4.1 Überblick Entwicklung des Pflegearbeitsmarktes

Auf einen Blick:

Der Beschäftigtenstand in der Pflege hat in den Krankenhäusern zwischen 2005 und 2015 kontinuierlich zugenommen und blieb zwischen 2015 und 2017 relativ konstant. In Rehabilitationskliniken arbeiten heute dagegen deutlich weniger Pflegekräfte als noch 2003, wobei die Beschäftigtenzahlen seit 2011 relativ konstant sind.

Die Zahl der Beschäftigten in ambulanten und stationären Altenpflegeeinrichtungen ist zwischen 2003 und 2017 stark angestiegen. Dies ist vor allem auf einen Zuwachs an Altenpfleger/innen und Altenpflegehelfer/innen, aber auch auf mehr Pflegehilfskräfte zurückzuführen.

Im Jahr 2006 gab es noch in allen Pflegeberufen und auf allen Qualifikationsebenen Angebotsüberhänge. In den folgenden Jahren hat die Nachfrage nach Pflegekräften jedoch stark zugenommen. Bis zum Jahr 2018 hat sich die Gesamtnachfrage nach Pflegekräften fast vervierfacht. Die Folgen waren wachsende Fachkräfteengpässe.

Betrachtet man die Salden aus Angebot und Nachfrage in Relation zum Beschäftigtenstand, ist der Engpass für die Altenpflegehelfer/innen am größten. Für diese Berufsgruppe betrug die Lücke zeitweise ein Drittel des gesamten Beschäftigtenstands; sie konnte im Jahr 2016 auf 18 Prozent gesenkt werden und liegt nun, im Jahr 2018, wieder bei 30 Prozent. Über alle Pflegefachkraft- und -helferberufe entsprachen die Salden im Jahr 2018 zwischen sechs und 30 Prozent des jeweiligen Beschäftigtenstands. Dies entspricht bei allen Berufsgruppen in etwa dem Niveau von 2010 mit Ausnahme der Krankenpflegehelfer/innen, für die sich die Lücke deutlich vergrößert hat.

Für den Hessischen Pflegemonitor werden seit 2007 im zweijährlichen Rhythmus alle hessischen ambulanten und stationären Altenhilfeeinrichtungen sowie alle Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken befragt. Mit den Befragungsergebnissen des Jahres 2018 liegen sieben Messpunkte vor, so dass mittlerweile auch mittelfristige Entwicklungstrends auf dem Pflegearbeitsmarkt analysiert werden können.

1. Entwicklung des Beschäftigtenbestandes

In den Krankenhäusern hat sich der Beschäftigtenstand in der Pflege in den vergangenen Jahren kaum verändert. Ein Personalabbau fand zwischen 2003 und 2005 statt, seither ist der Beschäftigtenstand stetig gewachsen und liegt seit dem Jahr 2011 wieder leicht über dem Niveau von 2003. Im Jahr 2017 waren gut 2.500 Pflegekräfte mehr beschäftigt als zehn Jahre zuvor. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Anteil der in Teilzeit Beschäftigten im Betrachtungszeitraum zugenommen hat. Erst zwischen 2013 auf 2017 ist hier eine umgekehrte Entwicklung zu beobachten: Während die Teilzeitquote bei Gesundheits- und Krankenpfleger/innen seit 2007 mit 47 bzw. 48 Prozent stabil bleibt, sind die Teilzeitquoten für Krankenpflegehelfer/innen und sonstige Pflegekräfte im Vergleich zum Jahr 2013 deutlich gesunken.

Die Zahl der beschäftigten Pflegekräfte in den hessischen Rehabilitationskliniken ist zwischen 2003 und 2005 stark und daraufhin bis 2013 kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2015 sind die Beschäftigtenzahlen erstmals wieder leicht gestiegen und blieben zum Jahr 2017 konstant. Dies ist mit einem leichten Beschäftigungszuwachs in der Gesundheits- und Krankenpflege zu erklären. In dieser Berufsgruppe ist auch eine stetige Zunahme des Anteils an Teilzeitbeschäftigung zu erkennen, die 2015 und 2017 bei über 50 Prozent liegt. Zehn Jahre zuvor waren lediglich 42 Prozent der Pflegekräfte in Teilzeit beschäftigt.

Eine starke und stetige Zunahme der Beschäftigtenzahlen zeigt sich in den Altenhilfeeinrichtungen. In ambulanten Pflegediensten waren 2017 insgesamt 74 Prozent mehr Pflegekräfte beschäftigt als noch zehn Jahre zuvor. Waren es damals 16.456 Personen, sind es heute 28.678. Der Anstieg zeigt sich vor allem für Altenpfleger/innen und Altenpflegehelfer/innen. Im Vergleich zu 2015 ist auf fast allen Qualifikationsebenen ein Zuwachs zu verzeichnen, am stärksten in der Gruppe „sonstiges Pflegepersonal“ mit einem Plus von 28 Prozent. Die Beschäftigtenbestände bei den Pflegekräften mit Studienabschluss, bei Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen sowie bei Krankenpflegehelfer/innen sind im Vergleich zum Jahr 2015 leicht gesunken. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten schwankt je nach Beruf über die Jahre leicht. Von den staatlich geprüften Pflegefachkräften waren 2017 zwischen 55 und 69 Prozent in Teilzeit beschäftigt, seit 2013 sinkt der Anteil der Teilzeitbeschäftigten. Letzteres gilt auch für die staatlich geprüften Pflegehelfer/innen, wo der Anteil der Teilzeitbeschäftigten zuletzt mit 67 bzw. 70 Prozent unter den Quoten des Jahres 2015 lag.

In den stationären Pflegeeinrichtungen waren im Jahr 2017 etwa 40 Prozent mehr Pflegekräfte beschäftigt als noch zehn Jahre zuvor. Die Zahl ist von 36.844 auf 51.442 Beschäftigte gestiegen. Der Beschäftigtenanstieg ist besonders bei den Altenpflegern/innen und den Altenpflegehelfern/innen stark ausgeprägt. Bei den Pflegekräften mit Studienabschluss und in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Krankenpflegehilfe sind hingegen leichte Rückgänge im Vergleich zu 2007 zu verzeichnen. Die Teilzeitquoten sind in den vergangenen Jahren mit Ausnahme der Altenpflege(hilfe) recht konstant geblieben. Dort zeigte sich bis 2013 eine stete Zunahme der Teilzeitbeschäftigung. In den Jahren 2015 und 2017 sank die Teilzeitquote erstmals wieder unter das Niveau des Jahres 2013, lag aber mit 45 Prozent für den Beruf der Altenpfleger/innen und mit 66 Prozent für den Beruf der Altenpflegehelfer/innen nach wie vor deutlich über den Werten der frühen 2000er-Jahre.

2. Entwicklung des Arbeitsmarktes

Pflegekräftenachfrage

Die Nachfrage der Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken und Altenhilfeeinrichtungen nach Pflegekräften ist zwischen 2008 und 2018 um das 1,7-fache gestiegen. Im Jahr 2008 wurden 12.132 Pflegekräfte gesucht, im Jahr 2018 waren es 21.196. Während die Nachfrage zwischen 2012 und 2014 um 26 Prozent anstieg, nahm sie zwischen 2014 und 2016 um acht Prozent zu und erhöhte sich zwischen 2016 und 2018 um weitere 20 Prozent.

Pflegekräfte sind allerdings keine einheitliche Gruppe. Die Qualifikationen von Pflegekräften reichen von angelernten Hilfskräften bis zu Pflegekräften mit Studienabschluss. Entsprechend werden die Entwicklungen der vergangenen Jahre differenziert nach Qualifikationsebenen und Berufen in der Pflege analysiert.

  • Die Nachfrage nach Pflege(fach)kräften mit Studienabschluss hat im Zeitverlauf – mit einem Einbruch der Nachfrage im Jahr 2010 – kontinuierlich zugenommen. Zwischen 2016 und 2018 stieg die Nachfrage um 39 Prozent. Dabei zeigt sich über die Jahre ein stetig steigender Bedarf in den ambulanten Pflegediensten, wohingegen die Nachfrage in den anderen drei Sektoren eher Schwankungen unterliegt. Zwischen 2016 und 2018 war insbesondere in stationären Pflegeeinrichtungen ein starker Anstieg der Nachfrage zu verzeichnen.

  • Die Zahl der gesuchten Pflegefachkräfte mit staatlich anerkannten Weiterbildungsabschlüssen hat sich bereits zwischen 2006 und 2008 verdreifacht und ist bis zum Jahr 2018 auf das über 8-fache angestiegen (2.989 im Jahr 2018 im Vergleich zu 361 im Jahr 2006). Seit 2010 gab es in jeder Erhebungswelle Nachfrageschübe. In den einzelnen Sektoren verhielt sich die Nachfrage nach Pflegekräften mit staatlich anerkannten Weiterbildungen im Zeitverlauf allerdings unterschiedlich: Während die Zahl der zu besetzenden Stellen in stationären Pflegeeinrichtungen im Zeitverlauf relativ konstant angestiegen ist, ging sie in ambulanten Pflegediensten zwischen 2016 und 2018 zurück. Zwischen 2008 und 2012 war auch die Nachfrage in den Krankenhäusern rückläufig. Erst zum Jahr 2014 wurden hier wieder vermehrt Pflegefachkräfte mit Weiterbildung nachgefragt und zum Jahr 2018 noch einmal 55 Prozent mehr als in 2016. In den Rehabilitationskliniken stieg die Nachfrage, wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau, zwischen 2010 und 2016 stetig, um im Jahr 2018 wieder zu sinken.

  • Für die Gruppe der staatlich geprüften Pflegefachkräfte ohne formale Weiterqualifikation ist die Nachfrage alleine zwischen 2016 und 2018 um zehn Prozent angestiegen. Insgesamt wurden im Jahr 2018 1,4-mal so viele staatlich geprüfte Pflegefachkräfte gesucht wie noch im Jahr 2006. Der Nachfrageanstieg erstreckt sich über alle Versorgungssektoren, war jedoch in den Krankenhäusern besonders stark.

  • Auch die Nachfrage nach staatlich geprüften Pflegehelfer/innen ist seit 2012 weiter angestiegen. Während sich die Nachfrage nach Altenpflegehelfer/innen zwischen 2016 und 2018 um mehr als ein Drittel vergrößert hat, stieg der Bedarf an Krankenpflegehelfer/innen im Vergleich zu 2016 sogar um mehr als 100 Prozent. Damit reihen sich die aktuellsten Ergebnisse in die seit 2006 erkennbare Tendenz ein: Wurden 2006 lediglich 421 Pflegehelfer/innen gesucht, waren es 2008 bereits 1.164 und zuletzt im Jahr 2018 mit 4.379 fast die 4-fache Anzahl im Vergleich zum Jahr 2008. Im Vergleich der Sektoren zeigten sich in den vergangenen zwei Jahren insbesondere Bedarfe in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen.

  • Die Zahl der gesuchten angelernten und anzulernenden Hilfskräfte hat sich zwischen 2006 und 2008 nahezu verdoppelt. Zwischen 2008 und 2014 ist ein stetiger, aber niedriger Nachfragezuwachs von je etwa zehn Prozent pro Erhebungswelle zu beobachten. Im Jahr 2016 sank die Nachfrage um fünf Prozent im Vergleich zu 2014 und stieg 2018 wieder um 28 Prozent an. Am größten war und ist die Nachfrage in den ambulanten Diensten und stationären Altenpflegeeinrichtungen.

Zusammenführung von Angebot und Nachfrage

Beim Vergleich der Ergebnisse der Jahre 2006 bis 2018 wird deutlich, dass sich der Pflegearbeitsmarkt in Hessen über die sieben Messzeitpunkte gravierend verändert hat. Während in 2006 noch für alle Qualifikationsstufen positive Saldenwerte erreicht werden konnten, hatte sich die Situation bereits 2008 komplett umgekehrt. Nahezu flächendeckende Engpässe waren die Folge.

In den Jahren 2010 und 2012 war das Bild heterogen. Für Pflegehilfskräfte war das Angebot weiterhin größer als die Nachfrage, aber auch für akademische Pflegekräfte und für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen hat sich die Arbeitsmarktlage entspannt. In den anderen Berufen und Qualifikationsebenen waren die Lücken allerdings weiter groß. Von 2012 zu 2014 hat sich die Arbeitsmarktlage hingegen wieder verschärft. Während für Pflegehilfskräfte und akademische Pflegekräfte nach wie vor ein Überangebot besteht, hat sich der Engpass v.a. bei den Alten- und Krankenpflegehelfer/innen deutlich vergrößert. Zwischen 2014 und 2016 wurde der Arbeitsmarkt in fast allen Feldern noch angespannter. Erstmals seit 2006 waren weniger Pflegehilfskräfte verfügbar als von den Einrichtungen gesucht wurden. Dieser Trend hat sich zwischen 2016 und 2018 weiter fortgesetzt, der Pflegearbeitsmarkt in Hessen ist weiterhin stark angespannt. Die Nachfrage ist gestiegen, das Angebot hat sich jedoch nicht in gleichem Maße entwickelt. Die Engpässe sind größer geworden.

Im Folgenden werden die einzelnen Qualifikationsebenen und Berufe separat betrachtet.

  • Das Angebot an Pflege(fach)kräften mit Studienabschluss hat mit Ausnahme des Jahres 2008 stets ausgereicht, um die Nachfrage der Einrichtungen zu decken. Allerdings waren die Angebotsüberhänge in den Jahren 2016 und 2018 mit acht bzw. sechs Personen nicht mehr so groß wie in den Jahren davor.

  • Pflegefachkräfte mit staatlich anerkannten Weiterbildungen fehlten im Jahr 2010 in etwa im gleichen Ausmaß wie in 2008. Zum Jahr 2014 ist die Lücke deutlich größer geworden, obwohl sich die Anzahl der Absolventen/innen bis dahin mehr als verdreifacht hatte. Diese Differenzen vergrößerten sich 2016 noch weiter, als ein nun erstmals seit 2008 wieder leicht sinkendes Angebot auf eine noch weiter gewachsene Nachfrage traf. Der Engpass vergrößerte sich zwischen 2016 und 2018 um weitere 15 Prozent.

  • Das Ergebnis der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage für Altenpfleger/innen war im Jahr 2010 mit 1.997 fehlenden Personen fast vier Mal so groß wie noch im Jahr 2008. Verantwortlich für diese Fachkräftelücke war zum einen die stark gestiegene Nachfrage in den Altenhilfeeinrichtungen. Zum anderen waren weniger vermittelbare Arbeitslose und Absolventen/innen der Ausbildung im Jahr 2008 auf dem Arbeitsmarkt verfügbar. Zum Jahr 2012 ist die Nachfrage unverändert hoch geblieben, gleichzeitig hat die Zahl der Absolventen/innen zugenommen. Somit wurde die bestehende Lücke im Jahr 2012 entsprechend etwas kleiner als noch im Jahr 2010. Zum Jahr 2014 konnte sowohl die Anzahl der Absolvent/innen erneut gesteigert werden, als auch das Potential arbeitsloser vermittelbarer Altenpfleger/innen wuchs leicht. Da jedoch die Nachfrage im Zeitraum 2012/14 stärker stieg als das verfügbare Angebot wuchs, konnte die Nachfrage der Einrichtungen nicht gedeckt werden. Deshalb hat sich der Engpass nach der Entspannung in 2012 bis 2014 um 38 Prozent auf 2.557 fehlende Altenpfleger/innen erhöht. Zwischen 2014 und 2016 stiegen Angebot und Nachfrage ungefähr gleich an, sodass sich der Saldenwert um nur einen Prozentpunkt verschlechterte und nun 2.576 Arbeitskräfte fehlen. Zwischen 2016 und 2018 stieg die Nachfrage jedoch erneut bei ungefähr gleichbleibendem Angebot, sodass sich der Saldenwert um ein Drittel verschlechterte. Mit 3.417 fehlenden Altenpfleger/innen ist die Lücke größer als in den Vorjahren.

  • Bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen hat sich der Arbeitsmarkt zwischen 2006 und 2008 von einem Fachkräfteüberhang zu einer zahlenmäßigen Unterdeckung verschoben. Das Angebot an vermittelbaren Arbeitslosen und Absolventen/innen der Ausbildung hat sich im Zeitverlauf kontinuierlich reduziert und stieg erst 2016 wieder an. Im Jahr 2016 waren ein Viertel mehr Krankenpfleger/innen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar als noch in 2014. Die Zahl der gesuchten Gesundheits- und Krankenpfleger/innen ist bis 2012 gesunken, da die Nachfrage in den Krankenhäusern zurückgegangen ist und ambulante Pflegeeinrichtungen vermehrt Altenpfleger/innen statt Krankenpfleger/innen nachfragen; die Nachfrage lag aber immer noch deutlich höher als das Angebot und ist im Jahr 2014 sogar erstmals wieder angestiegen. Zwischen 2016 und 2018 ist ein weiterer Anstieg der Nachfrage zu beobachten, während das Angebot sogar kleiner wurde. Rein rechnerisch fehlten 2.131 Gesundheits- und Krankenpfleger/innen; ein Defizit, welches 19 Prozent über dem Wert von 2016 liegt.

  • Für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen ergibt sich im zeitlichen Vergleich folgendes Bild: Auch in dieser Berufsgruppe wurden im Jahr 2008 deutlich mehr Fachkräfte gesucht als 2006, so dass eine ausgeprägte Fachkräftelücke die Folge war. In den Jahren 2010 und 2012 war die Nachfrage dann allerdings rückläufig, sodass das Ergebnis der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage für das Jahr 2012 einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zeigte. Im Jahr 2014 jedoch ist erstens das Angebot zurückgegangen und zweitens hat sich die Nachfrage im Vergleich zum Erhebungsjahr 2012 fast verdoppelt. Dieser Trend setzte sich zum Jahr 2016 ähnlich fort, wobei das Angebot, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau als die Nachfrage, mit anstieg. Der Fachkräfteengpass hat sich damit 2016 im Vergleich zum Jahr 2014 um weitere 45 Prozent verschärft. Aufgrund einer gesunkenen Nachfrage im Jahr 2018 wurde die Lücke zuletzt jedoch um 39 Prozent kleiner.

  • Für staatlich geprüfte Pflegehelfer/innen zeigt sich bis 2010 ein kontinuierlicher Nachfrageanstieg. Lag die Nachfrage in den Jahren 2010 und 2012 in etwa konstant, ist sie bis zum Jahr 2018 deutlich angestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2006 wurden zehnmal mehr Altenpflegehelfer/innen und achtmal mehr Krankenpflegehelfer/innen gesucht. Über den gleichen Zeitraum konnte das Angebot jedoch nicht in gleichem Maße gesteigert werden, bei den Krankenpflegehelfer/innen lag es in den vergangenen Jahren sogar deutlich unter dem Wert für 2006. Dagegen ist die Nachfrage nach der Berufsgruppe gerade zwischen 2016 und 2018 sprunghaft gestiegen. Die Lücke betrug entsprechend 761 Personen. Aufgrund der höheren Nachfrage nach Altenpflegehelfer/innen fehlten in dieser Berufsgruppe mit 1.771 noch weitaus mehr Personen.

  • Das Angebot an angelernten und anzulernenden Pflegehilfskräften ist im Zeitverlauf aufgrund methodischer Probleme nicht vergleichbar. Die Nachfrage hat sich zwischen 2006 und 2008 fast verdoppelt und ist seither, abgesehen von 2016, kontinuierlich gestiegen. 2006 bis 2014 war das Angebot stets größer als die Nachfrage, was sich jedoch 2016, durch das starke Absinken des Angebots, umgekehrt hat. Zuletzt ist die Nachfrage stark gestiegen, sodass auch der Saldo für das Jahr 2018 mit 652 fehlenden Pflegehilfskräften größer ausfällt als je zuvor im Betrachtungszeitraum.

Saldo aus Angebot und Nachfrage in Relation zum Beschäftigtenstand

Die Salden aus Angebot und Nachfrage in absoluten Zahlen geben zwar einen ersten Überblick zur Arbeitsmarktlage in den jeweiligen Berufen. Genauer ist allerdings eine relative Betrachtung der Salden. Dafür werden die Überhänge bzw. Engpässe in Beziehung gesetzt zum Beschäftigtenstand in den jeweiligen Qualifikationen. Damit kann gezeigt werden, wie viel die festgestellte Unterdeckung in Prozent bezogen auf den aktuellen Beschäftigtenstand ausmacht.

  • Für die Altenpfleger/innen entsprach die Lücke im Jahr 2010 16 Prozent des Beschäftigtenstandes: Bei einem Beschäftigtenstand von 12.740 Personen haben demnach knapp 2.000 Fachkräfte gefehlt. Auch wenn die Beschäftigtenzahlen bis 2018 auf 19.934 deutlich angestiegen sind, hat sich am relativen Saldo wenig geändert: Zum Jahr 2012 sank die Quote um zwei Prozentpunkte (14 Prozent), um 2014 wiederum auf 15 Prozent anzusteigen und im Jahr 2016 auf 14 Prozent zu sinken. Im Jahr 2018 machte der Saldo 17 Prozent vom Beschäftigtenstand aus; dies deutet auf eine Verschärfung des Pflegearbeitsmarktes für Altenpfleger/innen hin.

  • Bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen liegen die relativen Engpässe mit sechs Prozent im Jahr 2018 deutlich unter dem Niveau derer für die Altenpfleger/innen. Die Quote entspricht der der Jahre 2010 und 2014. Im Jahr 2012 machte der Saldo nur drei Prozent, im Jahr 2016 fünf Prozent vom Beschäftigtenstand aus.

  • Bei den Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen steigt die Quote von neun Prozent 2014 auf zwölf Prozent im Jahr 2016, um zum Jahr 2018 auf acht Prozent zu sinken. Durch die kleineren Fallzahlen fallen Schwankungen allerdings auch stärker ins Gewicht als bei größeren Berufsgruppen.

  • Der relative Fachkräfteengpass bei den Altenpflegehelfern/innen ist im Vergleich zu den anderen Berufsgruppen zuletzt am größten. Hier war der relative Saldo schon im Jahr 2010 so hoch, dass er einem Drittel des damaligen Beschäftigtenstands entsprach. Dank eines stark steigenden Angebots bei mäßig wachsender Nachfrage konnte der Engpass bis 2012 auf 15 Prozent des Beschäftigtenstands mehr als halbiert werden. Aufgrund einer stärkeren Nachfrage im Jahr 2014 stieg der Saldo wieder leicht auf 18 Prozent und blieb auch 2016 auf diesem Wert. Durch einen starken Anstieg der Nachfrage und einem nahezu gleichbleibenden Angebot entsprach der relative Saldo im Jahr 2018 wieder 30 Prozent des Beschäftigtenstands.

  • Die Arbeitsmarktlage für Krankenpflegehelfer/innen ist weniger stark angespannt als für Altenpflegehelfer/innen. Im Jahr 2010 fehlte etwa ein Zehntel bezogen auf den damaligen Beschäftigtenstand (11 Prozent). In den folgenden zwei Jahren sank das Angebot, zugleich wurden jedoch auch deutlich weniger Krankenpfleger/innen nachgefragt. Dies resultierte in einem leichten Absinken des relativen Saldos auf acht Prozent. Dieser Trend setzte sich im Jahr 2014 entgegengesetzt zu den Entwicklungen in allen anderer Berufsgruppen fort: Während die relativen Fachkräfteengpässe für die Pflegefachkräfte sowie die Altenpflegehelfer/innen von 2012 auf 2014 bzw. 2016 größer wurden, sank der relative Saldo für die Berufsgruppe der Krankenpflegehelfer/innen weiter auf sieben und 2016 auf fünf Prozent ab. Im Jahr 2018 entspricht er dann allerdings einem Höchstwert von 19 Prozent des Beschäftigtenstandes, was auf eine stark steigende Nachfrage bei rückläufigem Angebot zurückzuführen ist.