1.1 Zentrale Ergebnisse

Auf einen Blick:

In ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nimmt die Beschäftigung von Pflegekräften zwischen 2003 und 2017 stetig zu. In den Krankenhäusern Hessens steigt die Zahl der beschäftigten Pflegekräfte seit 2009. In den Rehabilitationskliniken sind die Beschäftigtenzahlen seit 2003 gesunken, bleiben seit 2011 aber auf etwa gleichem Niveau.

In Altenhilfeeinrichtungen bildet das ‚sonstige Pflegepersonal‘ die größte Gruppe an Pflegekräften; in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken sind es die Gesundheits- und Krankenpfleger/innen.

Hinsichtlich der Arbeitsmarktsituation in den Pflegeberufen gab es im Jahr 2006 noch in allen Pflegeberufen und Qualifikationsebenen Angebotsüberhänge. In den Folgejahren hat die Nachfrage nach Pflegekräften stark zugenommen, so dass das Angebot an Pflegekräften die Nachfrage nicht decken konnte. 2012 folgte durch verstärkte Ausbildungsanstrengungen und eine gesunkene Nachfrage eine leichte Entspannung. In den Jahren 2014, 2016 und 2018 ist die Nachfrage nach Pflegekräften jedoch wieder stark gestiegen.

Für alle Berufe und Qualifikationsebenen zeigten sich im Jahr 2018 Engpässe. Lediglich für Pflege(fach)kräfte mit Studienabschluss waren Angebot und Nachfrage weitgehend im Gleichgewicht. Für Altenpfleger/innen und Gesundheits- und Krankenpfleger/innen ist der Fachkräfteengpass in absoluten Zahlen derzeit am größten. Für Altenpfleger/innen ist der Mangel der größte im Zeitraum 2006 bis 2018.

Setzt man die Salden in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand, so wird erkennbar, wie viel die festgestellte Unterdeckung der Nachfrage in Prozent bezogen auf den aktuellen Beschäftigtenstand ausmacht. Demnach fehlten bezogen auf den Beschäftigtenbestand bei den Altenpflegern/innen 17 Prozent, bei den Altenpflegehelfern/innen sogar 30 Prozent.

Stellenbesetzungsprobleme waren im Jahr 2018 wie in den Vorjahren besonders stark in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen ausgeprägt. Aber auch die Krankenhäuser hatten in 2018 große Probleme, offene Stellen zu besetzen. In Rehabilitationskliniken waren Stellenbesetzungsprobleme weniger stark ausgeprägt.

Die Vorausberechnungen des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen ergaben für das Jahr 2035 hessenweit einen demografiebedingten Erweiterungsbedarf von 6.439 Altenpfleger/innen und 3.386 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in Vollzeit. Im Vergleich zum Beschäftigtenstand im Jahr 2017 entspricht dies einem Mehrbedarf von 47 Prozent (Altenpfleger/innen) bzw. 49 Prozent (Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen).

Hinzu kommt, dass ein beträchtlicher Teil der derzeit tätigen Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden wird. Bis 2035 müssen im Versorgungssektor der Altenpflege in Hessen 5.679 Altenpfleger/innen und 4.094 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf (bezogen auf den Beschäftigtenstand des Jahres 2017) beträgt 42 Prozent für die Berufsgruppe der Altenpfleger/innen und 59 Prozent für die Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen.

Ausbildung findet im Sektor Altenhilfe vor allem in den stationären Pflegeeinrichtungen statt, wobei auch die Ausbildungsbereitschaft der ambulanten Pflege gestiegen ist. Jedoch konnten im Jahr 2018 nicht alle verfügbaren Ausbildungsplätze besetzt werden.

Im Jahr 2016 wurden in den hessischen Pflegeschulen insgesamt 116 hauptamtliche Lehrkräfte gesucht. Mit 63 zu besetzenden Stellen entfiel etwas mehr als die Hälfte auf die Altenpflegeschulen. Insgesamt 53 hauptamtliche Lehrkräfte wurden von den Krankenpflegeschulen gesucht.

Die überwiegende Mehrheit der Schulen hat schon derzeit Probleme, ihren Bedarf an hauptamtlichen Lehrkräften zu decken. Da nur 27 Prozent der derzeit beschäftigten Hauptamtlichen jünger sind als 41 Jahre, ist in den kommenden Jahren mit einem ausgeprägten altersbedingten Ersatzbedarf zu rechnen. In den nächsten zehn Jahren (bis 2027) werden 24 Prozent der hauptamtlichen Lehrkräfte an den Altenpflegeschulen und 27 Prozent der Lehrkräfte an den Krankenpflegeschulen altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden.

Der Hessische Pflegemonitor präsentiert neue Ergebnisse! Die Beschreibungen und Analysen der hessischen Pflegearbeitsmärkte werden um aktuelle Entwicklungen erweitert. Die Daten werden sieben Themenbereichen zugeordnet. Im Themenbereich „Beschäftigung“ sind Daten zur Beschäftigtenstruktur in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen aufbereitet. Im Themenbereich „Arbeitsmarkt“ stehen Informationen zum Angebot und zur Nachfrage nach Pflegekräften zur Verfügung. Bereits zum siebten Mal wurden im Frühjahr 2018 alle hessischen Leistungserbringer der Altenhilfe sowie alle Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken zu ihrer Nachfrage nach Pflegekräften und zur Stellenbesetzungssituation befragt. Mit den mittlerweile sieben Messzeitpunkten können Entwicklungstrends auf dem Pflegearbeitsmarkt identifiziert und beschrieben werden. Für diese Betrachtungen wurden eigene Tabellen und Abbildungen angefertigt, die im Themenbereich „Entwicklung des Pflegearbeitsmarktes im Zeitverlauf“ zur Verfügung stehen. Darüber hinaus enthält der Pflegemonitor „Vorausschätzungen des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften in der Altenhilfe“. Diese enthalten neben einer Vorausberechnung des demografiebedingten Erweiterungsbedarfs auch eine Prognose des altersbedingten Ersatzbedarfs. Auf dieser Basis einer Sonderauswertung der Pflegestatistik wurde die Anzahl an Personen ermittelt, die in den kommenden Jahren altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden. Weitere Themenbereiche im Pflegemonitor beschäftigen sich mit der „Ausbildung“ in den Pflegeberufen und mit der „Lehrersituation an den hessischen Pflegeschulen“. Der Themenbereich „Regionaldaten“ enthält Regionaldossiers für die 26 hessischen Kreise und kreisfreien Städte sowie kartografische Darstellungen.

1. Beschäftigtenbestand in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken sowie in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen

Einzelne Aussagen über die Beschäftigung von Pflegekräften in den Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Altenhilfe in Hessen lassen sich aus Daten der Pflege- und Krankenhausstatistik ableiten.1 Die neuesten Daten, die in beiden Statistiken vorliegen, beziehen sich auf das Jahr 2017. Um Veränderungen im Zeitverlauf darstellen zu können, wurden auch Daten aus den Jahren 2003 bis 2015 herangezogen.

Nach den Daten der Krankenhausstatistik2 blieb die Zahl der in den hessischen Krankenhäusern beschäftigten Pflegekräfte zwischen 2005 und 2007 annähernd konstant. Somit konnte der zwischen 2003 und 2005 zu beobachtende Abbau der Pflegekräfte in den Krankenhäusern gestoppt werden. Während 2005 die Gesamtzahl an Pflegekräften 28.294 betrug, waren dies 2007 28.324. Im Jahr 2009 waren mit 29.077 sogar drei Prozent mehr Pflegekräfte beschäftigt, im Jahr 2011 noch einmal zwei Prozent mehr. In den Jahren 2013 bis 2017 stieg die Anzahl der Pflegekräfte in den Krankenhäusern Hessens von 30.399 auf 31.742. Der Trend zu einem Beschäftigtenzuwachs hat sich also fortgesetzt. Den weitaus größten Teil bildeten mit 24.935 Personen Gesundheits- und Krankenpfleger/innen. Die Zunahme kann nicht mit einem Anstieg der in Teilzeit beschäftigten Pflegekräfte erklärt werden, da die Teilzeitquote für die Gesundheits- und Krankenpfleger/innen konstant bei etwa 47 Prozent liegt.

In den Rehabilitationskliniken ging die Anzahl der beschäftigten Pflegekräfte im Zeitverlauf zurück. Zwischen 2003 und 2007 war sie stark rückläufig. Zum Jahr 2009 ist die Beschäftigtenzahl geringfügig gestiegen, um dann in 2011 wieder unter das Niveau von 2007 zu sinken. 2013 waren mit 2.214 beschäftigten Pflegekräften 76 weniger als zwei Jahre zuvor in diesem Bereich tätig. Im Jahr 2017 waren insgesamt 2.231 Pflegekräfte beschäftigt. Allerdings hat der Anteil der Pflegefachkräfte, die in Teilzeit beschäftigt sind, in den vergangenen Jahren zugenommen. Im Jahr 2003 war lediglich ein Drittel der Gesundheits- und Krankenpfleger/innen in Teilzeit beschäftigt, im Jahr 2017 war es gut die Hälfte.

Die Zahl der in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen Beschäftigten nahm nach Angaben der Pflegestatistik3 von 2003 bis 2017 kontinuierlich zu.4

In den ambulanten Diensten waren im Jahr 2017 insgesamt 28.678 Pflegekräfte beschäftigt, was einer Steigerung um 108 Prozent im Vergleich zum Jahr 2003 entspricht (2003: 13.803 Beschäftigte). Die Mehrheit sind Teilzeitbeschäftigte. Das sonstige Pflegepersonal bildete die größte Gruppe in diesem Sektor, gefolgt von den Altenpflegern/innen. Im Jahr 2017 waren diese zahlenmäßig erstmals stärker vertreten als Gesundheits- und Krankenpfleger/innen.

In den stationären Einrichtungen waren im Jahr 2017 insgesamt 51.442 Pflegekräfte beschäftigt. Dies entspricht einem Anstieg um 54 Prozent im Vergleich zur Beschäftigtenzahl des Jahres 2003 (33.420). Etwa ein Drittel der Beschäftigten waren staatlich geprüfte Pflegefachkräfte. Altenpfleger/innen bildeten die größte Gruppe. Stark zugenommen hat im Zeitverlauf die Zahl der beschäftigten Altenpflegehelfer/innen. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten ist in den stationären Pflegeeinrichtungen nicht so hoch wie in den ambulanten Diensten.

Die Beschäftigungspotentiale für Pflegekräfte in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken sowie in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen variieren in Hessen regional stark.

2. Pflegearbeitsmarkt im Jahr 2018 und im Zeitverlauf

Pflegekräftenachfrage

Die Pflegekräftenachfrage im Jahr 2018 konnte über eine repräsentative Befragung aller Leistungserbringer (Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken, ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen) in Hessen erfasst werden.5 Dabei wurde nach der Zahl und der genauen Qualifikation der Pflegekräfte gefragt, die für offene sowie zu besetzende Stellen vom 01.01.2018 bis zum 31.12.2018 gesucht wurden.

Im Jahr 2018 wurden von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie von Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken in Hessen 21.196 Pflegekräfte gesucht. Das waren 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2016. Allerdings stellen Pflegekräfte keine einheitliche Gruppe dar. Die Qualifikationen von Pflegekräften reichen von angelernten Hilfskräften bis zu Pflegekräften mit Studienabschluss. Berücksichtigt man diese Differenzierungen nach Qualifikation und Beruf, zeigt sich, dass Altenpfleger/innen (5.440), Gesundheits- und Krankenpfleger/innen (4.171) und angelernte und anzulernende Pflegehilfskräfte (3.352) zahlenmäßig am häufigsten gesucht wurden. Darüber hinaus wurden 3.389 Pflegekräfte mit einem Studium (400) oder einer staatlich anerkannten Weiterbildung (2.989) sowie 4.379 staatlich geprüfte Pflegehelfer/innen nachgefragt (3.342 Altenpflegehelfer/innen und 1.037 Krankenpflegehelfer/innen). Mit 465 offenen Stellen war die Nachfrage nach Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen vergleichsweise gering.

Seit dem Jahr 2006 ist die Nachfrage nach Pflegekräften stark gestiegen. Zwischenzeitlich waren im Jahr 2012 etwas weniger Stellen zu besetzen als zwei Jahre zuvor. Dieser Trend kehrte sich jedoch seit 2014 in Richtung einer verstärkten Nachfrage auf allen Qualifikationsstufen um und blieb auch in den Jahren 2016 und 2018 bestehen.

Differenziert man nach Qualifikationsebenen und Berufen, wird deutlich, dass vor allem die Nachfrage nach Altenpfleger/innen und Altenpflegehelfer/innen im Zeitverlauf kontinuierlich angestiegen ist. Die Nachfrage nach Gesundheits- und Krankenpfleger/innen erreichte im Jahr 2008 einen zwischenzeitlichen Höchststand und sank dann bis zum Jahr 2012. Seither steigt sie jedoch wieder und lag im Jahr 2018 höher als je zuvor im Betrachtungszeitraum.

Der Umfang der Nachfrage und – soweit relevant – die Art der fachlichen Ausrichtung variierten zwischen Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken sowie ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bei den unterschiedlichen Qualifikationen beträchtlich. So wurden im Jahr 2018 bspw. mehr als drei Viertel der gesuchten Pflege(fach)kräfte mit Studienabschluss von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nachgefragt.

Pflegekräftesituation

Die Nachfrage nach Pflegekräften wurde mit dem verfügbaren Angebot6 zusammengeführt, um zu einer Einschätzung der Pflegekräftesituation im Jahr 2018 zu gelangen. Diese Einschätzung dient insbesondere der Identifikation von regionalen Angebotsengpässen, die keine ausreichende Befriedigung der Nachfrage ermöglichen können.

Während im Jahr 2006 für alle Qualifikationsstufen das Angebot größer war als die Nachfrage, kehrte sich die Situation auf dem Pflegearbeitsmarkt im Jahr 2008 um. In keinem der betrachteten Pflegeberufe und auf keiner der betrachteten Qualifikationsstufen reichte das Angebot aus, um die Nachfrage zu decken. In den Folgejahren variierte lediglich das Ausmaß der Engpässe. Auch im Jahr 2018 konnte in nahezu allen betrachteten Pflegeberufen die Gesamtnachfrage der Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege nicht gedeckt werden.

Ein besonders hoher Fachkräfteengpass ergab sich im Jahr 2018 für Altenpfleger/innen. In dieser Berufsgruppe wurden 3.417 Personen mehr gesucht, als an Angebot zur Verfügung stand. Auch bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen überstieg die Nachfrage das Angebot mit 2.131 Personen deutlich. Ebenfalls groß war die Lücke bei Pflegefachkräften mit staatlich anerkannter Weiterbildung (-1.713 Köpfe). Das Engpassniveau steigt seit einer Phase relativer Entspannung im Jahr 2012 stetig an.

Ein hoher Engpass zeigte sich im Jahr 2018 auch bei den staatlich geprüften Pflegehelfern/innen sowie den Pflegehilfskräften. Es fehlten 1.771 Altenpflegehelfer/innen und 761 Krankenpflegehelfer/innen. Für beide Berufsgruppen fiel der Engpass im Vergleich zu den Vorjahren deutlich größer aus. Die Nachfrage ist stark gestiegen, die Angebotsentwicklung stagnierte dagegen zwischen 2016 und 2018. Für Pflegehilfskräfte reichte das Angebot im Jahr 2018 ebenfalls nicht aus, um die Nachfrage zu decken, es fehlten 652 Personen.

Angebotsüberhänge ergaben sich im Jahr 2018 nur für Pflege(fach)kräfte mit pflegebezogenem Studienabschluss (+6 Köpfe).

Im Vergleich der regionalen Arbeitsmärkte ergaben sich deutliche Unterschiede. Vereinzelt wurden regionale Angebotsüberhänge sichtbar. Für Altenpfleger/innen war die Arbeitsmarktlage nur in der Stadt Darmstadt nahezu ausgeglichen. In der Stadt Frankfurt am Main und in den Landkreisen Kassel und Gießen war der Fachkräfteengpass in absoluten Zahlen am größten. In der Gesundheits- und Krankenpflege ergaben sich leichte Überhänge in den Landkreisen Gießen, Hersfeld-Rotenburg, im Main-Taunus-Kreis und in der kreisfreien Stadt Wiesbaden. Besonders ausgeprägte Engpässe zeigten sich in den Städten Frankfurt am Main und im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Die absoluten Zahlen zu Überhängen oder Engpässen geben einen ersten Überblick zur Fachkräftesituation. Genauer ist allerdings eine relative Betrachtung der Salden bezogen auf den Beschäftigtenbestand. Dafür werden die Überhänge bzw. Engpässe in Beziehung zum Beschäftigtenstand in den jeweiligen Regionen gesetzt. Grundlage für die Berechnung sind die Beschäftigtendaten aus der Pflegestatistik, der Krankenhausstatistik und der Statistik der Vorsorge- und Rehabilitationskliniken für das Jahr 2017.

Setzt man die Salden in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand, so wird erkennbar, wie viel die festgestellte Unterdeckung in Prozent bezogen auf den aktuellen Beschäftigtenstand ausmacht. Demnach fehlten bezogen auf den Beschäftigtenbestand bei den Altenpflegern/innen 17 Prozent. Die Engpässe für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen waren mit sechs Prozent geringer ausgeprägt. Der Engpass bei der Kinderkrankenpflege betrug acht Prozent. Bei den Altenpflegehelfern/innen betrug die Relation 30 Prozent, für Krankenpflegehelfer/innen 19 Prozent. Auch dieser Indikator deutet also auf eine äußerst angespannte Pflegearbeitsmarktlage hin.

Als weiterer Indikator können die Angaben der Einrichtungen zur Stellenbesetzungssituation dienen. Vor allem die Einrichtungen der Altenhilfe waren mit zum Teil massiven Stellenbesetzungsproblemen konfrontiert, und das Ausmaß der Stellenbesetzungsprobleme in der Altenhilfe hat im zeitlichen Vergleich zugenommen. Auch Krankenhäuser haben im Jahr 2018 größere Stellenbesetzungsprobleme als in den Vorjahren angegeben, allerdings bleiben dort weniger Stellen unbesetzt als in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen.

3. Vorausschätzung des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften in der Altenhilfe

Aufgrund des demografischen Wandels ist es notwendig, neben einer Analyse der aktuellen Situation auch einen Blick in die Zukunft zu wagen. Der Hessische Pflegemonitor sieht daher in seiner Konzeption auch ein Modul für Prognosen vor, welches die Entwicklung des Pflegekräftebedarfs bis 2035 im Beschäftigungssektor der Altenpflege vorausschätzt.

Im Jahr 2017 gab es hessenweit einen Beschäftigtenstand von insgesamt 13.658 Altenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe (Umrechnung in Vollzeitäquivalente). Auf Basis der Berechnungen ergibt sich für das Jahr 2025 ein Bedarf von 16.344, 2030 von 18.256 und 2035 von 20.097 Altenpfleger/innen. Dieser zukünftige, durch die wachsende Anzahl an pflegebedürftigen Menschen hervorgerufene Bedarf lässt sich mit dem Beschäftigtenbestand von 2017 alleine nicht bewältigen. Bei Fortschreibung des rechnerisch ermittelten Verhältnisses von Pflegekraft zu Pflegebedürftigen ergibt sich für ganz Hessen im Beschäftigungssektor Altenhilfe ein Erweiterungsbedarf an 2.686 Altenpfleger/innen für 2025, 4.598 Altenpfleger/innen für 2030 und 6.439 Altenpfleger/innen für 2035. Gemessen am Beschäftigtenstand von 2017 entspricht dies einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf von 47 Prozent bis zum Jahr 2035.

Der Bestand der in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen tätigen Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen betrug im Jahr 2017 6.968 Vollzeitäquivalente. Schreibt man das rechnerisch ermittelte Verhältnis von Pflegefachkraft zu Pflegebedürftigen fort, ergeben sich für die Jahre 2025, 2030 und 2035 Bedarfe von insgesamt 8.384, 9.400 und 10.354 Vollzeitäquivalenten. Dies entspricht einem Erweiterungsbedarf von 1.418 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für das Jahr 2025, 2.432 für das Jahr 2030 sowie 3.386 für das Jahr 2035. Gemessen am Beschäftigtenstand von 2017 entspricht dies einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf von 49 Prozent.

Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren ein beträchtlicher Teil der derzeit in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen beschäftigten Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden wird. Für die Vorausberechnung dieses altersbedingten Ersatzbedarfs wird von einem durchschnittlichen Renteneintrittsalter von 62 Jahren ausgegangen. Von den 13.658 im Jahr 2017 tätigen Altenpfleger/innen müssen 2.626 bis zum Jahr 2025, 4.256 bis zum Jahr 2030 und 5.679 bis zum Jahr 2035 ersetzt werden. Dies entspricht bezogen auf den Beschäftigtenbestand 2017 einem altersbedingten Ersatzbedarf von 42 Prozent im gesamten Prognosezeitraum.

Bei der Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen liegt der altersbedingte Ersatzbedarf höher als in der Altenpflege. Von den derzeit beschäftigten 6.968 Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger/innen müssen 1.981 bis zum Jahr 2025, 3.196 bis zum Jahr 2030 und 4.094 bis zum Jahr 2035 ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf im Prognosezeitraum liegt bei 59 Prozent.

Betrachtet man demografiebedingten Erweiterungs- und altersbedingten Ersatzbedarf zusammen, entsteht ein vollständiges Bild des zukünftigen Personalbedarfs. Hessenweit muss für die Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in der Altenhilfe der Beschäftigtenstand des Jahres 2017 bis zum Jahr 2030 um 81 Prozent und bis zum Jahr 2035 um 107 Prozent erweitert werden (in Vollzeitäquivalenten). Um den zukünftigen Bedarf für die Berufsgruppe der Altenpfleger/innen zu decken, ist eine Erweiterung um 65 Prozent bis zum Jahr 2030 und bis zum Jahr 2035 um 89 Prozent notwendig.

Für beide Berufsgruppen ergeben sich hinsichtlich des demografie- und altersbedingten Erweiterungs- bzw. Ersatzbedarf regionale Unterschiede.

4. Ausbildungssituation im Jahr 2018

Im Vergleich der fünf Pflegeberufe sind die Schülerzahlen in der Altenpflege am höchsten, gefolgt von der Gesundheits- und Krankenpflege. Im Zeitverlauf zwischen den Schuljahren 2014/2015 und 2018/2019 zeigt sich ein Anstieg der Schülerzahlen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflegehilfe.

Der größte Teil der praktischen Ausbildungsplätze in der Altenpflege(hilfe) wurde im Jahr 2018 von den stationären Pflegeeinrichtungen angeboten. Nahezu sämtliche Einrichtungen (97 Prozent) haben angegeben, Altenpfleger/innen auszubilden. Gut neun von zehn (92 Prozent) haben Ausbildungsplätze für Altenpflegehelfer/innen angeboten. Von den ambulanten Pflegediensten bildeten 66 Prozent (Altenpfleger/in) bzw. 45 Prozent (Altenpflegehelfer/in) aus. Insgesamt bildeten mehr Einrichtungen aus als im Jahr 2016.

Acht von zehn Krankenhäusern im Bundesland bildete Gesundheits- und Krankenpfleger/innen aus. 14 Prozent der Krankenhäuser hat die Ausbildung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege angeboten. Ausbildungsplätze in der Krankenpflegehilfe gab es in jedem fünften Krankenhaus.

Die Besetzung der Ausbildungsplätze stellt in allen Versorgungsbereichen ein Problem dar. Bei Weitem nicht alle verfügbaren Ausbildungsplätze konnten im Jahr 2018 auch tatsächlich besetzt werden.

Stellt man die Absolventen/innen der Ausbildung im Jahr 2018 dem Beschäftigtenstand gegenüber, zeigt sich eine höhere Ausbildungsintensität in der Altenpflege als in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege. In der Altenpflege machten die Absolventen/innen 6,3 Prozent am Beschäftigtenstand aus, in der (Kinder-)Krankenpflege 3,5 Prozent. Darüber hinaus variiert die Ausbildungsintensität im regionalen Vergleich.

5. Lehrersituation in den hessischen Pflegeschulen

Die Lehrersituation in den hessischen Pflegeschulen war ein Schwerpunktthema in den vorangegangenen Wellen des Hessischen Pflegemonitors. Die Befragung der Schulleitungen im Jahr 2017 ergab, dass im Jahr 2016 hessenweit 116 hauptamtliche Lehrkräfte gesucht wurden.7 63 Stellen waren in Altenpflegeschulen zu besetzen, 53 in Krankenpflegeschulen. In den Krankenpflegeschulen konnte die Mehrzahl der Stellen mit Personen besetzt werden, die über einen Hochschulabschluss in Pflege-, Medizinpädagogik oder Pädagogik für Gesundheitsberufe verfügten. In den Altenpflegeschulen variierten die Qualifikationsprofile der eingestellten Lehrkräfte stärker. Dort wurden vor allem Lehrkräfte mit einer fachpädagogischen Fortbildung im Umfang von 400 Stunden eingestellt sowie solche mit einem Hochschulabschluss in Pflege-, Medizinpädagogik oder Pädagogik für Gesundheitsberufe.

63 Prozent der Alten- und sogar 70 Prozent der Krankenpflegeschulen haben für das Jahr 2018 Stellenbesetzungsprobleme angegeben. Im Vergleich zum Jahr 2016 fiel den Schulen die Stellenbesetzung damit etwas leichter. In den Krankenpflegeschulen dauert die Stellenbesetzung in der Regel deutlich länger, und ein größerer Anteil an Arbeitsplätzen bleibt unbesetzt.

Im Jahr 2016 waren in Hessen 314 hauptamtliche Lehrkräfte in Altenpflegeschulen und 431 in Krankenpflegeschulen beschäftigt.8 In den Krankenpflegeschulen war der Anteil an akademisch qualifizierten Lehrkräften mit 40 Prozent höher als in den Altenpflegeschulen, wo er 26 Prozent betrug.

Durch Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters wird ein Teil der derzeit noch tätigen hauptamtlichen Lehrkräfte in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Nur 27 Prozent der Lehrkräfte sind jünger als 41 Jahre. Geht man von einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren aus, werden in den Altenpflegeschulen in den nächsten zehn Jahren (bis 2027) 24 Prozent des Bestandes an Hauptamtlichen in Rente gehen. In den Krankenpflegeschulen fällt der altersbedingte Ersatzbedarf im Jahr 2027 mit 27 Prozent etwas höher aus als in den Altenpflegeschulen.


  1. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt
  2. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt
  3. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt
  4. In der Pflegestatistik können nur qualifizierte Pflegekräfte eindeutig identifiziert werden. Angelernte Pflegehilfskräfte sind in der Kategorie ‚sonstiges Personal’ erfasst. Dort sind jedoch auch, soweit relevant, hauswirtschaftliches und Verwaltungspersonal berücksichtigt. Aus diesem Grunde werden in den meisten Auswertungen nur qualifizierte Pflegekräfte berücksichtigt.
  5. Die Rückläufe der Befragung lagen in den einzelnen Versorgungsbereichen zwischen 51 und 66 Prozent. Zudem stimmten die Daten bezüglich der zentralen Merkmale sektorale Zuordnung, Einrichtungsgröße und regionale Zugehörigkeit mit der Struktur der Grundgesamtheit überein, so dass von repräsentativen Daten ausgegangen werden kann. Vor diesem Hintergrund wurde eine Hochrechnung der Daten auf die Grundgesamtheit vorgenommen. Damit können Aussagen über die Nachfrage aller Leistungserbringer in Hessen gemacht werden.
  6. Zur Bestimmung des Angebots liegen Daten über Absolventen/innen von Aus-, Weiterbildung und Studium vor sowie Daten über vermittelbare arbeitslose Pflegekräfte. Keine Informationen stehen zur Verfügung über den Umfang der aktivierbaren stillen Reserve und Stellenwechsler/innen.
  7. Es handelt sich dabei um offene Stellen, die auch tatsächlich zu besetzen waren. Dozent/innen oder Honorarkräfte waren explizit nicht einbezogen.
  8. Informationen zur Beschäftigtenstruktur (Qualifikation und Altersstruktur) wurden im Rahmen der Befragung der Pflegeschulen ermittelt. Der Stellenumfang ist nicht ermittelt worden.