5.1 Überblick Bedarfsvorausschätzung

Auf einen Blick:

Aufgrund der weiter steigendenden Zahl pflegebedürftiger Menschen in Hessen muss der Beschäftigtenbestand an Pflegefachkräften in der Altenhilfe in Zukunft erweitert werden.

Hessenweit ergibt sich für das Jahr 2035 im Beschäftigungssektor Altenhilfe, bezogen auf den Beschäftigtenbestand 2017, ein demografiebedingter Erweiterungsbedarf von 6.439 Altenpflegern/innen und 3.386 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in Vollzeit. Mehr Altenpfleger/innen sowie Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger/innen, die in der Altenpflege tätig sind, werden zukünftig vor allem im Landkreis Offenbach, im Hochtaunuskreis und in der Stadt Offenbach am Main benötigt. Darüber hinaus sind jedoch auch alle anderen Regionen des Bundeslandes von einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf betroffen.

Hinzu kommt, dass ein beträchtlicher Teil der derzeit tätigen Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden wird. Bis 2035 müssen in Hessen 5.679 Altenpfleger/innen und 4.094 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf beträgt 42 Prozent für Altenpfleger/innen bzw. 59 Prozent für Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen bezogen auf den Beschäftigtenstand des Jahres 2017.

Im regionalen Vergleich zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen, die mit unterschiedlichen Altersstrukturen in den Belegschaften der Altenhilfeeinrichtungen erklärt werden können. Zwischen 35 Prozent und 51 Prozent der derzeit beschäftigten Altenpfleger/innen werden je nach Region bis 2035 altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden. Wesentlich älter sind die Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe: Je nach Region müssen bis 2035 zwischen 49 Prozent und 71 Prozent der derzeit tätigen Fachkräfte ersetzt werden.

Insgesamt ist der Süden Hessens stärker von steigenden Personalbedarfen betroffen als der Norden des Bundeslandes.

Die Menschen in Deutschland werden kontinuierlich älter. Diese demografische Entwicklung führt in der Folge zu einem Anstieg pflegebedürftiger Menschen und stellt die Gesellschaft vor die Herausforderung, den damit verbundenen wachsenden Pflegebedarf älterer Menschen durch eine notwendigerweise bedingte Zunahme von Pflegefachkräften sicherzustellen. Neben der Analyse der aktuellen Situation ist deshalb ein Blick in die Zukunft sinnvoll, der Aufschluss über zukünftige Entwicklungen gibt. Der Hessische Pflegemonitor sieht daher in seiner Konzeption ein Modul für Prognosen vor, welches Entwicklungen bis zum Jahr 2035 vorausschätzt.

Vorausberechnet wird zum einen die Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen und – daraus auf der Basis der Fortschreibung aktueller Versorgungsquoten abgeleitet – die Zahl der benötigten Pflegefachkräfte in den Einrichtungen der Altenhilfe errechnet (demografiebedingter Erweiterungsbedarf). Da die demografische Entwicklung jedoch nicht nur die Nachfrage nach Pflegekräften beeinflusst, sondern auch die Pflegenden selbst trifft, wird zum anderen vorausberechnet, wie viele der derzeit in den hessischen Einrichtungen der Altenhilfe beschäftigten Pflegefachkräfte bis zum Jahr 2035 altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden. Um das derzeitige Versorgungsniveau zu halten, muss dieser sogenannte altersbedingte Ersatzbedarf ebenso gedeckt werden wie der demografiebedingte Erweiterungsbedarf.

1. Methodisches Vorgehen

Die Vorausschätzungen sowohl des Erweiterungsbedarfs als auch des altersbedingten Ersatzbedarfs basieren auf verschiedenen Annahmen. Betrachtet werden die Jahre 2025, 2030 und 2035, als Bezugsjahr dient das Jahr 2017. Die Prognose des Fachkräftebedarfs bezieht sich nur auf den Bereich der Altenhilfe (ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen) und die in diesem Sektor beschäftigten Berufsgruppen Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen. Die zukünftigen Bedarfe werden getrennt für die beiden Berufsgruppen ausgewiesen. Alle Angaben sind Vollzeitäquivalente.

Basis der Vorausschätzung des demografiebedingten Erweiterungsbedarfs bilden die Bevölkerungsvorausschätzungen der Hessen Agentur (Stand 2017, da neuere Prognosen nicht vorliegen; Zahlen auf 100 gerundet). Die anhand der offiziellen Pflegestatistik des Statistischen Landesamtes ermittelten tatsächlichen Pflegequoten des Jahres 2017 für die Altersstufen ab 60 Jahren1 werden auf die vorausgeschätzte Bevölkerung übertragen, um die Anzahl der zukünftigen Pflegebedürftigen für die Jahre 2025, 2030 und 2035 zu schätzen. Ebenfalls aus der Pflegestatistik 2017 lässt sich der ‚Personalschlüssel’ ermitteln, d.h. die Anzahl der Pflegebedürftigen, die pro Altenpfleger/in bzw. Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in versorgt werden. Diese Quote der Pflegebedürftigen pro Pflegefachkraft wiederum wird auf die für die Jahre 2025, 2030 und 2035 vorausberechneten Pflegebedürftigen übertragen, um die Anzahl der benötigten Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für die zukünftigen Jahre zu ermitteln. Annahme ist, dass die Quote der Pflegebedürftigen pro Pflegefachkraft für die Zukunft konstant bleibt. Ferner wird davon ausgegangen, dass sich das Verhältnis zwischen Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe aus dem Jahr 2017 in der Zukunft nicht verändern wird.

Neben dem demografiebedingten Erweiterungsbedarf wird bei den Vorausschätzungen im Hessischen Pflegemonitor auch der altersbedingte Ersatzbedarf in den Einrichtungen der Altenhilfe ermittelt. Es wird errechnet, wie viele der derzeit in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen beschäftigten Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden. Damit der Beschäftigtenstand bis zum Jahr 2035 zumindest auf dem aktuellen Niveau bleiben kann, müssen diese altersbedingt ausscheidenden Fachkräfte ersetzt werden.

Datengrundlage bilden Altersstrukturdaten aus der Pflegestatistik. Als durchschnittliches Alter für den Renteneintritt wurde – wie in den vorherigen Wellen des Pflegemonitors – 62 Jahre angenommen. Mit dieser Annahme ließ sich in der Folge errechnen, wie viele der derzeit noch tätigen Altenpfleger/innen und (Kinder-)Krankenpfleger/innen bis zu den Jahren 2025, 2030 und 2035 rein rechnerisch altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden werden.

2. Demografiebedingter Erweiterungsbedarf an Pflegefachkräften in der Altenhilfe

Im Jahr 2017 gab es hessenweit einen Beschäftigtenstand von insgesamt 13.658 Altenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe (in Vollzeitäquivalenten). Aufgrund des demografiebedingten Erweiterungsbedarfs liegt der Fachkräftebedarf im Jahr 2025 bereits bei 16.344 Personen, in 2030 bei 18.256 und in 2035 bei 20.097 Altenpfleger/innen. Der aktuelle Beschäftigtenstand muss also wesentlich erweitert werden, wenn die pflegerische Versorgung auch in Zukunft konstant gehalten werden soll. Für ganz Hessen ergibt sich ein Erweiterungsbedarf an 2.686 Altenpfleger/innen für 2025, 4.598 Altenpfleger/innen für 2030 und 6.439 Altenpfleger/innen für 2035. Gemessen am Beschäftigtenstand im Jahr 2017 entspricht dies einem Erweiterungsbedarf von 47 Prozent im Prognosezeitraum.

Die einzelnen Regionen Hessens weisen Unterschiede auf. Die Landkreise mit dem relativ höchsten zukünftigen Erweiterungsbedarf sind der Landkreis Offenbach, der Hochtaunuskreis, die Stadt Offenbach und der Landkreis Darmstadt-Dieburg. Hier muss der Beschäftigtenstand jeweils um mindestens 63 Prozent erweitert werden. Einen mit 28 Prozent bzw. 30 Prozent vergleichsweise geringen Erweiterungsbedarf weisen der Werra-Meißner-Kreis und die Stadt Darmstadt auf.

Der Bestand an Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in der Altenhilfe betrug im Jahr 2017 6.968 Vollzeitäquivalente. Schreibt man die Quote von Pflegefachkraft zu Pflegebedürftigen fort, ergeben sich für die Jahre 2025, 2030 und 2035 Bedarfe von insgesamt 8.384, 9.400 und 10.354 Vollzeitäquivalenten. Der Erweiterungsbedarf beträgt 1.416 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für das Jahr 2025, 2.432 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für das Jahr 2030 sowie 3.386 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für das Jahr 2035. Gemessen am Beschäftigtenstand von 2017 entspricht dies einem Erweiterungsbedarf von 49 Prozent.

Im regionalen Vergleich ergeben sich dieselben Unterschiede wie für die Altenpfleger/innen: Besonders hohe relative Erweiterungsbedarfe betreffen den Landkreis Offenbach mit 72 Prozent und den Hochtaunuskreis mit 68 Prozent. Verhältnismäßig niedrig liegen die Erweiterungsbedarfe im Werra-Meißner-Kreis und in der Stadt Darmstadt.

3. Altersbedingter Ersatzbedarf an Pflegefachkräften in der Altenhilfe

In den kommenden Jahren wird ein beträchtlicher Teil der derzeit in ambulanten Pflegediensten und stationären Altenpflegeeinrichtungen beschäftigten Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Von den im Jahr 2017 tätigen 13.658 Altenpfleger/innen (in Vollzeitäquivalenten) müssen 2.626 bis zum Jahr 2025, 4.256 bis zum Jahr 2030 und 5.679 bis zum Jahr 2035 ersetzt werden. Dies entspricht – bezogen auf den Beschäftigtenstand im Jahr 2017 – einem altersbedingten Ersatzbedarf von 42 Prozent im gesamten Prognosezeitraum.

Im regionalen Vergleich treten allerdings Unterschiede zutage, da sich die Altersstruktur der Beschäftigten recht stark unterscheidet. In einigen Regionen wird bereits kurzfristig ein recht hoher Anteil der Beschäftigten aus dem Beruf ausscheiden, in anderen Regionen wird dies erst mittel- oder langfristig der Fall sein. Besonders hoch ist der Ersatzbedarf in Relation zum Beschäftigtenstand in der Stadt Kassel und im Vogelbergkreis. Dort werden bis zum Jahr 2035 etwa 51 Prozent bzw. 48 Prozent der derzeit noch tätigen Altenpfleger/innen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Am niedrigsten liegt der relative Ersatzbedarf im Lahn-Dill-Kreis und im Landkreis Groß-Gerau, wo im Prognosezeitraum 35 Prozent bzw. 36 Prozent des aktuellen Bestandes in Rente gehen wird.

Die Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in ambulanten Diensten und stationären Altenpflegeeinrichtungen sind im Durchschnitt älter als die Altenpfleger/innen, der altersbedingte Ersatzbedarf liegt höher. Von den derzeit beschäftigten 6.968 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen müssen 1.981 bis zum Jahr 2025, 3.196 bis zum Jahr 2030 und 4.094 bis zum Jahr 2035 ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf im Prognosezeitraum liegt bei 59 Prozent.

Im Vergleich der Landkreise und kreisfreien Städte ergeben sich auch für die Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen Unterschiede. In einigen Regionen geht schon bis 2025 ein größerer Teil der Beschäftigten in Rente, in anderen erst in den Folgejahren. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gebietskörperschaften hinsichtlich der Höhe des altersbedingten Ersatzbedarfes in Relation zum derzeitigen Beschäftigtenstand: Ausgesprochen hoch ist der altersbedingte Ersatzbedarf im Werra-Meißner-Kreis und im Wetteraukreis: Dort werden jeweils etwa sieben von zehn derzeit noch in der Altenhilfe tätigen Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen bis 2035 altersbedingt ausscheiden. Vergleichsweise gering ist der Ersatzbedarf mit 49 Prozent im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

4. Zukünftiger Fachkräftebedarf in der Altenhilfe in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand

Addiert man demografiebedingten Erweiterungs- und altersbedingten Ersatzbedarf zusammen, zeigt sich, wie viele Pflegefachkräfte zukünftig in Hessen neu benötigt werden (zukünftiger Fachkräftebedarf). Um die pflegerische Versorgung auf dem derzeitigen Niveau zu halten, müssen Erweiterungs- und Ersatzbedarf gedeckt werden.

Hessenweit werden in den Einrichtungen der ambulanten und stationären Altenhilfe bis zum Jahr 2030 insgesamt 8.854 Altenpfleger/innen, bis zum Jahr 2035 sogar 12.118 Altenpfleger/innen benötigt (in Vollzeitäquivalenten). Bezogen auf den derzeitigen Beschäftigtenstand (13.658 Fachkräfte) entspricht dies 65 bzw. 89 Prozent. Um den zukünftigen Bedarf an Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in der Altenhilfe zu decken, ist eine Erweiterung um 5.628 Vollzeitäquivalente bis 2030 und 7.480 bis 2035 notwendig. Bezogen auf den derzeitigen Beschäftigtenstand (6.968 Fachkräfte) entspricht dies 81 Prozent bzw. 107 Prozent, d.h. der zukünftige Fachkräftebedarf liegt langfristig sogar höher als der derzeitige Beschäftigtenstand.

In allen Regionen Hessens werden zukünftig deutlich mehr Pflegefachkräfte als derzeit benötigt. Allerdings unterscheidet sich das Ausmaß, um das der Beschäftigtenstand erweitert werden muss, im regionalen Vergleich. Im bzw. an den Rändern des Rhein-Main-Gebiets (Hochtaunuskreis, Landkreis Offenbach, Stadt Offenbach, Rheingau-Taunus-Kreis, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Main-Taunus-Kreis) sind demografiebedingter Erweiterungsbedarf und altersbedingter Ersatzbedarf in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand für die Berufsgruppe der Altenpfleger/innen besonders hoch (mehr als 100 Prozent). Im Werra-Meißner-Kreis werden die geringsten Erweiterungen benötigt (70 Prozent).

Auch der Bedarf an Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen steigt im Prognosezeitraum am stärksten in den Landkreisen des Rhein-Main-Gebiets im Süden des Bundeslandes. Mit 135 Prozent bzw. 134 Prozent ist der zukünftige Bedarf im Hochtaunuskreis und im Landkreis Offenbach am größten. Niedriger liegt er in den ländlichen Regionen Mittel- und Nordhessens mit dem niedrigsten Wert im Landkreis Waldeck-Frankenberg (80 Prozent).


  1. Anteil der Frauen und Männer ab 60 Jahre, die pflegebedürftig im Sinne des SGB XI sind und die ambulant oder stationär versorgt werden.