Überblick Lehrersituation

Überblick Lehrersituation

Auf einen Blick:

Im Jahr 2016 wurden in Hessen insgesamt 116 hauptamtliche Lehrkräfte gesucht. Mit 63 zu besetzenden Stellen entfiel etwas mehr als die Hälfte auf die Altenpflegeschulen. In den Krankenpflegeschulen wurden 53 hauptamtliche Lehrkräfte gesucht.

In den Krankenpflegeschulen wurde die Mehrzahl der Arbeitsplätze mit akademisch qualifizierten Lehrkräften besetzt. In den Altenpflegeschulen lag der Anteil niedriger, dort unterschieden sich die Qualifikationsprofile der eingestellten Personen stärker.

In beiden Schultypen konnte im Jahr 2016 ein Teil der offenen Stellen nicht besetzt werden. In den Altenpflegeschulen traf dies auf 14 Stellen, in den Krankenpflegeschulen auf 27 zu. Entsprechend gaben zwei Drittel der Altenpflegeschulen und nahezu sämtliche Krankenpflegeschulen Probleme bei der Stellenbesetzung an.

Betrachtet man die Qualifikationen der beschäftigten hauptamtlichen Lehrkräfte in den Altenpflegeschulen, zeigt sich eine große Vielfalt. Die größte Gruppe bilden Lehrkräfte mit einer fachpädagogischen Fortbildung im Umfang von 400 Stunden (34 Prozent). In den Krankenpflegeschulen hat dagegen der größte Teil der Hauptamtlichen entweder Bestandsschutz (42 Prozent) oder verfügt über einen Hochschulabschluss in Pflegepädagogik, Medizinpädagogik oder Pädagogik für Gesundheitsberufe (40 Prozent).

Aufgrund der Altersstruktur der derzeit beschäftigten Lehrkräfte ist von einem ausgeprägten altersbedingten Ersatzbedarf auszugehen. Nur 27 Prozent der derzeit beschäftigten Hauptamtlichen sind jünger als 41 Jahre. Bis zum Jahr 2027 werden 24 Prozent der hauptamtlichen Lehrkräfte an den Altenpflegeschulen und 27 Prozent der Lehrkräfte an den Krankenpflegeschulen altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden.

1. Nachfrage nach hauptamtlichen Lehrkräften im Jahr 20161

Insgesamt wurden im Jahr 2016 von allen hessischen Pflegeschulen 116 hauptamtliche Lehrkräfte gesucht.2 63 Stellen waren in Altenpflegeschulen zu besetzen, 53 in Krankenpflegeschulen.

Im regionalen Vergleich ergaben sich Unterschiede hinsichtlich der Ausprägung der Nachfrage. Mehr als die Hälfte aller gesuchten Lehrkräfte (69) wurde im Regierungsbezirk Darmstadt nachgefragt. Im Regierungsbezirk Kassel waren 21, im Regierungsbezirk Gießen 26 Stellen zu besetzen. Dabei war die Nachfrage der Altenpflegeschulen im südlichen Teil Hessens (Reg.-Bez. Darmstadt) fast dreimal so hoch wie im Norden (Reg.-Bez. Kassel). Auch die Nachfrage der Krankenpflegeschulen konzentrierte sich deutlich stärker im südlichen Teil des Bundeslandes.

Im Vergleich zum Jahr 2012 ist die Nachfrage nach hauptamtlichen Lehrkräften angestiegen; damals waren 86 Stellen zu besetzen. Im Jahr 2016 lag die Nachfrage um 35 Prozent höher (Altenpflegeschulen: +37 Prozent; Krankenpflegeschulen: +33 Prozent). Der größte Anstieg zeigte sich mit 63 Prozent im Regierungsbezirk Gießen, im Regierungsbezirk Darmstadt hat die Nachfrage um 44 Prozent zugenommen. Im Regierungsbezirk Kassel ist die Nachfrage dagegen um fünf Prozent leicht gesunken.

2. Stellenbesetzungssituation in den Pflegeschulen

Da das Angebot an Lehrkräften, die zur Besetzung der offenen Stellen zur Verfügung standen, im Rahmen der Erhebung zur Lehrersituation im Jahr 2016 nicht quantifiziert werden konnte, wurde keine Zusammenführung von Nachfrage und Angebot durchgeführt. Der Teilarbeitsmarkt für hauptamtliche Lehrkräfte lässt sich allerdings über die Angaben näher beschreiben, die die Pflegeschulen zur Stellenbesetzungssituation in den Jahren 2012, 2014 und 2016 gemacht haben. Dazu zählen Informationen zur Qualifikation der Personen, mit denen die Stellen besetzt wurden, Angaben zum Anteil nicht besetzter Stellen und zu Stellenbesetzungsproblemen.

In den Krankenpflegeschulen wurde die Mehrzahl der Arbeitsplätze (56 Prozent) mit Absolventen/innen der Studiengänge Pflegepädagogik, Medizinpädagogik oder Pädagogik für Gesundheitsberufe besetzt. Gut ein Drittel (37 Prozent) der neu eingestellten Lehrkräfte verfügen über Bestandsschutz. Jeweils vier Prozent bringen eine andere anerkannte Qualifikation mit oder sind (noch) nicht anerkannte Lehrkräfte.

In den Altenpflegeschulen variieren die Qualifikationsprofile der eingestellten Lehrkräfte stärker. Mit 48 Prozent stellen Lehrkräfte mit einer fachpädagogischen Fortbildung im Umfang von 400 Stunden die größte Gruppe. Knapp ein Drittel (32 Prozent) der neu eingestellten Lehrkräfte haben ein Studium der Pflegepädagogik, Medizinpädagogik oder Pädagogik für Gesundheitsberufe absolviert. Jede zehnte Lehrkraft (zehn Prozent) verfügt über Bestandsschutz. Sechs Prozent sind (noch) nicht anerkannte Lehrkräfte, drei Prozent bringen eine andere anerkannte Qualifikation mit.

Stellenbesetzungsprobleme waren im Jahr 2016 in den Krankenpflegeschulen stärker ausgeprägt als in den Altenpflegeschulen. In den Altenpflegeschulen konnten im Jahr 2016 21 Prozent der Stellen nicht besetzt werden, in den Krankenpflegeschulen blieben sogar 51 Prozent vakant. Auch bezüglich des Anteils an Schulen, die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung angaben, zeigten sich Unterschiede: 66 Prozent der Altenpflegeschulen und 95 Prozent der Krankenpflegeschulen berichteten von Stellenbesetzungsproblemen.

Sieben von zehn Stellen in den Altenpflegeschulen wurden in einem Zeitraum von drei Monaten besetzt. In den Krankenpflegeschulen dauerte die Stellenbesetzung dagegen in sechs von zehn Fällen länger als ein halbes Jahr. Entsprechend gehen Stellenbesetzungsprobleme in den Krankenpflegeschulen wesentlich häufiger mit zum Teil massiven Mehrbelastungen der Lehrerteams einher als in den Altenpflegeschulen. Die Erhöhung von Stundenkontingenten zur Kompensation von Engpässen führt allerdings dazu, dass nur sehr wenige Kurse im Jahr 2016 nicht wie geplant starten konnten.

Im Vergleich zum Jahr 2012 hat sich die Stellenbesetzungssituation in den Krankenpflegeschulen verschlechtert. Während im Jahr 2012 etwa zwei Drittel Stellenbesetzungsprobleme angaben, waren es im Jahr 2016 nahezu sämtliche Schulen. Die Zahl der nicht besetzten Arbeitsplätze hat ebenfalls zugenommen, von 20 Prozent im Jahr 2012 auf 51 Prozent im Jahr 2016. Von den Altenpflegeschulen haben zuletzt etwas weniger von Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung berichtet als in den Jahren 2012 und 2014; der Anteil der nicht besetzten Stellen liegt allerdings konstant bei etwa 20 Prozent.

Aus Sicht der Krankenpflegeschulen müsste vor allem das Angebot an Studienplätzen in Hessen ausgeweitet werden. Insbesondere in Süd- und Mittelhessen fehle ein entsprechendes Angebot. Um die Zahl der Interessenten/innen zu erhöhen, könnten aus Sicht einiger Schulleitungen auch die Zugangsvoraussetzungen gesenkt sowie berufliche Vorerfahrungen und Weiterbildungen angerechnet werden. Die Konzeption berufsbegleitender Studienangebote könnte ebenfalls helfen, die Zahl der Studierenden zu steigern. Um die Lehrkräftesituation zu verbessern, wird zudem eine flexiblere Anerkennungspraxis der zuständigen Behörde gefordert; kritisiert wird insbesondere, dass zur Anerkennung ein Hochschulabschluss auf Master-Niveau verlangt wird, sowie dass Pflegefachkräfte mit einem Hochschulabschluss in Psychologie, Sozialpädagogik u. ä. oftmals nicht anerkannt werden. Darüber hinaus könnte eine Verbesserung der Bezahlung die Attraktivität des Berufsbildes erhöhen.

Auch die Altenpflegeschulen fordern eine Ausweitung des Qualifizierungsangebots für Lehrkräfte und eine flexiblere Anerkennungspraxis. Allerdings halten sie in deutlich stärkerem Ausmaß als die befragten Krankenpflegeschulen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung für dringend erforderlich. Angestrebt werden sollte eine Angleichung der finanziellen Ausstattung der Altenpflegeschulen an die der Krankenpflegeschulen.

3. Beschäftigtenstruktur und altersbedingter Ersatzbedarf in den Pflegeschulen

Im Jahr 2016 waren in Hessen 314 hauptamtliche Lehrkräfte in Altenpflegeschulen und 431 in Krankenpflegeschulen beschäftigt.3 In Letzteren bilden Lehrkräfte mit Bestandsschutz die größte Gruppe. 42 Prozent der Hauptamtlichen fallen in diese Kategorie. Weitere 40 Prozent haben ein pflege- oder medizinpädagogisches Studium absolviert. Elf Prozent haben einen anderen, von der zuständigen Behörde anerkannten Hochschulabschluss, fünf Prozent befinden sich im Anerkennungsverfahren und drei Prozent sind nicht anerkannte Lehrkräfte.

In den Altenpflegeschulen ist der Anteil an akademisch qualifizierten Lehrkräften niedriger als in den Krankenpflegeschulen. 26 Prozent haben einen Hochschulabschluss in Pflegepädagogik, Medizinpädagogik oder Pädagogik für Gesundheitsberufe, elf Prozent einen anderen anerkannten Hochschulabschluss. Die größte Gruppe bilden Lehrkräfte mit einer fachpädagogischen Fortbildung im Umfang von 400 Stunden (34 Prozent). 21 Prozent der Hauptamtlichen haben Bestandsschutz, vier Prozent sind nicht anerkannte Lehrkräfte. Drei Prozent der Beschäftigten befinden sich im Anerkennungsverfahren.

Durch Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters wird ein Teil der derzeit noch tätigen hauptamtlichen Lehrkräfte in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Nur 27 Prozent der Lehrkräfte sind jünger als 41 Jahre.

Geht man von einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren aus, wird in den Altenpflegeschulen in den kommenden zehn Jahren bis zum Jahr 2027 insgesamt 24 Prozent des Bestandes an Hauptamtlichen in Rente gehen. Bis 2032 wird die Hälfte der Beschäftigten ihre Lehrtätigkeit altersbedingt aufgeben. Am höchsten fällt der altersbedingte Ersatzbedarf im Regierungsbezirk Kassel aus. Im Regierungsbezirk Darmstadt liegt er im regionalen Vergleich am niedrigsten.

In den Krankenpflegeschulen fällt der altersbedingte Ersatzbedarf langfristig, bis zum Jahr 2032, mit 50 Prozent ebenso hoch aus wie in den Altenpflegeschulen. Mittelfristig bis zum Jahr 2027 liegt der altersbedingte Ersatzbedarf mit 27 Prozent etwas höher als in den Altenpflegeschulen. Im regionalen Vergleich ist der Ersatzbedarf langfristig im Regierungsbezirk Gießen höher als in den beiden anderen Regionen. Im Regierungsbezirk Darmstadt wird dagegen ein geringerer Anteil der Lehrkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden.


  1. Die Daten zur Nachfrage nach Lehrkräften stammen aus der Befragung aller Altenpflege(hilfe)schulen, Schulen für Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege und Krankenpflegehilfe in Hessen. Dabei konnte ein Rücklauf von 91 Prozent in den Altenpflegeschulen und von 81 Prozent in den Krankenpflegeschulen erreicht werden. Die Erhebung wurde im Frühjahr 2017 durchgeführt. Die Daten wurden auf Ebene der drei hessischen Regierungsbezirke gewichtet und auf die Grundgesamtheit hochgerechnet.

  2. Es handelt sich dabei um offene Stellen für hauptamtliche Lehrkräfte, die auch tatsächlich zu besetzen waren. Dozenten/innen oder Honorarkräfte waren explizit nicht einbezogen.

  3. Informationen zur Beschäftigtenstruktur (Qualifikation und Altersstruktur) wurden im Rahmen der Befragung der Pflegeschulen ermittelt. Der Stellenumfang ist nicht ermittelt worden.