessenweit 6,3 Prozent am Beschäftigtenstand aus. Die Ausbildungsintensität variiert im regionalen Vergleich aber stark. So „erneuerten“ sie den Beschäftigtenstand in der Stadt Wiesbaden um 18 Prozent; daneben lagen die Städte Kassel und Darmstadt deutlich über dem Landesschnitt. Acht Regionen lagen leicht, fünf weitere deutlich unter dem Durchschnittswert.

In der Kranken- und Kinderkrankenpflege, die hier gemeinsam betrachtet werden, entsprach die Zahl der Absolventen/innen in Hessen 3,5 Prozent des Beschäftigtenstandes. Die Ausbildungsintensität ist folglich etwas geringer als in der Altenpflege. Zudem ist die Variation geringer. Am höchsten lag die Ausbildungsintensität in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf (5,7 Prozent) und Waldeck-Frankenberg (5,6 Prozent). Weitere acht Regionen lagen über dem Landesschnitt, vier andere allerdings auch mit weniger als 2,0 Prozent weit darunter.