4.1 Entwicklung des Pflegearbeitsmarktes im Zeitverlauf

Auf einen Blick:

Der Beschäftigtenstand in der Pflege hat in den Krankenhäusern seit 2005 kontinuierlich zugenommen. In Rehabilitationskliniken arbeiten heute dagegen deutlich weniger Pflegekräfte als noch 2003, wobei die Beschäftigtenzahlen seit 2011 relativ konstant sind.

Die Zahl der Beschäftigten in den ambulanten und stationären Altenpflegeeinrichtungen ist zwischen 2003 und 2015 stark angestiegen. Dies ist vor allem auf einen Zuwachs an Altenpfleger/innen und Altenpflegehelfer/innen, aber auch auf mehr Pflegehilfskräfte zurückzuführen.

Im Jahr 2006 gab es noch in allen Pflegeberufen und auf allen Qualifikationsebenen Angebotsüberhänge. In den folgenden Jahren hat die Nachfrage nach Pflegekräften jedoch stark zugenommen. Bis zum Jahr 2016 hat sich die Gesamtnachfrage nach Pflegekräften auf mehr als das 2,5-fache erhöht. Die Folge waren (mit Ausnahme der Fachkräfte mit Studienabschluss) wachsende Fachkräfteengpässe.

Betrachtet man die Salden aus Angebot und Nachfrage in Relation zum Beschäftigtenstand, ist der Engpass für die Altenpflegehelfer/innen am größten. Für diese Berufsgruppe betrug die Lücke zeitweise ein Drittel des gesamten Beschäftigtenstands, sie konnte jedoch auf 18 Prozent im Jahr 2016 gesenkt werden. Über alle Pflegefachkraft- und –helferberufe entsprachen die Salden im Jahr 2014 zwischen fünf und 18 Prozent des jeweiligen Beschäftigtenstands. Dies entspricht bei den Pflegefachkräften in etwa dem Niveau von 2010, während die Lücke für die Pflegehelfer/innen im Zeitverlauf eher kleiner wurde.

Für den Hessischen Pflegemonitor werden seit 2007 im zweijährlichen Rhythmus alle hessischen ambulanten und stationären Altenhilfeeinrichtungen sowie alle Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken befragt. Mit den Befragungsergebnissen des Jahres 2017 liegen sechs Messpunkte vor, so dass mittlerweile auch mittelfristige Entwicklungstrends auf dem Pflegearbeitsmarkt analysiert werden können.

1. Entwicklung des Beschäftigtenbestandes

In den Krankenhäusern hat sich der Beschäftigtenstand in der Pflege in den vergangenen Jahren kaum verändert. Ein Personalabbau fand zwischen 2003 und 2005 statt, seither ist der Beschäftigtenstand stetig gewachsen und liegt seit dem Jahr 2011 wieder leicht über dem Niveau von 2003. Im Jahr 2015 waren gut 2.500 Pflegekräfte mehr beschäftigt als zehn Jahre zuvor. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Anteil der in Teilzeit Beschäftigten zugenommen hat. Erst zwischen 2013 auf 2015 ist hier eine umgekehrte Entwicklung zu beobachten: Während die Teilzeitquote bei Gesundheits- und Krankenpfleger/innen seit 2007 mit 47 bzw. 48 Prozent stabil bleibt, sind die Teilzeitquoten für Krankenpflegehelfer/innen und sonstige Pflegekräfte im Vergleich zum Jahr 2013 deutlich gesunken.

Die Zahl der beschäftigten Pflegekräfte in den hessischen Rehabilitationskliniken ist zwischen 2003 und 2005 stark und daraufhin bis 2013 kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2015 sind die Beschäftigtenzahlen erstmals wieder leicht gestiegen. Dies ist mit einem leichten Beschäftigungszuwachs in der Gesundheits- und Krankenpflege zu erklären. In dieser Berufsgruppe ist auch eine stetige Zunahme des Anteils an Teilzeitbeschäftigung zu erkennen, die 2015 erstmals über 50 Prozent liegt. Insgesamt war im Jahr 2015 gut die Hälfte aller Pflegekräfte in Rehabilitationskliniken in Teilzeit beschäftigt. Zehn Jahre zuvor waren es lediglich 40 Prozent. Die deutlich erhöhte Teilzeitquote in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege (85 Prozent) muss hingegen vor dem Hintergrund kleiner Fallzahlen interpretiert werden: diese Quote wurde aus den insgesamt 13 in Rehabilitationskliniken beschäftigten Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen berechnet und unterliegt damit starken Schwankungen.

Eine starke und stetige Zunahme der Beschäftigtenzahlen zeigt sich in den Altenhilfeeinrichtungen. In ambulanten Pflegediensten waren 2015 insgesamt 70 Prozent mehr Pflegekräfte beschäftigt als noch zehn Jahre zuvor. Waren es damals 14.329 Personen, sind es heute 24.392. Der Anstieg zeigt sich vor allem für Altenpfleger/innen und Altenpflegehelfer/innen. Im Vergleich zu 2013 ist auf allen Qualifikationsebenen ein Zuwachs zu verzeichnen, am stärksten in der Altenpflegehilfe mit einem Plus von 23 Prozent. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten schwankt je nach Beruf über die Jahre leicht. Von den staatlich geprüften Pflegefachkräften waren 2015 zwischen 59 und 74 Prozent in Teilzeit beschäftigt, von den staatlich geprüften Pflegehelfer/innen zwischen 74 und 80 Prozent. Mit etwa vier von fünf Teilzeitbeschäftigten ist die Quote in der Krankenpflegehilfe und beim sonstigen Pflegepersonal am höchsten. Ein eindeutiger Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung ist in der ambulanten Pflege jedoch nicht zu erkennen.

In den stationären Pflegeeinrichtungen zeigt sich folgendes Bild: Im Jahr 2015 waren 40 Prozent mehr Pflegekräfte beschäftigt als noch zehn Jahre zuvor. Die Zahl ist von 35.136 Personen auf 49.122 gestiegen. Der Beschäftigtenanstieg ist besonders bei den Altenpfleger/innen, den Altenpflegehelfer/innen und (wenn auch auf insgesamt niedrigem Niveau) bei den Pflegekräften mit Studienabschluss ausgeprägt. In der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Krankenpflegehilfe sind hingegen leichte Rückgänge im Vergleich zu 2005 zu verzeichnen. Die Teilzeitquoten sind in den vergangenen Jahren mit Ausnahme der Altenpflege(hilfe) recht konstant geblieben. Hier zeigte sich bis 2013 eine stete Zunahme der Teilzeitbeschäftigung. Im Jahr 2015 sank die Teilzeitquote erstmals wieder unter das Niveau des Jahres 2013, lag aber mit 45 Prozent für den Beruf der Altenpfleger/innen und mit 66 Prozent für den Beruf der Altenpflegehelfer/innen nach wie vor deutlich über den Werten der frühen 2000er Jahre.

2. Entwicklung des Arbeitsmarktes

Pflegekräftenachfrage

Die Nachfrage der Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken und Altenhilfeeinrichtungen nach Pflegekräften ist zwischen 2006 und 2016 um das 2,7-fache gewachsen. Im Jahr 2006 wurden 6.554 Pflegekräfte gesucht, im Jahr 2014 waren es 17.652. Während die Nachfrage von 2012 zu 2014 um 26 Prozent anstieg, nahm sie zwischen 2014 und 2016 um weitere acht Prozent zu.

Pflegekräfte sind allerdings keine einheitliche Gruppe. Die Qualifikationen von Pflegekräften reichen von angelernten Hilfskräften bis zu Pflegekräften mit Studienabschluss. Entsprechend werden die Entwicklungen der vergangenen Jahre differenziert nach Qualifikationsebenen und Berufen in der Pflege analysiert.

  • Die Nachfrage nach Pflege(fach)kräften mit Studienabschluss variiert im Zeitverlauf deutlich: Zwischen 2006 und 2008 hat sie in allen vier Versorgungsbereichen stark zugenommen. Zwischen 2008 und 2010 waren wiederum weniger Stellen zu besetzen, woraufhin bis 2012 wieder mehr Akademiker/innen gesucht wurden. Dieser Trend hat sich zum Jahr 2016 fortgesetzt, im Vergleich zu 2014 stieg die Nachfrage um zehn Prozent. Dabei zeigt sich über die Jahre ein stetig steigender Bedarf in den ambulanten Pflegediensten, wohingegen die Nachfrage in den anderen drei Sektoren eher schwankend ist. Von 2014 zu 2016 war allerdings auch in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken eine gesteigerte Nachfrage zu verzeichnen.

  • Die Zahl der gesuchten Pflegefachkräfte mit staatlich anerkannten Weiterbildungsabschlüssen hat sich bereits zwischen 2006 und 2008 verdreifacht und ist bis zum Jahr 2016 auf das über Siebenfache angestiegen (2.618 in 2016 im Vergleich zu 361 in 2006)1. Sowohl von 2010 auf 2012, als auch von 2012 auf 2014 und von 2014 auf 2016, gab es Nachfrageschübe. In den einzelnen Sektoren verhielt sich die Nachfrage nach Pflegekräften mit staatlich anerkannten Weiterbildungen im Zeitverlauf unterschiedlich: Während die Zahl der zu besetzenden Stellen in Einrichtungen der Altenpflege im Zeitverlauf relativ konstant angestiegen ist, ging sie in stationären Pflegeeinrichtungen zwischen 2014 und 2016 zurück. Zwischen 2008 und 2012 war auch die Nachfrage in den Krankenhäusern rückläufig. Erst zum Jahr 2014 wurden auch hier wieder vermehrt Pflegefachkräfte mit Weiterbildung nachgefragt und zum Jahr 2016 noch einmal 29 Prozent mehr als 2014. In den Rehabilitationskliniken wächst die Nachfrage, wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau, seit 2010 stetig.

  • Für die Gruppe der staatlich geprüften Pflegefachkräfte ohne formale Weiterqualifikation ist die Nachfrage zwischen 2014 und 2016 um sechs Prozent angestiegen. Nachdem von 2012 auf 2014 die Nachfrage nach Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen bereits um fast hundert Prozent gestiegen war, vergrößerte sie sich von 2014 auf 2016 um ein weiteres Drittel. Während 2014 für Alten- sowie Gesundheits- und Krankenpfleger/innen noch ca. 30 Prozent mehr Pflegefachkräfte gesucht wurden als 2012, stiegen die Zahlen zwischen 2014 und 2016 lediglich um vier bzw. fünf Prozent an. Insgesamt wurden im Jahr 2016 mehr als doppelt so viele staatlich geprüfte Pflegefachkräfte gesucht wie noch im Jahr 2006. Der Nachfrageanstieg erstreckt sich über alle Versorgungssektoren, war jedoch im ambulanten Bereich besonders stark.

  • Auch die Nachfrage nach staatlich geprüften Pflegehelfer/innen ist seit 2012 weiter angestiegen. Doch während die Nachfrage nach Altenpflegehelfer/innen sich im Jahr 2016 um ein Drittel vergrößert hatte, sank der Bedarf an Krankenpflegehelfer/innen im Vergleich zu 2014 leicht ab (um neun Prozent). Damit reihen sich die aktuellsten Ergebnisse in die seit 2006 relativ kontinuierliche Tendenz ein: Wurden 2006 lediglich 421 Pflegehelfer/innen gesucht, waren es 2008 bereits 1.164 und zuletzt im Jahr 2014 mit 2.962 gesuchten Personen das Siebenfache im Vergleich zum Jahr 2006. Im Vergleich der Sektoren zeigten sich in den vergangenen zwei Jahren zunehmend Bedarfe in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, wohingegen die Nachfrage in den Krankenhäusern tendenziell rückläufig war.

  • Die Zahl der gesuchten angelernten und anzulernenden Hilfskräfte hat sich zwischen 2006 und 2008 nahezu verdoppelt. Zwischen 2008 und 2014 ist ein stetiger, aber niedriger Nachfragezuwachs von je etwa zehn Prozent pro Untersuchungszeitraum zu beobachten. Im Jahr 2016 sank die Nachfrage um fünf Prozent im Vergleich zu 2014. Am größten war und ist die Nachfrage in den ambulanten Diensten und stationären Altenpflegeeinrichtungen.

Zusammenführung von Angebot und Nachfrage

Beim Vergleich der Ergebnisse der Jahre 2006 bis 2016 wird deutlich, dass sich der Pflegearbeitsmarkt in Hessen über die sechs Messzeitpunkte gravierend verändert hat. Während 2006 noch für alle Qualifikationsstufen positive Saldenwerte erreicht werden konnten, hat sich die Situation bereits 2008 komplett umgekehrt. Nahezu flächendeckende Engpässe waren die Folge.2

In den Jahren 2010 und 2012 war das Bild heterogen. Für Pflegehilfskräfte war das Angebot weiterhin größer als die Nachfrage, aber auch für akademische Pflegekräfte und für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen hat sich die Arbeitsmarktlage entspannt. In den anderen Berufen und Qualifikationsebenen waren die Lücken allerdings weiter groß. Von 2012 zu 2014 hat sich die Arbeitsmarktlage hingegen wieder verschärft. Während für Pflegehilfskräfte und akademische Pflegekräfte nach wie vor ein Überangebot besteht, hat sich der Engpass v.a. bei den Alten- und Krankenpflegehelfer/innen deutlich vergrößert. Im Folgenden werden die einzelnen Qualifikationsebenen und Berufe separat betrachtet. Zwischen 2014 und 2016 wurde der Arbeitsmarkt in fast allen Feldern noch angespannter. Erstmals seit 2006 waren weniger Pflegehilfskräfte verfügbar als von den Einrichtungen gesucht wurden. Außer im Bereich der akademischen Pflegefachkräfte, wo es acht ausgebildete Menschen mehr gab als es die Nachfrage verlangte, wurden mehr Kräfte gesucht als zur Verfügung standen.

  • Das Angebot an Pflege(fach)kräften mit Studienabschluss ist, nachdem es zwischen 2008 und 2014 kontinuierlich angestiegen war, 2016 um fast ein Drittel gesunken. Die Nachfrage schwankte im Zeitverlauf und stieg, entgegen des Angebots, zwischen 2014 und 2016 um zehn Prozent und ist nun nur knapp geringer ausgeprägt als das vorhandene Angebot. Insofern sank der für die drei Messzeitpunkte davor relativ großen Angebotsüberhang um 95 Prozent auf acht Fachkräfte ab.

  • Pflegefachkräfte mit staatlich anerkannten Weiterbildungen fehlten im Jahr 2010 in etwa im gleichen Ausmaß wie in 2008. Zum Jahr 2014 ist die Lücke deutlich größer geworden, obwohl sich die Anzahl der Absolventen/innen bis dahin mehr als verdreifacht hatte. Diese Differenzen vergrößerten sich 2016 noch weiter, als ein nun, erstmals seit 2008, wieder leicht sinkendes Angebot auf eine noch weiter gewachsene Nachfrage traf. Der Engpass vergrößerte sich dadurch um 26 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014.

  • Das Ergebnis der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage für Altenpfleger/innen war im Jahr 2010 mit 1.997 fehlenden Personen fast vier Mal so groß wie noch im Jahr 2008. Verantwortlich für diese Fachkräftelücke war zum einen die stark gestiegene Nachfrage in den Altenhilfeeinrichtungen. Zum anderen waren weniger vermittelbare Arbeitslose und Absolventen/innen der Ausbildung im Jahr 2008 auf dem Arbeitsmarkt verfügbar. Zum Jahr 2012 ist die Nachfrage unverändert hoch geblieben, gleichzeitig hat die Zahl der Absolventen/innen zugenommen. Somit wurde die bestehende Lücke im Jahr 2012 entsprechend etwas kleiner als noch im Jahr 2010. Zum Jahr 2014 konnte sowohl die Anzahl der Absolvent/innen erneut gesteigert werden, als auch das Potential arbeitsloser vermittelbarer Altenpfleger/innen wuchs leicht. Da jedoch die Nachfrage im Zeitraum 2012/14 stärker stieg als das verfügbare Angebot wuchs, konnte die Nachfrage der Einrichtungen nicht gedeckt werden. Deshalb hat sich der Engpass nach der Entspannung in 2012 bis 2014 um 38 Prozent auf 2.557 fehlende Altenpfleger/innen erhöht. Zwischen 2014 und 2016 stiegen Angebot und Nachfrage ungefähr gleich an, sodass sich der Saldenwert um nur einen Prozentpunkt verschlechterte und nun 2.576 Arbeitskräfte fehlen.

  • Bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen hat sich der Arbeitsmarkt zwischen 2006 und 2008 von einem Fachkräfteüberhang zu einer zahlenmäßigen Unterdeckung verschoben. Das Angebot an vermittelbaren Arbeitslosen und Absolventen/innen der Ausbildung hat sich im Zeitverlauf kontinuierlich reduziert, stieg jedoch 2016 wieder an. Im Jahr 2016 waren ein Viertel mehr Krankenpfleger/innen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar als noch in 2014. Die Zahl der gesuchten Gesundheits- und Krankenpfleger/innen ist bis 2012 gesunken, da die Nachfrage in den Krankenhäusern zurückgegangen ist und ambulante Pflegeeinrichtungen vermehrt Altenpfleger/innen statt Krankenpfleger/innen nachfragen; die Nachfrage lag aber immer noch deutlich höher als das Angebot und ist im Jahr 2014 sogar erstmals wieder angestiegen. Der Fachkräfteengpass liegt damit elf Prozent über dem Niveau von 2014, hat sich also leicht entspannt.

  • Für Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen ergibt sich im zeitlichen Vergleich folgendes Bild: Auch in dieser Berufsgruppe wurden im Jahr 2008 deutlich mehr Fachkräfte gesucht als 2006, so dass eine ausgeprägte Fachkräftelücke die Folge war. In den Jahren 2010 und 2012 war die Nachfrage dann allerdings rückläufig, so dass das Ergebnis der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage für das Jahr 2012 einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zeigte. Im Jahr 2014 jedoch ist erstens das Angebot zurückgegangen und zweitens hat sich die Nachfrage im Vergleich zum Erhebungsjahr 2012 fast verdoppelt. Dieser Trend setzte sich zum Jahr 2016 ähnlich fort, wobei das Angebot, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau als die Nachfrage, mit anstieg. Der Fachkräfteengpass hat sich damit 2016 im Vergleich zum Jahr 2014 um weitere 45 Prozent verschärft.

  • Für staatlich geprüfte Pflegehelfer/innen zeigt sich bis 2010 ein kontinuierlicher Nachfrageanstieg. Lag die Nachfrage in den Jahren 2010 und 2012 in etwa konstant, ist sie bis zum Jahr 2016 wieder deutlich angestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2006 wurden achtmal mehr Altenpflegehelfer/innen und viermal mehr Krankenpflegehelfer/innen gesucht. Über den gleichen Zeitraum konnte das Angebot jedoch lediglich um den Faktor 2,8 vergrößert bzw. bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen sogar nicht einmal auf dem Niveau von 2006 gehalten werden. Nachdem die Lücke zwischen 2010 und 2012 dank stagnierendem Angebot leicht geschlossen werden konnte, ist der Engpass in den Jahren 2014 und 2016 wieder gewachsen.

  • Das Angebot an angelernten und anzulernenden Pflegehilfskräften ist im Zeitverlauf aufgrund methodischer Probleme nicht vergleichbar. Die Nachfrage hat sich zwischen 2006 und 2008 fast verdoppelt und ist seither kontinuierlich gestiegen und im Jahr 2016 leicht gesunken. 2006 bis 2014 war das Angebot stets größer als die Nachfrage, was sich jedoch 2016, durch das starke Absinken des Angebots, umgekehrt hat.

Saldo aus Angebot und Nachfrage in Relation zum Beschäftigtenstand

Die Salden aus Angebot und Nachfrage in absoluten Zahlen geben zwar einen ersten Überblick zur Arbeitsmarktlage in den jeweiligen Berufen. Genauer ist allerdings eine relative Betrachtung der Salden. Dafür werden die Überhänge bzw. Engpässe in Beziehung gesetzt zum Beschäftigtenstand in den jeweiligen Qualifikationen. Damit kann gezeigt werden, wie viel die festgestellte Unterdeckung in Prozent bezogen auf den aktuellen Beschäftigtenstand ausmacht.

  • Für die Altenpfleger/innen entsprach die Lücke im Jahr 2010 16 Prozent des Beschäftigtenstandes: Bei einem Beschäftigtenstand von 12.740 Personen haben demnach knapp 2.000 Fachkräfte gefehlt. Auch wenn die Beschäftigtenzahlen bis 2016 auf 18.562 deutlich angestiegen sind, hat sich am relativen Saldo wenig geändert: Zum Jahr 2012 sinkt die Quote um zwei Prozentpunkte (14 Prozent), um 2014 wiederum durch die erhöhte Nachfrage auf 15 Prozent anzusteigen und 2016 auf 14 Prozent zu sinken.

  • Bei den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwar liegen die relativen Engpässe mit fünf Prozent im Jahr 2016 unter dem Niveau der Altenpfleger/innen, jedoch gibt es ähnliche zeitliche Entwicklungen. Bei den Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen stieg die Quote von neun Prozent 2014 auf nun zwölf Prozent. Auch für diese beiden Berufe ist von 2010 zu 2012 eine Entspannung der Arbeitsmarktlage zu beobachten, für die Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen ergibt sich 2012 sogar ein ausgeglichener Arbeitsmarkt. Im Jahr 2014 entspricht die Unterdeckung in Relation zum Beschäftigtenstand wieder dem Wert von 2010 bzw. übersteigt diese bei den Krankenpfleger/innen um drei Prozent. Während das Angebot über den Vergleichszeitraum in beiden Berufen leicht rückläufig war, lag die Nachfrage nach einem deutlichen Rückgang in 2012 zuletzt über dem Niveau von 2010.

  • Der relative Fachkräfteengpass bei den Altenpflegehelfer/innen ist im Vergleich zu den anderen Berufsgruppen am größten. Hier war der relative Saldo 2010 so hoch, dass dies einem Drittel des damaligen Beschäftigtenstands entsprach. Dank eines stark steigenden Angebots bei mäßig wachsender Nachfrage konnte der Engpass bis 2012 auf 15 Prozent des Beschäftigtenstands mehr als halbiert werden. Aufgrund einer stärkeren Nachfrage im Jahr 2014 stieg der Saldo wieder leicht auf 18 Prozent und blieb auch 2016 auf diesem Wert.

  • Die Arbeitsmarktlage für Krankenpflegehelfer/innen ist weniger stark angespannt als für Altenpflegehelfer/innen. Dennoch fehlte auch hier im Jahr 2010 ca. ein Zehntel bezogen auf den damaligen Beschäftigtenstand (11 Prozent). In den folgenden zwei Jahren sank zwar das Angebot, jedoch wurden auch deutlich weniger Krankenpfleger/innen nachgefragt. Dies resultierte in einem leichten Absinken des relativen Saldos auf acht Prozent. Dieser Trend setzte sich im Jahr 2014 entgegengesetzt zu den Entwicklungen in allen anderer Berufsgruppen fort: Während die relativen Fachkräfteengpässe für die Pflegefachkräfte sowie die Altenpflegehelfer/innen von 2012 auf 2014 bzw. 2016 größer wurden, sank der relative Saldo für die Berufsgruppe der Krankenpflegehelfer/innen weiter auf sieben und 2016 auf fünf Prozent ab.


  1. Die Betrachtungen im Zeitverlauf für die Pflegekräfte mit anerkannten Weiterbildungen sind allerdings nur bedingt aussagekräftig, da mit der Einführung einer neuen Weiterbildungs- und Prüfungsordnung im Jahr 2010 zum Teil andere Weiterbildungen staatlich anerkannt sind als in den Jahren zuvor.

  2. Ausgenommen sind angelernte und anzulernende Pflegehilfskräfte. Für diese unterste Qualifikationsebene war das Angebot immer höher als die Nachfrage. Kritisch anzumerken ist hierbei allerdings, dass wohl nicht sämtliche bei den Arbeitsagenturen als ‚Pflegehilfskräfte‘ kategorisierte Personen auch tatsächlich in der Pflege einsetzbar sind.