1.2 Methoden und Datenqualität

Zur Beschreibung des Beschäftigtenbestands und der Arbeitsmarktsituation in der Pflege werden Daten aus verschiedenen Quellen miteinander verknüpft.1 Dazu erfolgt ein Rückgriff auf Datenbestände aus der Krankenhaus-, Pflege- und Arbeitslosenstatistik. Diese Daten werden einer sekundär-analytischen Aufbereitung unterzogen. Zum Füllen noch bestehender Datenlücken werden Primärdaten über die Befragung von Leistungserbringern, Bildungseinrichtungen sowie von Experten/innen gewonnen. Dabei ist der Hessische Pflegemonitor als ein kontinuierliches Arbeitsmarktinformationssystem konzipiert, welches regelmäßig Aktualisierungen der hessischen Arbeitsmarktdaten vornimmt und die Abbildung von zeitlichen Arbeitsmarktverläufen erlaubt. Nach der Piloterhebung im Jahr 2007 wurden daher die oben beschriebenen Analyseschritte im zweijährigen Turnus wiederholt, so dass im Frühjahr 2017 die sechste Welle durchgeführt werden konnte. Wiederum ist es gelungen, eine sehr gute Datenqualität zu gewährleisten. Die Daten werden auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte erhoben. Damit eignet sich der Hessische Pflegemonitor als Planungsgrundlage für Politik, Verwaltung oder Verbände, denn Entwicklungen im zeitlichen Verlauf werden wissenschaftlich fundiert und zuverlässig erkennbar.

1. Daten zur Beschreibung des Beschäftigtenbestands

In der Krankenhausstatistik wird die Zahl der in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken beschäftigten Pflegekräfte erfasst, in der Pflegestatistik die Pflegekräfte, die bei ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen beschäftigt sind. Die Daten beider Statistiken werden als Vollerhebungen gewonnen, so dass davon ausgegangen werden kann, dass der Beschäftigtenbestand der Pflegekräfte in allen Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen erfasst wird. Die aktuellen Daten, die in beiden Statistiken vorliegen, beziehen sich auf das Jahr 2015. Um Entwicklungen einschätzen zu können, wurden zudem Daten aller davorliegenden Erhebungszeitpunkte (2003, 2005, 2007, 2009, 2011, 2013) genutzt. Alle Informationen können nach Regionen differenziert ausgewertet werden, was eine Identifizierung regionalspezifischer Beschäftigungspotentiale in der Pflege ermöglicht. Um den Datenschutz zu gewährleisten, bilden die Versorgungsgebiete des Hessischen Krankenhausgesetzes die kleinste regionale Einheit für die Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken. Aufgrund größerer Fallzahlen bei ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen kann – unter Einhaltung des Datenschutzes – eine feinere regionale Differenzierung vorgenommen werden. Die entsprechenden Daten liegen auf der Ebene von Kreisen vor.

2. Konzeptioneller Ansatz, Methoden und Daten zur Beschreibung der Arbeitsmarktsituation von Pflegekräften in Hessen

Die Beschreibung der Arbeitsmarktsituation basiert konzeptionell auf einem so genannten Matching-Ansatz, wie dieser in der Arbeitsmarktforschung häufig angewandt wird. Dabei wird die Nachfrage nach Pflegekräften dem verfügbaren Angebot gegenübergestellt, um auf diese Weise zu analysieren, ob eine Match- oder eine Mismatchsituation vorliegt. Während bei einer Matchsituation das Angebot ausreichend ist, um die Nachfrage zu bedienen, decken sich die beiden Größen bei einem Mismatch nicht. Entweder ergibt sich ein Angebotsüberhang oder ein Mangel.

Die methodische Vorgehensweise ist dadurch bestimmt, dass verschiedene Datenbestände zur Beschreibung von Angebot und Nachfrage inhaltlich und damit auch rechnerisch miteinander verknüpft werden. Während das Angebot aus Absolventen/innen von Aus-, Weiterbildung und Studium sowie aus vermittelbaren arbeitslosen Pflegekräften besteht2, wird die Nachfrage als die Zahl der für offene, zu besetzende Stellen gesuchten Pflegekräfte definiert.

Um die Zahl an Pflegekräften angebots- und nachfrageseitig analysieren zu können, bedarf es einer einheitlichen Merkmalsstruktur. Die Systematik der Berufe und Qualifikationsstufen eignet sich als eine solche Struktur.

Qualifikations-stufen Altenpflegeberufe Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflegeberufe
5. staatlich geprüfte/r Altenpfleger/in mit pflegebezogenem Studienabschluss staatlich geprüfte/r Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in mit pflegebezogenem Studienabschluss
4. staatlich geprüfte/r Altenpfleger/in mit staatlich anerkanntem Weiterbildungsabschluss staatlich geprüfte/r Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in mit staatlich anerkanntem Weiterbildungsabschluss
3. staatlich geprüfte/r Altenpfleger/in staatlich geprüfte/r Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in
2. staatlich geprüfte/r Altenpflegehelfer/in staatlich geprüfte/r Krankenpflegehelfer/in
1. Pflegehilfskraft Pflegehilfskraft

Sowohl Pflegekräfteangebot als auch -nachfrage sind im jahreszeitlichen Verlauf starken Schwankungen unterworfen. Deshalb eignen sich Stichtagsdaten nicht zur Abbildung. Dort bleibt es regelrecht dem Zufall überlassen, ob gerade Situationen der Zu- bzw. Abnahme oder des Durchschnitts erfasst werden. Aus diesem Grund werden Daten eines vollen Kalenderjahres berücksichtigt, um auf diese Weise saisonale Abweichungen zu bereinigen.

Die Messung von Angebot und Nachfrage erfolgt zu Bruttowerten. Nachfrageseitig umfasst die Bruttogröße die Zahl aller Pflegekräfte, die in einem Kalenderjahr von Leistungserbringern nachgefragt werden. Diesem Wert wird die angebotsseitige Bruttogröße gegenübergestellt, die sich aus der Zahl aller Absolventen/innen eines Jahres zusammensetzt. Hinzu kommen die im Verlauf eines Kalenderjahres arbeitslos gewordenen Pflegekräfte.

Die Bruttogrößen der Nachfrage- und der Angebotsseite werden über verschiedene Datenbestände abgebildet. Die meisten Datenbestände müssen als Primärdaten gewonnen werden. Die folgende Tabelle ermöglicht einen Überblick hierüber.

Zuordnung zu Angebot und Nachfrage Datenbestand Quelle
Nachfrage Zahl der gesuchten Pflegekräfte bei allen ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken in einem Kalenderjahr Primärdaten – durch Befragung aller Leistungserbringer
Angebot Zahl der Absolventen/innen von Alten- und Krankenpflegeschulen in einem Kalenderjahr Sekundärdaten – aus den Statistiken des Regierungspräsidiums Darmstadt
Zahl der Absolventen/innen mit staatlich anerkannten Weiterbildungsabschlüssen in einem Kalenderjahr Sekundärdaten – aus den Statistiken des Regierungspräsidiums Darmstadt
Zahl der Absolventen/innen pflegebezogener Studiengänge eines Kalenderjahres Primärdaten – durch Befragung aller einschlägigen Hochschulen
Zahl der vermittelbaren arbeitslosen Pflegekräfte eines Kalenderjahres Sekundärdaten – aus der Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit

Um eine möglichst aktuelle Beschreibung des hessischen Pflegearbeitsmarktes zu erhalten, werden Daten des letzten abgeschlossenen Kalenderjahres (2016) herangezogen. Die Primärdaten wurden ab Februar 2017 über eine elektronische Befragung aller Leistungserbringer, aller Alten- und Krankenpflegeschulen, aller überbetrieblichen Weiterbildungsstätten und aller einschlägigen Hochschulen in Hessen gewonnen. Die Rückläufe lagen bei den Einrichtungen der Leistungserbringer zwischen 52 und 72 Prozent.3 Zudem waren die gewonnenen Daten repräsentativ bezüglich ihrer Verteilung auf die Versorgungsbereiche, Regionen4 und Einrichtungsgrößen. Sie replizierten dadurch die Strukturen der Grundgesamtheit sehr gut. Vor diesem Hintergrund wurde eine Hochrechnung auf alle Einrichtungen der Leistungserbringer in Hessen vorgenommen. Diese Daten zeichnen sich durch eine hohe Datenqualität aus und geben mit großer Wahrscheinlichkeit die tatsächliche Pflegekräftenachfrage im Jahr 2016 wieder. Die Absolventendaten der Alten- und Krankenpflegeschulen, der überbetrieblichen Weiterbildungsstätten sowie der Hochschulen lagen jeweils zu 100 Prozent vor, wobei Sekundär- und Primärdaten kombiniert wurden. Damit wird die tatsächliche Zahl der Absolventen/innen des Jahres 2016 abgebildet.5

Die Daten zu arbeitslosen Pflegekräften wurden sekundäranalytisch aufbereitet. Dazu wurden zunächst die Jahresbruttogrößen ermittelt, indem zur Zahl der arbeitslosen Pflegekräfte im Januar 2016 alle Zugänge in Arbeitslosigkeit von Februar bis Dezember 2016 addiert wurden. Da nicht das gesamte Potential an Arbeitslosen als vermittelbar betrachtet werden kann, wurde die Anzahl der Arbeitslosen abgezogen, die als nicht vermittelbar gelten.6

Die Jahresbruttogrößen arbeitsloser vermittelbarer Pflegekräfte wurden mit den Zahlen der Absolventen/innen zusammengeführt, so dass daraus die Angebotsbruttogröße entstand. Diese wurde dann von der Nachfragebruttogröße abgezogen. Der auf diese Weise ermittelte Bruttojahresendsaldo gibt Auskunft über die Pflegekräftesituation. Bei einem großen positiven Saldenwert kann von einem Überhang ausgegangen werden, während ein negativer Wert Hinweise auf einen Mangel gibt. Saldenwerte im Bereich um Null gelten als Indikator für eine ausgeglichene Situation zwischen Angebot und Nachfrage.

Jahresbruttogrößen und die daraus abgeleiteten Saldenwerte werden für alle Berufe und Qualifikationsstufen sowohl auf Landesebene als auch für jeden Landkreis bzw. jede kreisfreie Stadt in Hessen ermittelt.


  1. Eine Beschreibung des methodischen Vorgehens bei der Vorausschätzung des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften findet sich in Kapitel 5.1.

  2. Konzeptionell gehören zum Angebot zusätzlich die aktivierbare stille Reserve an Pflegekräften sowie die Stellenwechsler/innen. Zu beiden Gruppen liegen jedoch keine Daten vor.

  3. Rückläufe der elektronischen Befragung im Frühjahr 2017: Ambulante Pflegeeinrichtungen 61 Prozent (n=733); stationäre Pflegeeinrichtungen 61 Prozent (n=457); Krankenhäuser 55 Prozent (n=82) und Rehabilitationskliniken 72 Prozent (n=61).

  4. Region = Landkreise/kreisfreie Städte

  5. Rückläufe der Befragung im Frühjahr 2017: Altenpflegeschulen 91 Prozent (n=48), Krankenpflegeschulen 81 Prozent (n=43), überbetriebliche Weiterbildungsstätten 36 Prozent (n=26) und einschlägige Hochschulen 100 Prozent (n=4).

  6. Ebenso wurden langzeitarbeitslose Pflegekräfte als nicht vermittelbar eingestuft, da nach Expertenansicht häufig Eingliederungshindernisse vorliegen, die in den Daten der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst werden können (vgl. Abschlussbericht zur Studie ‚Arbeitsmarkt Pflege – Arbeitsmarkt der Zukunft. Pflegekräftesituation in den ambulanten und den stationären Pflegeeinrichtungen in Hessen. Eine regionalisierte Analyse des Pflegekräfteangebots und der –nachfrage. Hessisches Sozialministerium. Wiesbaden 2006). Eine weitere Bereinigung der Bruttogröße wurde vorgenommen, indem die Zahl der Arbeitslosen, die sich im Jahr 2016 nach kurzen Beschäftigungssequenzen mehrfach arbeitslos gemeldet hatten, abgezogen wurde. Falschzuordnungen zu Berufsgruppen wurden ebenfalls korrigiert sowie Mehrfachzählungen von Pflegekräften, die sowohl als Absolventen/innen als auch als Arbeitslose im Jahr 2016 erfasst waren. Verfahren zur Ermittlung der Jahresbruttogrößen arbeitsloser Pflegekräfte sowie die Bestimmung der Vermittelbarkeit sind detailliert dokumentiert und können beim Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) abgefragt werden. [Hessischer-Pflegemonitor@em.uni-frankfurt.de]