5.1 Überblick zur Vorausschätzung des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften in der Altenhilfe

Auf einen Blick:

Aufgrund der weiter steigendenden Zahl pflegebedürftiger Menschen in Hessen muss der Beschäftigtenbestand an Pflegefachkräften in der Altenhilfe in Zukunft erweitert werden.

Hessenweit ergibt sich für das Jahr 2035 im Beschäftigungssektor Altenhilfe, bezogen auf den Beschäftigtenbestand 2015, ein demografiebedingter Erweiterungsbedarf von 7.276 Altenpflegern/innen und 3.984 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in Vollzeit. Mehr Altenpfleger/innen sowie Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger/innen, die in der Altenpflege tätig sind, werden zukünftig vor allem im Landkreis Offenbach, im Hochtaunuskreis, im Landkreis Darmstadt-Dieburg und im Rheingau-Taunus-Kreis benötigt. Darüber hinaus sind jedoch auch alle anderen Regionen des Bundeslandes von einem demografiebedingten Erweiterungsbedarf betroffen.

Hinzu kommt, dass ein beträchtlicher Teil der derzeit tätigen Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden wird. Bis 2035 müssen in Hessen 5.688 Altenpfleger/innen und 4.213 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf beträgt 46 Prozent für Altenpfleger/innen bzw. 63 Prozent für Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen bezogen auf den Beschäftigtenstand des Jahres 2015.

Im regionalen Vergleich zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen, die mit unterschiedlichen Altersstrukturen in den Belegschaften der Altenhilfeeinrichtungen erklärt werden können. Zwischen 36 Prozent und 55 Prozent der derzeit beschäftigten Altenpfleger/innen werden je nach Region bis 2035 altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden. Wesentlich älter sind die Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe: Je nach Region müssen bis 2035 zwischen 57 Prozent und 76 Prozent der derzeit tätigen Fachkräfte ersetzt werden.

Insgesamt ist der Süden Hessens stärker von steigenden Personalbedarfen betroffen als der Norden des Bundeslandes.

Die Menschen in Deutschland werden kontinuierlich älter. Diese demografische Entwicklung führt in der Folge zu einem Anstieg pflegebedürftiger Menschen und stellt die Gesellschaft vor die Herausforderung, den damit verbundenen wachsenden Pflegebedarf älterer Menschen durch eine notwendigerweise bedingte Zunahme von Pflegefachkräften sicherzustellen. Neben der Analyse der aktuellen Situation wird deshalb ein Blick in die Zukunft geworfen, der Aufschluss über zukünftige Entwicklungen gibt. Der Hessische Pflegemonitor sieht daher in seiner Konzeption ein Modul für Prognosen vor, welches Entwicklungen bis zum Jahr 2035 vorausschätzt.

Vorausberechnet wird zum einen die Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen und, daraus auf der Basis der Fortschreibung aktueller Versorgungsquoten abgeleitet, die Zahl der benötigten Pflegefachkräfte in den Einrichtungen der Altenhilfe errechnet (demografiebedingter Erweiterungsbedarf). Da die demografische Entwicklung jedoch nicht nur die Nachfrage nach Pflegekräften beeinflusst, sondern auch die Pflegenden selbst trifft, wird zum anderen vorausberechnet, wie viele der derzeit in den hessischen Einrichtungen der Altenhilfe beschäftigten Pflegefachkräfte bis zum Jahr 2035 altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden. Um das derzeitige Versorgungsniveau zu halten, muss dieser sogenannte altersbedingte Ersatzbedarf ebenso gedeckt werden wie der demografiebedingte Erweiterungsbedarf.

1. Methodisches Vorgehen

Die Vorausschätzung sowohl des Erweiterungsbedarfs als auch des altersbedingten Ersatzbedarfs basieren auf verschiedenen Annahmen. Betrachtet werden die Jahre 2025, 2030 und 2035, als Bezugsjahr dient das Jahr 2015. Die Prognose des Fachkräftebedarfs bezieht sich nur auf den Bereich der Altenhilfe (ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen) und bezieht sich auf die in diesem Sektor beschäftigten Berufsgruppen Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen. Die zukünftigen Bedarfe werden getrennt für die beiden Berufsgruppen ausgewiesen. Alle Angaben sind Vollzeitäquivalente.

Basis der Vorausschätzung des demografiebedingten Erweiterungsbedarfs bilden die Bevölkerungsvorausschätzungen der Hessen Agentur (Stand: 2017; Zahlen auf 100 gerundet). Die anhand der offiziellen Pflegestatistik des Statistischen Landesamtes ermittelten tatsächlichen Pflegequoten des Jahres 2015 für die Altersstufen ab 60 Jahren1 werden auf die vorausgeschätzte Bevölkerung übertragen, um die Anzahl der zukünftigen Pflegebedürftigen für die Jahre 2025, 2030 und 2035 zu schätzen. Ebenfalls aus der Pflegestatistik 2015 lässt sich der ‚Personalschlüssel’, d.h. die Anzahl der Pflegebedürftigen, die pro Altenpfleger/in bzw. Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in versorgt werden, ermitteln. Diese Quote der Pflegebedürftigen pro Pflegefachkraft wiederum wird auf die für die Jahre 2025, 2030 und 2035 vorausberechneten Pflegebedürftigen übertragen, um die Anzahl der benötigten Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für die zukünftigen Jahre zu ermitteln. Annahme ist, dass die Quote der Pflegebedürftigen pro Pflegefachkraft für die Zukunft konstant bleibt. Ferner wird davon ausgegangen, dass das Verhältnis zwischen Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe aus dem Jahr 2015 sich in der Zukunft nicht verändern wird.

In der 2013er-Welle des Hessischen Pflegemonitors wurden die Vorausschätzungen dahingehend erweitert, dass neben dem demografiebedingten Erweiterungsbedarf auch der altersbedingte Ersatzbedarf in den Einrichtungen der Altenhilfe ermittelt wird. Es wurde errechnet, wie viele der derzeit in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen beschäftigten Altenpfleger/innen und Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden. Damit der Beschäftigtenstand bis zum Jahr 2035 zumindest auf dem aktuellen Niveau bleiben kann, müssen diese altersbedingt ausscheidenden Fachkräfte ersetzt werden.

Datengrundlage bilden Altersstrukturdaten aus der Pflegestatistik. Als durchschnittliches Alter für den Renteneintritt wurde – wie in den vorherigen Wellen des Pflegemonitors – 62 Jahre angenommen. Mit dieser Annahme ließ sich in der Folge errechnen, wie viele der derzeit noch tätigen Altenpfleger/innen und (Kinder-)Krankenpfleger/innen bis zu den Jahren 2025, 2030 und 2035 rein rechnerisch altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden werden.

2. Demografiebedingter Erweiterungsbedarf an Pflegefachkräften in der Altenhilfe

Im Jahr 2015 gab es hessenweit einen Beschäftigtenstand von insgesamt 12.472 Altenpfleger/innen in den Einrichtungen der Altenhilfe (in Vollzeitäquivalenten). Aufgrund des demografiebedingten Erweiterungsbedarfs liegt der Fachkräftebedarf im Jahr 2025 bereits bei 13.263 Personen, in 2030 bei 17.938 und in 2035 bei 19.784 Altenpfleger/innen. Der aktuelle Beschäftigtenstand muss also wesentlich erweitert werden, wenn die pflegerische Versorgung auch in Zukunft konstant gehalten werden soll. Für ganz Hessen ergibt sich ein Erweiterungsbedarf an 3.512 Altenpfleger/innen für 2025, 5.466 Altenpfleger/innen für 2030 und 7.276 Altenpfleger/innen für 2035. Gemessen am Beschäftigtenstand im Jahr 2015 entspricht dies einem Erweiterungsbedarf von 58 Prozent im Prognosezeitraum.

Die einzelnen Regionen Hessens weisen Unterschiede auf. Die Landkreise mit dem relativ höchsten zukünftigen Erweiterungsbedarf sind der Landkreis Offenbach, der Hochtaunuskreis, der Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Rheingau-Taunus-Kreis. Hier muss der Beschäftigtenstand um jeweils mehr als 78 Prozent und mehr erweitert werden. Einen mit 35 Prozent bzw. 37 Prozent eher geringen Erweiterungsbedarf weisen die Stadt Darmstadt und der Werra-Meißner-Kreis auf.

Der Bestand an Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in der Altenhilfe betrug im Jahr 2015 6.668 Vollzeitäquivalente. Schreibt man die Quote von Pflegefachkraft zu Pflegebedürftigen fort, ergeben sich für die Jahre 2025, 2030 und 2035 Bedarfe von insgesamt 8.590, 9.665 und 10.652 Vollzeitäquivalenten. Der Erweiterungsbedarf beträgt 1.922 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für das Jahr 2025, 2.997 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für das Jahr 2030 sowie 3.984 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen für das Jahr 2035. Gemessen am Beschäftigtenstand von 2015 entspricht dies einem Erweiterungsbedarf von 60 Prozent.

Im regionalen Vergleich ergeben sich dieselben Unterschiede wie für die Altenpfleger/innen: Besonders hohe relative Erweiterungsbedarfe (mehr als 80 Prozent) betreffen den Landkreis Offenbach und den Hochtaunuskreis. Verhältnismäßig niedrig liegen die Erweiterungsbedarfe in der Stadt Darmstadt und im Werra-Meißner-Kreis.

3. Altersbedingter Ersatzbedarf an Pflegefachkräften in der Altenhilfe

In den kommenden Jahren wird ein beträchtlicher Teil der derzeit in ambulanten Pflegediensten und stationären Altenpflegeeinrichtungen beschäftigten Pflegefachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Von den im Jahr 2015 tätigen 12.472 Altenpfleger/innen (in Vollzeitäquivalenten) müssen 2.824 bis zum Jahr 2025, 4.393 bis zum Jahr 2030 und 5.688 bis zum Jahr 2035 ersetzt werden. Dies entspricht – bezogen auf den Beschäftigtenstand im Jahr 2015 – einem altersbedingten Ersatzbedarf von 46 Prozent im gesamten Prognosezeitraum.

Im regionalen Vergleich treten allerdings Unterschiede zutage, da sich die Altersstruktur der Beschäftigten recht stark unterscheidet. In einigen Regionen wird bereits kurzfristig ein recht hoher Anteil der Beschäftigten aus dem Beruf ausscheiden, in anderen Regionen wird dies erst mittel- oder langfristig der Fall sein. Besonders hoch ist der Ersatzbedarf in Relation zum Beschäftigtenstand im Vogelbergkreis und in der Stadt Kassel. Dort werden bis zum Jahr 2035 etwa 55 Prozent der derzeit noch tätigen Altenpfleger/innen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Am niedrigsten liegt der relative Ersatzbedarf in den Landkreisen Fulda, Groß-Gerau und dem Lahn-Dill-Kreis, wo im Prognosezeitraum zwischen 36 Prozent und 39 Prozent des aktuellen Bestandes in Rente gehen wird.

Die Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in ambulanten Diensten und stationären Altenpflegeeinrichtungen sind im Durchschnitt älter als die Altenpfleger/innen, der altersbedingte Ersatzbedarf liegt höher. Von den derzeit beschäftigten 6.668 Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen müssen 2.202 bis zum Jahr 2025, 3.375 bis zum Jahr 2030 und 4.213 bis zum Jahr 2035 ersetzt werden. Der altersbedingte Ersatzbedarf im Prognosezeitraum liegt bei 63 Prozent.

Im Vergleich der Landkreise und kreisfreien Städte ergeben sich auch für die Berufsgruppe der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen Unterschiede. In einigen Regionen geht schon bis 2025 ein größerer Teil der Beschäftigten in Rente, in anderen erst in den Folgejahren. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gebietskörperschaften hinsichtlich der Höhe des altersbedingten Ersatzbedarfes in Relation zum derzeitigen Beschäftigtenstand: Ausgesprochen hoch ist der altersbedingte Ersatzbedarf im Landkreis Darmstadt-Dieburg, im Werra-Meißner-Kreis und im Schwalm-Eder-Kreis: Mehr als sieben von zehn derzeit noch in der Altenhilfe tätigen Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen werden bis 2035 altersbedingt ausscheiden. Vergleichsweise gering ist der Ersatzbedarf mit 57 Prozent in der Stadt Frankfurt, in den Landkreisen Fulda, Waldeck-Frankenberg und im Odenwaldkreis.

4. Zukünftiger Fachkräftebedarf in der Altenhilfe in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand

Addiert man demografiebedingten Erweiterungs- und altersbedingten Ersatzbedarf zusammen, zeigt sich, wie viele Pflegefachkräfte zukünftig in Hessen neu benötigt werden (zukünftiger Fachkräftebedarf). Um die pflegerische Versorgung auf dem derzeitigen Niveau zu halten, müssen Erweiterungs- und Ersatzbedarf gedeckt werden.

Hessenweit werden in den Einrichtungen der ambulanten und stationären Altenhilfe bis zum Jahr 2030 insgesamt 9.859 Altenpfleger/innen, bis zum Jahr 2035 sogar 12.964 Altenpfleger/innen benötigt (in Vollzeitäquivalenten). Bezogen auf den derzeitigen Beschäftigtenstand (12.472 Fachkräfte) entspricht dies 79 bzw. 104 Prozent. Um den zukünftigen Bedarf an Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen in der Altenhilfe zu decken, ist eine Erweiterung um 6.372 Vollzeitäquivalente bis 2030 und 8.197 bis 2035 notwendig. Bezogen auf den derzeitigen Beschäftigtenstand (6.668 Fachkräfte) entspricht dies 96 Prozent bzw. 123 Prozent, d.h. der zukünftige Fachkräftebedarf liegt langfristig sogar höher als der derzeitige Beschäftigtenstand.

In allen Regionen Hessens werden zukünftig deutlich mehr Pflegefachkräfte als derzeit benötigt. Allerdings unterscheidet sich das Ausmaß, um das der Beschäftigtenstand erweitert werden muss, im regionalen Vergleich. Im bzw. an den Rändern des Rhein-Main-Gebiets (Hochtaunuskreis, Landkreise Offenbach und Darmstadt-Dieburg, Stadt Offenbach) sind demografiebedingter Erweiterungsbedarf und altersbedingter Ersatzbedarf in Relation zum aktuellen Beschäftigtenstand besonders hoch (mehr als 124 Prozent). Im Werra-Meißner-Kreis werden die geringsten Erweiterungen benötigt (83 Prozent).

Auch der Bedarf an Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/innen steigt im Prognosezeitraum am stärksten in den Landkreisen des Rhein-Main-Gebiets im Süden des Bundeslandes. Mit 159 Prozent bzw. 155 Prozent ist der zukünftige Bedarf in den Landkreisen Offenbach bzw. Darmstadt-Dieburg am größten. Niedriger liegt er in den ländlichen Regionen Mittel- und Nordhessens mit den niedrigsten Werten im Landkreis Waldeck-Frankenberg (97 Prozent) und in der Stadt Darmstadt (98 Prozent).


  1. Anteil der Frauen und Männer ab 60 Jahre, die pflegebedürftig im Sinne des SGB XI sind und die ambulant oder stationär versorgt werden.